Travisher

Hier werden Holzprojekte diskutiert, die vorwiegend mit Handwerkzeugen und nicht mit Maschinen realisiert werden. Hier ist auch ein Platz für traditionelle Oberflächenbehandlung von Holz. Ebenso geht es hier um klassische Handwerkzeuge zur Holzbearbeiteng, deren Bedeutung, Pflege und Gebrauch.
flüsterholz
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Re: Travisher

Beitrag von flüsterholz »

Hallo Michael
Vielleicht muss es ja auch nicht unbedingt ein Travisher sein. Schweifhobel mit abgewinkelten Griffen und konvexer Sohle wären noch eine Möglichkeit. Aber auch mit Schnitzeisen kannst du recht unterschiedliche Oberflächen erzeugen, von grob bis fein. Anbei ein paar Bilder von einem aktuellen Projekt, an dem man, denke ich, recht gut die verschiedenen Bearbeitungsstufen von grob bis fein erkennen kann.
Gruß Michael
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Michael2024
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Re: Travisher

Beitrag von Michael2024 »

flüsterholz hat geschrieben: Mi 8. Jan 2025, 00:04 Vielleicht muss es ja auch nicht unbedingt ein Travisher sein. Schweifhobel mit abgewinkelten Griffen und konvexer Sohle wären noch eine Möglichkeit. Aber auch mit Schnitzeisen kannst du recht unterschiedliche Oberflächen erzeugen, von grob bis fein.
Danke für die Bilder und den Hinweis auf die Alternativen zum Travisher. David hatte den Schweifhobel ja auch schon mal vorgeschlagen.
Ich bin mir noch nicht ganz klar, was ich machen werde. Dank der vielen Anregungen hier im Forum habe ich zahlreiche neu Ideen.
Wenn ich mich entschieden habe, werde ich berichten.
Konrad Holzkopp
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Re: Travisher

Beitrag von Konrad Holzkopp »

Guuden,

für die die es versuchen wollen, die Terramesser könnten funzen.
Wer ein paar Brocken haben möchte, melden!

Gut Holz!
Justus
Gut Holz!
Justus
Michael2024
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Re: Travisher

Beitrag von Michael2024 »

Hallo liebes Forum,

ich hatte ja angekündigt, dass ich mich wieder melde, wenn ich mich entschieden habe, ob ich den Selbstbau eines Travisher versuche.
Da ich gesundheitlich angeschlagen war, hat es etwas länger gedauert. Schließlich habe ich mich für das Abenteuer des Selbstbaus entschieden, weil ich mir ja zu diesem Thema auch das Video von Claire Minihan gekauft hatte. Dort sah alles sehr einfach und nachvollziehbar aus.

Ich war immer entsetzt über die Kaufpreise eines neu gebauten Travishers. Sei es von Claire Minihan selber - sie baut übrigens ganz toll aussehende Travisher, die aber ein Vermögen kosten - oder von anderen etwas günstigeren Anbietern mit einfacheren Modellen im Internet. Jetzt weiß ich, warum die Teile so teuer sind. Es ist extrem viel Arbeit.

Da ich eine etwa 30cm lange Schiene mit Werkzeugstahl gekauft habe, dachte ich mir in meiner Naivität, dass ich doch gleich drei Teile bauen kann. Zwei Travisher mit unterschiedlichen Rundungen und ein Spokeshave mit gerader Klinge.

Als Holz für die Körper der Teile habe ich mich für Kirsche entschieden und für die Sohle habe ich Ebenholz benutzt. Ich habe keine Messingsohle gebaut, sondern wie im Video von Claire Minihan Hartholz benutzt. Als Finish habe ich sündhaft teures Gunstock Finish (True Oil von Birchwood Casey) genommen. Für den riesigen Aufwand aus meiner Sicht angemessens.

Auf den Fotos könnt ihr die drei von mir selbst gebauten Teile sehen. Sicherlich keine Meisterwerke, aber für mich und meine bescheidenen Fähigkeiten finde ich die ganz in Ordnung. Vor allem weil die Klingen schön scharf sind und alle drei Teile eine gute Schnittleistung haben. Das Schärfen - vor allem das der Travisher-Klingen - hat mich dann allerdings schon an meine Grenzen gebracht.

Beste Grüße
Michael
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flüsterholz
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Re: Travisher

Beitrag von flüsterholz »

Sehr schick! Magst du noch etwas dazu erzählen? Die Schrauben sind in Rampamuffen? Wenn ja, wie hast du den richtigen Winkel für die Bohrung eingestellt.
Ist die Sohle auch konvex senkrecht zum Eisen? Ich kann es auf den Bildern nicht eindeutig erkennen. Wenn ja, wie bist du da vorgegangen um den Radius zu bestimmen und ihn dann anzubringen?

Gruß Michael
chschmitz
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Re: Travisher

Beitrag von chschmitz »

Hallo Michael,

die sind sehr schön geworden! Danke für's Zeigen.

Vielleicht ein bisschen spät für diese Diskussion, aber egal: Paul Sellers hat mal die Herstellung von Schweifhobeln mit einfachen Mitteln im heimischen Gartengrill gezeigt, da kann man sich vielleicht auch etwas abgucken.

https://youtu.be/jZwzBbcwbgU?si=zKF-_XZcc9o3gyxh

Viele Grüße
Christoph
Michael2024
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Re: Travisher

Beitrag von Michael2024 »

flüsterholz hat geschrieben: Do 30. Apr 2026, 09:57 Sehr schick! Magst du noch etwas dazu erzählen?
Sehr gerne.
Ich bin wie folgt vorgegangen:

1.) Ausdrucken des PDF's, welches bei dem Video von Claire Minihan dabei war. Es beinhaltet Schablonen und Maße für Travisher und Spokeshave (Holzteile und Klingen).

2.) Absägen des Werkzeugstahls (3 Stück) auf die korrekten Längen. Ich habe den Werkzeugstahl bei eBay gekauft. Es handelt sich um "1.2510/1.2842 100MnCrW4/90MnCrV8 Werkzeugstahl" mit den Maßen 500x25x3mm. Der Werkzeugstahl ist beim Kauf noch nicht gehärtet und lässt sich gut bearbeiten.

3.) Bohren und Senken der Löcher für die Schrauben in den Werkzeugstahl.

4.) Bauen der Holzschablonen für die Travisher-Klingen. Die habe ich mir aus KVH-Resten zusammengeklebt und mit der Bandsäge geschnitten.

5.) Biegen der beiden Travisher-Klingen mit den Holzschablonen im Schraubstock.

6.) Anzeichnen und Vorschleifen der Schneiden auf dem Doppelschleifer. Ich habe an den Schneiden etwa 0,7mm stehen gelassen, damit diese beim Härten nicht verglühen. Zum Schleifen kann man die Schablonen als Halter nehmen und die gebogenen Klingen daran festschrauben. Dann hat man seine Finger in sicherem Abstand zum Schleifrad. Ich habe das Schleifrad des Doppelschleifers etwas gerundet.

7.) Härten der Klingen: Erhitzen bis sie kirschrot sind und dann rasch in Motoröl "abgeschreckt". Der Stahl ist jetzt sehr spröde. Nach dem Abkühlen und gründlichen Säubern für eine Stunde bei 200°C im Backofen lassen. Der Name für diesen Prozess ist mir leider entfallen (evtl. "Tempern").

8.) Aussägen der Travisher- und Spokeshave-Körper mit der Bandsäge und Anpassen der Rundungen der Klingen, damit diese überall aufliegen. Das habe ich auf meinem kleinen Tellerschleifer gemacht.

9.) Anzeichnen der Löcher für die Rampa Muffen mit Hilfe der bereits vorgebohrten Klingen.

10.) Bohren der Löcher für die Rampa Muffen. Den Winkel habe ich bei den beiden Travishern per Augenmaß gewählt, das ging ganz gut. Beim Spokeshave habe ich die Tischbohrmaschine benutzt, da bei dem Teil zu diesem Zeitpunkt noch alles rechtwinklig war.

11.) Eindrehen der Rampa Muffen in die Hobelkörper, ebenfalls per Augenmaß. Ich habe die Löcher für die Rampa Muffen zusätzlich noch mit "5 Minute Epoxy" von Loctite eingeschmiert, damit alles bombenfest hält. Das war leider nicht so leicht, wie ich es mir vorgestellt habe.

12.) Anzeichnen der Öffnung des Hobels für den Abtransport der Späne. Vorsägen und ausstemmen mit dem Stemmeisen. Das erfordert vollste Konzentration, da man diesen Schritt auf keinen Fall versauen sollte.

13.) Anzeichnen und Vorsägen der Hartholzsohlen aus Ebenholz. Diese habe ich bei einen Onlinehändler erworben, der Edelhölzer verkauft. Ich konnte mir kleine und fast passende Stücke bestellen.

14.) Aufkleben der vorgesägten Hartholzsohlen. Als Klebstoff habe ich "5 Minute Epoxy" von Loctite benutzt. Beide Seiten dünn einschmieren.

15.) Anpassen der Hartholzsohlen an die Form der Klingen. Diese sollten zunächst parallel zu den Klingen geschliffen werden. Ich habe dafür einen langen Strang Schleifpapier auf einem geraden Brett befestigt.

16.) Schleifen der Schneiden der Klingen. Zuerst vorsichtig auf dem Bandschleifer und immer wieder in kaltem Wasser oder mit Druckluft abkühlen. Dann die Rückseiten mit Schleifsteinen und die Klingeninnenseiten mit entsprechenden Hilfsmitteln wie z. B. abgerundeten Schleifsteinen oder diamantbeschichteten abgerundeten Schleifeisen schleifen. Immer feiner werden und zum Schluss mit Polierpaste auf einem entsprechenden Leder abziehen.

17.) Abwinkeln der Sohle. Die Sohlen sind zunächst parallel zu den Klingen geschliffen worden. Jetzt werden sie mit einem Winkel von 6° nach hinten abgeschrägt. Damit hat man die Möglichkeit den Holzabtrag zu variieren. Ich habe zunächst auf dem Tellerschleifer grob vorgearbeitet und dann mit Ziehklingen das Feintuning durchgeführt. Wenn man den Travisher oder den Spokeshave komplett auf der Sohle über das Holz bewegt, sollte der geringste Spanabtrag generiert werden. Man kann nun den Winkel immer mehr verändern und so einen immer größeren Spanabtrag bewirken. Man sollte immer wieder Probeschnitte machen, um für sich die richtige Spandicke einzustellen (sowohl für die minimalste und die maximalste Spandicke).

18.) Wenn man zufrieden mit der Einstellung der Spandicke ist, muss man den Hobel jetzt "nur noch" zu Ende formen. Das ist mit Abstand die schweißtreibendste und anstrengendste Arbeit. Mit Bandschleifer, Raspeln, Feilen, Ziehklingen und Schmirgelpapier habe ich mich immer weiter an eine möglichst glatte Oberfläche angenähert.

19.) Die schönste und auch letzte Arbeit ist das Auftragen des Finishs. Dafür habe ich drei Schichten "True Oil" von Birchwood Casey genommen.

Im Video von Claire Minihan ist jeder einzelne Schritt genauestens zu sehen und wird sehr gut erklärt. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich so etwas selber bauen will, die 22$ für den Download zu investieren.

Einen "Schnelldurchlauf" zum Bau des Travishers (nicht von mir !) gibt es auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=QvH7TUwNBG8 (hatte ich schon mal erwähnt).

Weitere Fragen beantworte ich sehr gerne.
Zuletzt geändert von Michael2024 am Do 30. Apr 2026, 18:08, insgesamt 4-mal geändert.
Michael2024
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Re: Travisher

Beitrag von Michael2024 »

chschmitz hat geschrieben: Do 30. Apr 2026, 17:14 Hallo Michael,

die sind sehr schön geworden! Danke für's Zeigen.

Viele Grüße
Christoph
Hallo Christoph,

sehr gerne und danke für Dein Anerkennung.

Beste Grüße
Michael
chschmitz hat geschrieben: Do 30. Apr 2026, 17:14
Vielleicht ein bisschen spät für diese Diskussion, aber egal: Paul Sellers hat mal die Herstellung von Schweifhobeln mit einfachen Mitteln im heimischen Gartengrill gezeigt, da kann man sich vielleicht auch etwas abgucken.

https://youtu.be/jZwzBbcwbgU?si=zKF-_XZcc9o3gyxh

Viele Grüße
Christoph
Das Video habe ich auch schon mal gesehen. Paul Sellers ist Kult und ich habe viel von seinen Videos gelernt. Zum Glück bietet er neben seinen Bezahlvideos auch genügend kostenlose Videos auf YouTube an. Ich war auch mal Mitglied bei ihm und sein Bezahlvideos bieten noch mal einen tieferen Einblick in seine Vorgehensweise.

Für Leute, die keine Gas Schmiede besitzen ist der Holzkohlegrill mit Sicherheit eine tolle Alterntive. Ich habe auch schon Varianten mit Campinggbrennern gesehen. Die scheinen auch zu funktionieren.
Johannes M
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Registriert: Di 21. Jul 2020, 09:09

Re: Travisher

Beitrag von Johannes M »

Hallo,
schöne Werkzeuge. Aber sehe ich das richtig, dass es keine Möglichkeit gibt die Maulweite einzustellen?

Es grüßt Johannes
Michael2024
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Registriert: Sa 24. Feb 2024, 02:20

Re: Travisher

Beitrag von Michael2024 »

Johannes M hat geschrieben: Do 30. Apr 2026, 18:39 Hallo,
schöne Werkzeuge. Aber sehe ich das richtig, dass es keine Möglichkeit gibt die Maulweite einzustellen?

Es grüßt Johannes
Ich nehme an Du meinst mit Maulweite, die Höhe des Eisens im Verhältnis zur Sohle. Wenn das so ist, stimmt es, die Maulweite kann in diesem Sinne nicht eingestellt werden, da das Eisen immer an der gleichen Stelle am Hobelkörper festgeschraubt wird und damit die Öffnung zur Sohle gleich bleibt.

Eine Verstellung der Maulweite ist aus meiner Sicht aber auch nicht notwendig, da man die Spandicke über die 6° geneigte Sohle (hier aus Ebenholz) bei der entsprechenden Benutzung (in gewissen Grenzen) anpassen kann. Hobelt man überwiegend auf der Sohle (steiler), sind die Späne feiner/dünner. Je "flacher" man den Hobel benutzt bzw. neigt, desto dicker werden die Späne. Das erfordert allerdings etwas Übung und ich bin noch weit davon entfernt das zu beherrschen.

Beim Anpassen der Sohle kann man die minimale und maximale Spandicke "einstellen". Je mehr Material man von der Sohle entfernt, desto dicker werden die Späne (minimal sowie maximal je nach Benutzung). Ob eine solche Einstellung von Dauer sein wird, wird sich noch herausstellen müssen, da sich auch hartes Ebenholz mit der Zeit abnutzt. Ich werde die Teile aber auch nicht so exzessiv nutzen, wie beispielsweise ein Stuhlbauer, der damit sein Geld verdienen muss.
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