Aufsatzzange aus Holzwerken 50

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Kai R.
Beiträge: 126
Registriert: Sa 3. Mär 2018, 22:09

Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Kai R. »


Hallo Holzwerkerinnen und Holzwerker,

ich bin dabei, die Aufsatzzange aus dem Heft Holzwerken 50 aus Buchenleimholz zu bauen. Dabei bin ich auf etwas gestoßen, wo aus meiner Sicht Text und Bilder nicht zueinander passen. Daher frage ich hier bei den Experten nach.

Auf S. 32 heißt es in der mittleren Spalte: "Achten Sie unbedingt auf den Verlauf der Maserung bei den Streben zwischen den beiden Platten. Es gilt hierbei eine Verleimung von Längs- und Querholz zu vermeiden."
Auf S. 32 ist oben links ein Bild. In Kombination mit der Materialliste auf S. 30 sieht man im unteren Bildteil, dass die Streben bis vor zur feststehenden Backe reichen, sonst wäre die Breite der Streben nicht 330mm.

Jetzt kommen aber die Ungereimtheiten:
Auf S. 33 steht bei Bild 4: "Achten Sie bei den vier Streben unbedingt beim Zuschnitt auf die richtige Maserrichtung (rote Pfeile), die sich zwischen der unteren und oberen Platte befinden. So vermeiden Sie eine Verleimung von Längs- und Querholz. Zum quer laufenden Zangen-Hinterteil haben die Streben keinen Kontakt"
Das Bild zeigt dementsprechend einen Abstand von ca. 10mm zur Kante der Bodenplatte. Links daneben ist das liegende später feststehende Zangen-Hinterteil und im Hintergrund die bewegliche Backe zu erkennen. Hier passen also Text, Zeichnung und Bild nicht wirklich richtig zusammen. Die Streben dürften "nur" ca. 320mm breit sein.

Auf S. 34 ist dann im Bild 11 das Verleimen der hinteren, festen Spannbacke gezeigt. Hier ist zu erkennen, dass die Strebe bündig zur Vorderkante der beiden Platten und die Vorderkante der Strebe auch mit Leim eingestrichen ist. Somit werden die Streben doch an die hintere, feste Spannbacke mit Querholz auf Längsholz verleimt.

Wie würdet Ihr die Aufsatzzange bzgl. dieses Details bauen bzw. wie habt Ihr es bei Eurer Aufsatzzange gemacht?

Ist es sinnvoll, die Streben bündig mit den Vorderkanten der beiden Platten einzubauen, aber drauf zu achten, dass kein Leim auf die Vorderkanten der Streben kommt? So hätte ich es gemacht, wenn Bild 11 nicht vorhanden wäre, weil dann die Streben die hintere, feste Spannbacke zusätzlich abstützen.
Es ist bei den Abmessungen vielleicht auch nur Erbsenzählerei, dennoch möchte ich es konstruktiv richtig machen. Da die größten Bauteile ja die Platten sind, hätte ich erwartet, dass diese in die Breite, also bezogen auf die Nutzung der Aufsatzzange vom Benutzer weg in die Tiefe wachsen und schrumpfen, während der kompakte Zangenbereich der Fixpunkt bleibt.

Bin auf Eurer Empfehlungen gespannt.

Vielen Dank, viele Grüße und noch frohe Rest-Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Kai R.

Hans-Jürgen
Beiträge: 11
Registriert: So 11. Jun 2017, 20:39

Re: Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Hans-Jürgen »


Servus,

schau mal hier in den Kommentaren nach: https://holzwerkerblog.de/2014/12/12/zweites-video-zur-aufsatzzange/
In Kürze: Bündig.
Bitte schön, gern geschehen.
Will ich mir auch bauen. Bilde mir aber ein, mit Holzschrauben.
Freundliche Grüße.


Kai R.
Beiträge: 126
Registriert: Sa 3. Mär 2018, 22:09

Re: Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Kai R. »


Hallo Hans-Jürgen,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort und den Link.

Ich baue die Ausatzzange übrigens auch nicht genau nach der Anleitung
- ich habe keinen BENCHCRAFTED Spindelsatz, sondern insgesamt 6 Muttern mit Trapezgewinde 20mm
- eine Gewindestante mit Trapezgewinde 20mm, 1m in der Mitte geteilt.
- Hantelgewichte 1kg als Handräder, war ein Set bei einem Discounter, den es im Norden und im Süden von Deutschland gibt ;-)
In die Hantelgewichte habe ich je eine Mutter eingepresst, jeweils zweiten Muttern werde ich in die feststehende Backe einlassen, jeweils zwei Muttern dienen dann noch zum Festschrauben der Trapezgewindestange. Da sich dadurch die Maße etwas ändern, ist bei mir die Aufdopplung ein Buchenholz der Stärke 52mm (zwei 26mm Stücke verleimt). Die Gewindestange ist ja lang genug. :-)

Viele Grüße



Hans-Jürgen
Beiträge: 11
Registriert: So 11. Jun 2017, 20:39

Re: Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Hans-Jürgen »


Ja sehr gut, das klingt nach einem Plan.
Ich werde vor Scham ganz rot, wenn ich daran denke, vor wie langer Zeit ich die Aufsatzzange schon bauen wollte.

Deinen Thread habe ich zum Anlass genommen, auch mal wieder nach Trapezspindeln zu suchen. TR 20x4, nennt sich das wohl.
Und bin begeistert; da gibt es ja mittlerweile ausreichend Angebote für, wo sie früher zB nur Aluprofile hatten.
Mit den Spindeln hatte ich immer gehadert, die guten Benchcrafted wollte ich mir auch nicht leisten.
Du läßt die halben Meter nach Belieben einfach hinten raus bzw. nach innen hinein stehen, vermute ich? Gute Idee, bin auch sehr für KISS.
Du mußt Deine Konstruktion dann unbedingt vorstellen, wenn es soweit ist.

Vielleicht packe ich das im neuen Jahr auch an. Mit Buche-Küchenarbeitsplatte aus dem Baumarkt, eventuell.
So bleibt noch Reserve für Mißgeschicke.

Auch Grüße, Hans-Jürgen.

Kai R.
Beiträge: 126
Registriert: Sa 3. Mär 2018, 22:09

Re: Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Kai R. »

Hallo Holzwerkerinnen und Holzwerker,

die Beiträge sind zwar schon älter und zwischenzeitlich war ja auch das Forum nicht Online. Ich möchte dennoch die Beitragsreihe mit dem Ergebnis meiner bescheidenen Bemühungen ergänzen und dem Wunsch von Hans-Jürgen nachkommen und meine Konstruktion vorstellen:

Da Bilder mehr als 1000 Worte sagen.

Die Aufsatzzange mit einer Breite von 82cm habe ich aus Leimholzplatten (zum Teil Resten aus dem Baumarkt) gebaut. Es ist dabei möglich, Teile bis zu einer Breite von 60 cm einzuspannen.
2021-05-15_AufsatzzangeKR_1-6.jpg
2021-05-15_AufsatzzangeKR_1-6.jpg (381.53 KiB) 2402 mal betrachtet
Als maximale Dicke eines Teils habe ich bis jetzt 12cm eingestellt. Das war bisher auch ausreichend, ...
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2021-05-15_AufsatzzangeKR_2-6.jpg (330.57 KiB) 2402 mal betrachtet
... wenn mehr gebraucht werden sollte, kann ich die Gewindestange (TR 20x4) noch weiter nach außen drehen. Dafür muss ich nur die beiden Muttern lösen und in der neuen gewünschten Position wieder festziehen.
Ich habe die Gewindestange der Länge 1m in der Mitte geteilt. Was hätte ich auch mit einem Abschnitt von wenigen cm machen sollen, ungenutzt wegwerfen?
2021-05-15_AufsatzzangeKR_4-6.jpg
2021-05-15_AufsatzzangeKR_4-6.jpg (403.92 KiB) 2402 mal betrachtet
Zwei Muttern wurden so am Tellerschleifer abgeschliffen, dass ich sie in die Hantelgewichte mit Schraubzwingen einpressen konnte, hält bisher tadellos. Gleichzeitig geben sie genügen Abstand zur beweglichen Backe, dass man gut drehen kann.
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2021-05-15_AufsatzzangeKR_3-6.jpg (400.49 KiB) 2402 mal betrachtet
Durch die "dreifache" Holzdicke konnte ich in der festen Backe je eine Mutter links und rechts einlassen, ohne dass eine zu geringe Wandstärke übrig geblieben wäre.
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2021-05-15_AufsatzzangeKR_5-6.jpg (383.61 KiB) 2402 mal betrachtet
Alle erreichbaren Kanten wurden mit dem Abrundfräser teilweise vor, teilweise nach dem Zusammenbau bearbeitet.
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2021-05-15_AufsatzzangeKR_6-6.jpg (350.44 KiB) 2402 mal betrachtet
Die Bohrungen (siehe erstes Bild) haben einen Durchmesser von 20mm (Forstnerbohrer und Abrundfräser vor dem Zusammenbau). Quadratische Klötzchen der Kantenlänge 40mm werden noch in Abschnitte einer Buchenholzrundstange (D=20mm) eingeleimt und als Einspannhilfsmittel genutzt. Leder habe ich keines aufgeklebt, ich kann die Teile bisher auch so ausreichend fest spannen.

Ich habe die Aufsatzzange sehr gern in Gebrauch, gerade um Teile mit der Oberfräse zu bearbeiten, möchte ich sie nicht mehr missen.

Viele Grüße und frohes und kreatives Holzwerken

Kai

(Es sind immerhin 311 Wörter geworden :lol: )
Rolf Richard
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Re: Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Rolf Richard »

Kai R. hat geschrieben: Sa 17. Sep 2022, 23:28 Die Aufsatzzange mit einer Breite von 82cm habe ich aus Leimholzplatten (zum Teil Resten aus dem Baumarkt) gebaut. Es ist dabei möglich, Teile bis zu einer Breite von 60 cm einzuspannen.
Gute Idee! :P

Erinnert mich an meine seit 15(?) Jahren eingesetzte Veritas Twin Screw Vise Hinterzange. Den habe ich allerdings in Berlin (Feine Werkzeuge) als eine Art Bausatz gekauft und in meine damals entstehende Bank eingebaut. Spannweite zwischen den Gewinden allerdings nur ca. 50 cm - gesamt 92 cm. Spindelstärke 27 mm - wohl irgenwas zölliges. Backe wie die Bank aus Buche.

Jedenfalls hast Du da eine interessante Arbeit zustandegebracht - Respekt!

Wie bist Du mit der Zange zufrieden? Ich möchte meine ganz bestimmt nicht mehr missen. Sie dient an meiner Bank allerdings als Hinterzange, bedient aber auch mehrere (vier) Reihen Bohrungen für runde Bankhaken. Auch die würde ich nicht eintauschen wollen.

Allerdings werden bei der Veritas beide Spindeln synchron bewegt - mittels Zahnrädern und einer darüberlaufenden Kette unter der aussen liegenden Abdeckung.

Gleich wie - viel Spass und Erfolg mit dieser in Deutschland anscheinend etwas ungeliebten Bauart. Geld gespart dürftest Du jedenfalls haben!

Hier ein Photo:
Bild

Mehr zur Bank: https://hatchcanyon.eu/Navigation/Sonst ... /index.php

Rolf
Kai R.
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Re: Aufsatzzange aus Holzwerken 50

Beitrag von Kai R. »

Hallo Rolf,

vielen Dank für Deine Rückmeldung. Die Beschreibung des Baus Deiner Hobelbank kenne ich, allerdings habe ich keinen so großen Werkraum.
Wie bist Du mit der Zange zufrieden?
Mit der Aufsatzzange bin ich sehr zufrieden. Sie wird beim Holzwerken mit Handwerkszeugen (Sägen, Bohren, Schleifen) und beim Fräsen mit der Oberfräse genutzt. Weiterhin wurde sie auch schon zum Pressen von Blättern für die Schule von meinen Kids verwendet, dabei haben wir zwischen zwei MPX-Reststücke die Blätter und Papier eingelegt und ordentlich zugedreht :P.

Viele Grüße
Kai
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