Konstruktiver Holzschutz bei einer Gartenbank

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Konrad Holzkopp
Beiträge: 1656
Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Tipp für D4-Leim erbeten

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Moin,

sorry, es war ja ein Tipp für einen Leim erfragt.
Ich verwende seit sehr langer Zeit den 303 von Kleiberit,
für extreme und lackfeste Verleimungen den Flaschen PU-Leim von Kleiberit
und Ponal. Das Mischen von Lein mit Härter vermeide ich.

Grundsätzlich traue ich den Leimen aller namenhaften Hersteller,
nur deren Angaben zur Presszeit nicht.

Gut Holz! Justus.

Andreas S.
Beiträge: 279
Registriert: So 1. Feb 2015, 15:46

Tipp für D4-Leim

Beitrag von Andreas S. »


Moin Uwe, moin Konrad,

herzlichen Dank für Eure Tipps.
Da wir gerade am schönen Chiemsee Urlaub machen, habe ich die nicht sofort gesehen.
Aber auch in Sachen Holz gibt's hier jede Menge zu besichtigen und zu bestaunen.

Ab dem 25.08.2021 geht's mit der Bank weiter - und ich werde berichten.

Herzlichen Gruß

Andreas

Andreas S.
Beiträge: 279
Registriert: So 1. Feb 2015, 15:46

die wahrscheinlich längste Bank der Welt - Teil 1 *MIT BILD*

Beitrag von Andreas S. »


Moin,

im August hatte ich geschrieben, ich würde berichten, wenn es weiter geht.
Nun - inzwischen steht die Bank mit der ersten Ölung auf der Hobelbank - und ich habe eine Menge gelernt!

Aber der Reihe nach.
Vor dem Urlaub im Juli/August hatte ich die Bohlen soweit aufgetrennt und besäumt.
Nach dem Urlaub ging mir dann auf, dass es aufgrund von Rissen ein wenig knapp werden könnte - also eine weitere Bohle nachgekauft.
Der Händler meines Vertrauens hier in Hamburg war mehr als fair!

Der Entwurf stand ja bereits fest. So sollte sie aussehen - nur ohne die "Schwinge":


Dann also je drei Lamellen für die beiden Seitenteile und die Sitzfläche zugeschnitten und anschließend von Hand abgerichtet und auf Dicke gehobelt.
Das ging schon ganz gut und ich hatte den Eindruck, dass die Marone ganz dankbar zu hobeln ist.

Zinken angezeichnet und gesägt.



Das ging ganz gut und auch mit dem Sägen war ich von ein paar Ausnahmen abgesehen ganz zufrieden.


Anschließend Stemmen

Das erste Zusammenstecken zeigte, dass die Schwalben / Zinken überwiegeng zu eng waren - aber beim Übertragen hätte ich sorgfältiger sein müssen.

Da ist wohl definitiv Üben angesagt.
Lernkurve 1: Gerade Sägen ist das eine. Zusammenpassen sollte es auch noch.

.... es geht weiter

Andreas S.
Beiträge: 279
Registriert: So 1. Feb 2015, 15:46

die wahrscheinlich längste Bank der Welt - Teil 2 *MIT BILD*

Beitrag von Andreas S. »


... Fortsetzung von Teil 1

Nach einigem Probestecken dann das Leimen.
Da ich mit Bindulin gute Erfahrungen gemacht hab' und der für mich einfach zu besorgen war, habe ich mich trotz der Bedenken von Justus für den Bindulin D4 entschieden.
Das ging grundsätzlich auch ganz gut - wenn auch ein wenig Stress aufkam.


Lernkurve 2: Man hat nicht nur immer Zwingen zu wenig - auch mit 2 Armen ist man irgendwie zu knapp ausgestattet. :-)
Obwohl die Sitzfläche ja nur 1,2m breit ist, war es schon Action, die Zwingen auszurichten.
Da würde ich beim nächsten Mal definitiv 2 helfende Hände organisieren.
Lernkurve 3: Helferlein, die helfen, die Seitenteile senkrecht auszurichten, machen echt Sinn!
Die Kopfstücke der Zwingen umzudrehen, nachdem das Werkstück geleimt war, war semigenial.
Da an 25 kg Bank rumzuzerren, die mit jeder Zwinge schwerer wird, bringt einen dann irgendwann an Grenzen.
Da musste ich an Justus' Tipp mit der Topfzeit denken - jetzt weiß ich, was er meinte ;-)

Das Ergebnis:

Eines der beiden Seitenteile war leider nicht im Winkel. :-(
Lernkurve 4: Beim Probestecken auch darauf achten und ggf. Helferlein bauen, die das rechtwinklinge Zwingen erleichtern.

Alles in allem ging es aber mit den Zinken - wenn ich auch nicht ganz zufrieden bin.


Die fertige Bank nach einmal Ölen mit Osmo Top Oil.

Aktuell steht sie bombenfest, das sie nicht ganz rechtwinklig ist, wird nicht auffallen (hoffe ich).
Die Chefin findet sie prima - vor allem, dass es ohne Schwinge oder Zarge ging.

Fazit:
Jede Menge gelernt - vor allem, dass Zinken wohl noch reichlich Übung bedarf.
Und es ist ein riesen Unterschied, ob man zwei 55mm starke Bohlen mit Schwalbenschwänzen verbindet oder ein 8 mm Brettchen.
Edelkastanie ist ein tolles Holz, aufgrund der Neigung zur Rissbildung aber nicht ganz ohne.
Leimen besser vorbereiten und auf mehr Arme / Hände und vor allem auf Hilfsmittel achten.
Eine Arbeit, die man wahrscheinlich an einem Wochenende durchziehen kann, kann sich auch schon mal über einige Monate ziehen, wenn man selbstständig ist.
Das macht es nicht immer einfacher.
Und jetzt ist erst einmal Schärfen der Hobel und der Stecheisen angesagt.

An der Stelle nochmals herzlichen Dank an alle, die mit Tipps und Empfehlungen geholfen haben.

Herzlichen Gruß aus Hamburg

Andreas

Andreas Ranogajec
Beiträge: 583
Registriert: Do 16. Sep 2021, 02:04

Re: die wahrscheinlich längste Bank der Welt - Tei

Beitrag von Andreas Ranogajec »


Hallo Andreas,...
na ist doch eigentlich ganz gut geworden! Also mir gefällt sie auch ohne Steg. Das Design, das du gewählt hast
hätte auch keinen Firlefanz vertragen.
Das Zinken ist dir auch ganz gut gelungen, bedenkt man, dass bei der Materialstärke die Säge schon mal verlaufen kann.
2 kurze Tipps kann ich dir noch fürs nächste Projekt mitgeben: Beim Zinken immer neben dem Strich sägen und nach der
Steckprobe gegebenenfalls mit Stechbeitel nacharbeiten, dann kriegst du auch eine straffe Verbindung.
Und beim Verleimen steck ich immer ein Plattenmaterial (Abfall) mit identischer Innenlänge in den Korpus, damit der Korpus von
Innen ausgesteift ist....
Eine gelungene Premiere...!!!

LG A.

Andreas S.
Beiträge: 279
Registriert: So 1. Feb 2015, 15:46

Re: die wahrscheinlich längste Bank der Welt - Tei

Beitrag von Andreas S. »


Moin Andreas,

Dank Dir für die Tipps und den Zuspruch.
Ich habe die zu strammen Verbindungen mit Stemmeisen nachgestochen und mit der Feile bearbeitet.
Ein Problem ist sicher, dass mitunter die Flächen nicht parallel sind.
Vorne stramm - hinten Wurfpassung.
Da könnte ich mir auch den ein oder anderen Lapsus beim Anreisen bzw Übertragen vorstellen.
Und darauf zu achten, auf welcher Seite des Risse man sägt.
Ich denke da hilft: üben, üben, üben ...

Den mit der Restplatte muss ich mir merken. ☺
Danke.

Herzlichen Gruß aus Hamburg

A


Andreas Ranogajec
Beiträge: 583
Registriert: Do 16. Sep 2021, 02:04

Re: die wahrscheinlich längste Bank der Welt - Tei

Beitrag von Andreas Ranogajec »


Moin, moin...
ich hab im 1.Teil deines Berichtes nochmal nachgelesen und bemerkt, dass Du ja
in der Tat die Zinken nachbearbeitet hast. Das ist beim Kommentieren dann unter-
gegangen.Sorry...

Gruß A.


Pedder
Beiträge: 5369
Registriert: So 8. Dez 2019, 14:41
Kontaktdaten:

Re: die wahrscheinlich längste Bank der Welt - Tei

Beitrag von Pedder »

[In Antwort auf #93230]
Hallo Andreas, ich mag solche projekte ansehen und freue mich sehr über Bericht. Vielen Dank dafür.

Liebe Grüße
Pedder

Andreas Winkler
Beiträge: 1117
Registriert: Di 30. Nov 2021, 19:21

die wahrschein längste Bank der Welt - Verleimen

Beitrag von Andreas Winkler »


Hallo Andreas,

Deine Bank ist doch gut geworden!
Die Zinken, die photographiert hast, schauen doch super aus.
Schwalbenschwänze in so dickem Holz habe ich noch nie gesägt, das ist sicher nicht einfach. Und Eßkastanie ist sicher nicht so leicht zu Zinken, wie z.B. Erle oder Birke oder Kiefer... finde, das ist wirklich gut geworden.

Zum Verleimen habe ich noch zwei Anmerkungen:

bei Unsicherheiten beim Verleimen (paßt alles zusammen? Habe ich genug Zwingen und Zulagen? Wie ist die Reihenfolge? Reicht die Zeit?) bietet sich ein "Probesteck" an. Ich weiß schon, daß man oft denkt, das wird schon klappen... und hinterher ist man dann gescheiter. Bei Deinem Projekt hättest Du z.B. erst ein Bein und dann das andere Verleimen können.

Und die Rechtwinkligkeit beim Verleimen stellst Du ganz einfach her.

Nachfolgend eine kleine Anleitung, erstmal als "Trockenübung":

Zeichne mal mit einem Geodreieck ein "rechtwinkliges" Rechteck, Maße meinetwegen 10 x 12 cm.
Es soll die Draufsicht eines gedachten Kastens sein.
Messe die Diagonalen - sie müssen exakt gleich sein.

Kurzer Einschub:
Überhaupt kontrolliert man die Rechtwinkligkeit eines Rahmens oder Kastens nicht mit einem Winkel (die Seitenteile des Kastens/Rahmens könnten ja beim Verleimen durchgebogen sein - wie willst Du das mit geraden Winkelschenkeln messen?), sondern immer durch Messen der Diagonalen. Natürlich an spiegelbildlich gleichen Punkten Deines Rahmens/Kastens, man benötigt ja gleiche "Referenz"punkte.

Weiter geht´s:
Dann zeichnest Du ein Parallelogramm mit den gleichen(!) Maßen in oder auf Dein Quadrat, am besten mit einem andersfarbigen Stift. Z.B. 5° außerhalb der Rechtwinkligkeit.
Messe abermals die Diagonalen.
Du wirst feststellen, daß sie nicht mehr gleich sind. Eine Diagonale wird etwas länger sein, die andere etwas kürzer als beim "rechtwinkligen" Rechteck.
Jetzt stellst Du Dir vor, daß Du an Deinem Kasten-Parallelogramm Zwingen ansetzt.
Um das Parallelogramm rechtwinklig zu bekommen, mußt Du die Zwingen immer etwas in Richtung der längeren Diagonale ansetzen bzw. versetzen. Anstatt genau in der Achse bzw. Richtung Deiner Seitenteile. Dabei kannst Du Dich gut an der Schiene der Zwinge orientieren.
Wie sehr Du die Zwinge außerhalb der Achse Deines gedachten Seitenteiles ansetzen mußt, kann man nicht erklären, das mußt Du ausprobieren.
Ist aber nicht schwer und funktioniert zu 100%.
Durch das leicht außermittige Ansetzen verschiebst Du die Seiten Deines Kastens. Zur Kontrolle immer die Diagonalen messen. Es können mehrere Anläufe und auch mehrere verstellte Zwingen notwendig werden.
Aber Vorsicht! - man kann auch über das Ziel hinausschießen, dann muß man natürlich wieder zurückversetzen.

Und zum Verleimen immer Zulagen verwenden. (-;

Viel Freude an Deiner Bank!

Gruß, Andreas

Andreas S.
Beiträge: 279
Registriert: So 1. Feb 2015, 15:46

Bank fertig fertig *MIT BILD*

Beitrag von Andreas S. »


Moin

da es mir wie Pedder geht und ich auch gerne Bilder schaue, hier noch ein Bild, wie die Bank nach drei Ölungen an ihrem Bestimmungsort angekommen ist.
Mal sehen, ob sie so stehen blebt - auf dem Bild sieht man nämlich nun ausgerechnet eine nicht so gelungene Verbindung ;-)
Die Chefin ist hochzufrieden - und das ist erstmal die Hauptsache.



Nochmals herzlichen Dank an alle, die mit Tipps, Anregungen und Bedenken zu Zarge oder Schwinge, Zinken oder Schwalbenschwänzen, eingerückten oder endständigen Beinen mitgewirkt und mitgedacht haben.
Die mit Bestätigung und Kritik angeregt oder Verbesserungswürdiges angemerkt haben.
Dafür ganz herzlichen Dank.

Herzlichen Gruß

Andreas

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