Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Das ganze Thema rund um die Holzbearbeitung wird hier diskutiert. Die Grenzen sind hier deutlich weiter gezogen als im Handwerkzeugforum. Wenn Du nicht sicher bist, wo Dein Beitrag hingehört, ist er wahrscheinlich hier am besten aufgehoben.
Wolfgang N.
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Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Wolfgang N. »


Hallo,

beim Arbeiten mit meiner Festo OF 900 E (484815) stieg plötzlich die Drehzahl der Maschine deutlich hörbar an. Es zeigte sich, dass die Drehzahlregelung, die ohnehin auf höchster Stufe stand, nicht mehr funktioniert. Die Maschine läuft also immer schneller als die bisherige Maximalgeschwindigkeit. Nach einiger Recherche gehe ich davon aus, dass die Elektronik der Maschine nicht mehr funktioniert und dieses Bauteil (486772) zum sagenhaften E-Teil-Preis von 108 € ausgetauscht werden muss.

Hier meine Fragen dazu:

Gibt es noch andere mögliche Erklärungen für den beschriebenen Fehler?

Ich bin bei der Maschine nicht unbedingt auf die Drehzahlregulierung angewiesen, so dass ich darüber nachdenke, mir das Geld für dieses Teil zu sparen. In einem Beitrag bezüglich der RO 150 hier im Forum habe ich aber gelesen, dass man eine Maschine mit defekter Drehzahlregulierung nicht verwenden dürfe, weil dann die Maschine zu viel Strom ziehe/ eine zu hohe Spannung anliege. Trifft das zu und schade ich dem Rest der Maschine, wenn ich diese ohne funktionierende Regelelektronik einsetze?

Wenn man sieht, wie bei der Maschine Litzen ohne Aderendhülsen, Verzinnung, Kabelschuhe oder dergleichen in das Regelmodul gesteckt sind, muss man sich schon wundern. Zum einen darüber, dass das hält und zum anderen darüber, dass einem Hersteller in dieser Preisklasse nichts Besseres einfällt.

Vorab vielen Dank für Eure Hilfe,

Wolfgang



Wolfgang Kueter
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Wolfgang Kueter »



[Drehzahlregulierung defekt] ... In einem Beitrag bezüglich der RO 150 hier im Forum habe ich aber gelesen, dass man eine Maschine mit defekter Drehzahlregulierung nicht verwenden dürfe, weil dann die Maschine zu viel Strom ziehe/ eine zu hohe Spannung anliege. Trifft das zu und schade ich dem Rest der Maschine, wenn ich diese ohne funktionierende Regelelektronik einsetze?


Ja, das trifft zu. Die Drehzahlregulierung funktioniert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch einen regelbaren Widerstand, auch als Potentiometer bekannt. Diese Bauteile bewirken einen Spannungsabfall, wobei das Minimum des einstellbaren Widerstands die maximale Spannung definiert. Erhöht sich der Widerstand, so sinkt die Spannung hinter dem Potentiometer und damit auch der fließende Strom. Der fließende Strom ist im gesamten Stromkreis konstant und eine Funktion des Gesamtwiderstands (Ohm'sches Gesetz, I = U/R), also der Summe aus Widerstand des Potis und der anderen Bauteile (Motor, sonstige Widerstände etc.). Wenn der Widerstand des Potis wegen eine Defektes kleiner als das einstellbare Minimum wird, so steigt in der Tat die Spannung hinter dem Poti und damit auch der Strom, was bspw. eine Durchbrennen der Motorwicklung zur Folge haben kann, wenn keine (Fein)sicherung in der Schaltung verbaut ist, die den Maximalstrom auf einen Wert begrenzt, der unschädlich für die Motorwicklung ist.

Wolfgang


Rolf Richard
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Rolf Richard »



Gibt es noch andere mögliche Erklärungen für den beschriebenen Fehler?

Ich bin bei der Maschine nicht unbedingt auf die Drehzahlregulierung angewiesen, so dass ich darüber nachdenke, mir das Geld für dieses Teil zu sparen. In einem Beitrag bezüglich der RO 150 hier im Forum habe ich aber gelesen, dass man eine Maschine mit defekter Drehzahlregulierung nicht verwenden dürfe, weil dann die Maschine zu viel Strom ziehe/ eine zu hohe Spannung anliege. Trifft das zu und schade ich dem Rest der Maschine, wenn ich diese ohne funktionierende Regelelektronik einsetze?

Wenn man sieht, wie bei der Maschine Litzen ohne Aderendhülsen, Verzinnung, Kabelschuhe oder dergleichen in das Regelmodul gesteckt sind, muss man sich schon wundern. Zum einen darüber, dass das hält und zum anderen darüber, dass einem Hersteller in dieser Preisklasse nichts Besseres einfällt.


Hallo Wolfgang,

die Erklärung dürfte die einzig vernunftige sein. Verwenden kann man die Maschine in diesem Zustand nur mit einigem Risiko. Da die Regelelektronik immer etwas "Luft nach oben" benötig um regeln zu können, liegt jetzt vermutlich dauernd die volle Netzspannung an. Hat die Maschine Sanftanlauf bzw. Motorbremse gehabt? Wenn ja sollten die jetzt eventuell auch nicht mehr funktionieren und damit würde es auch für den Bediener unangenehm.

Vermutlich ist der Leistungssteller - ein Thyristor oder Triac - durchgeschossen. (Theoretisch gibts auch noch andere Möglichkeiten.) Die legieren gerne durch, funktionieren dann nicht mehr regelnd sondern quasi nur noch als "Draht". An der Sache liegt Netzspannung an, also keine Experimente, wenn Du nicht über ein Elektroniklabor verfügst und das fragliche Bauteil durchmessen kannst.

Bei meiner OF 1010 steht explizit in der Bedienungsanleitung, dass der Einsatz der Maschine mit defekter Regelelektronik verboten ist. Kommt offenbar öfters vor.

Zur Qualität kann ich mich im vorliegenden Fall nicht äussern. Aber wundern tuts mich nicht wirklich.

Gruss

Rolf

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Mario Zimmermann
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Mario Zimmermann »

[In Antwort auf #74438]
Hallo Wolfgang,

wir Rolf schon geschrieben hat, wird mit größter Wahrscheinlichkeit der Triac defekt sein. Eine Drehzahlregelung ist nicht nur dazu da, die Maximaldrehzahl zu begrenzen, sondern bewirkt auch ein Nachregeln bei Laständerung. Ohne diese Nachregelung würde die Drehzahl bei Belastung stark abfallen.

Einen Triac zu tauschen ist für einen Elektroniker kein Problem, sofern er sich auch tauschen lässt. Bei meiner Festool TS 55 ist die gesamte Regelelektronik vergossen - da repariert man nichts mehr und kann nur die komplette Elektronik austauschen.

Wenn möglich, nimm die Maschine mal auseinander und stelle ein Foto von der Elektronik hier ein, dann kann man mehr sagen.

Viele Grüße,
Mario


Wolfgang N.
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E *MIT BILD*

Beitrag von Wolfgang N. »


Hallo,

zunächst mal vielen Dank für Eure schnellen Antworten.

Ich denke, dass der Austausch einzelner Bauteile nicht möglich sein wird. Diejenigen, die sich das haben einfallen lassen, sind ja nicht dumm.

Dann wollen wir mal sehen, ob ich es schaffe, Bilder hochzuladen.






Viele Grüße,

Wolfgang

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Mario Zimmermann
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Mario Zimmermann »


Hallo Wolfgang,

leider sind die Bilder sehr klein. Nach vergossener Elektronik sieht das bisher nicht aus.
Kann man da noch mehr öffnen bzw. weitere Abdeckungen abschrauben?

Wenn ja: Bitte größere Bilder.

Dann sehen wir weiter ;-)

Gruß,
Mario

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Mario Zimmermann
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Mario Zimmermann »


Ha, ich sehe gerade auf Bild 2 den Leistungsregler. Das schwarze Teil mit der Metallfahne oben, kommt man an die 3 Anschlūsse heran?
Kann man auf dem Teil eine Beschriftung erkennen?

Wir kommen der Sache näher!

Gruß,
Mario


Wolfgang N.
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E *MIT BILD*

Beitrag von Wolfgang N. »


Hallo,

hier mein Versuch, die Bilder größer, aber dennoch transportabel zu gestalten:






Ich werde morgen mal versuchen, dieses Teil zu öffnen. Sehr zuversichtlich bin ich nicht.

Viele Grüße,

Wolfgang

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Mario Zimmermann
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E *MIT BILD*

Beitrag von Mario Zimmermann »


Hallo Wolfgang,

mach bitte mal Detailaufnahmen von diesem Teil, das ist der Leistungstreiber.
Kann man darauf eine Beschriftung erkennen?

Gruß,
Mario

Wolfgang N.
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Re: Schaden Elektronik Festo OF 900 E

Beitrag von Wolfgang N. »


Hallo Mario,

leider kann ich auf dem Teil nichts erkennen, weil ich auch nur einen kleinen bereich dieses Teil sehen kann. Lediglich auf der Rückseite der Kupferplatte, auf der das Teil montiert ist, die aber wohl zur Kühlung dient, steht 4894. Man bekommt da auch nichts auseinander. Der "Deckel" ist über die drei erkennbaren Löcher einerseits verschweißt, andererseits scheint alles, was man dennoch sehen kann, eingegossen zu sein. Sieht aus wie Heißkleber.

Ist es das, was man nicht meint, wenn man an anderer Stelle von Nachhaltigkeit spricht?

Viele Grüße,

Wolfgang

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