Fischgrätparkett auf Dielenboden - Beratung für handwerklich begabten Anfänger

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Denis
Beiträge: 7
Registriert: So 10. Sep 2023, 19:09

Fischgrätparkett auf Dielenboden - Beratung für handwerklich begabten Anfänger

Beitrag von Denis »

Hallo zusammen,

ich habe ein ~100 Jahre altes Haus gekauft, möchte Parkettboden verlegen und suche nach Tipps + Erfahrungen.

Objektbeschreibung: Es geht um das Erdgeschoss. Hier ist für 3 Zimmer Parkett geplant (siehe Anhang: Esszimmer, Wohnzimmer, Büro). Wir haben den alten PVC-Boden in diesen Zimmern entfernt und es kamen alte Dielen aus recht weichem Holz (Fichte?) zum Vorschein. Diese sind ~3cm dick und auf Querbalken genagelt bzw. zum Teil verschraubt. Kleinere Teile am Übergang zur Küche und im Erker im Wohnzimmer sind Beton bzw. Estrich. Es gibt keine Fussbodenheizung wo der Parkett hin soll (dafür frisch lackierte Gusseiserne Heizkörper :-)).

Geschichte: Das Parkett haben wir vor ca. 1 Jahr von einem Treppenbauer gekauft, mit der Idee es von befreundeten Handwerkern (keine Spezialisten) verlegen zu lassen. Wir haben damals gemeinsam mit unseren Handwerkern und dem Lieferanten besprochen dass wir die bestehenden Dielen/Estrich glatt schleifen und das Parkett darauf mit einem elastischen Kleber verkleben. Die angrenzenden Fliesen in Küche und Flur sind passend zur Parketthöhe schon gelegt. Der Boden (Dielen + Estrich) ist auf eine Ebene geschliffen und gerade.

Als Muster schwebt uns Fischgrät mit Fries vor. Das vorhandene Parkett ist 2-Schichtparkett von Scheucher im Format 500x70x11.

Jetzt zu meinem Problem: Unsere Jungs möchten das Parkett doch nicht verlegen und da ich langsam einziehen möchte (wohne seit >1 Jahr provisorisch), überlege ich das selbst zu verlegen. Das ist mein Plan:
  • Im Büro starten und mittig den ersten Zopf (bzw Zopfstück) legen + kleben
  • den Zopf dann bis zum Rand vervollständigen
  • mit der Tauchsäge den Rand gerade schneiden
  • eine Nut in den neuen Rand fräsen
  • den Fries in die neu gefräste Nut legen und ebenfalls verkleben
Zwischen die Räume soll eine Korkfuge und natürlich werde ich am Rand ~1cm Platz lassen.

Meine Frage: gehe ich das richtig an? Hat jemand Tipps was ich besser / anders / gar nicht machen sollte? Bitte alles sagen - ich bin für jeden Tipp/Hinweis dankbar!
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MaxS
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Registriert: Sa 21. Jun 2014, 02:52

Re: Fischgrätparkett auf Dielenboden - Beratung für handwerklich begabten Anfänger

Beitrag von MaxS »

Hallo Denis,

erstmal Glückwunsch zum alten Haus und der Entscheidung für einen meines Erachtens sehr schönen Boden. Für mich ist Fischgrät eines der schönsten Verlegemuster, besonders in Verbindung mit einem umlaufenden Fries - sofern die Proportionen einigermaßen passen.

Ein paar Hinweise aus der Praxis und der Erfahrung heraus:
- Prüfe die Räume auf Rechtwinkligkeit und Parallelität der Wände. Richte das Muster sauber mittig aus. Und mach Dir Vorab Markierungen auf dem Boden. Ein Kreuzlinienlaser hilft sehr dabei, aber achte bitte darauf, dass der auch sauber funktioniert und genau ist. Die Vorbereitung hier ist Grundlage für dein Ergebnis.
- Geh beim Verlegen systematisch vor und behalte den Raum als Ganzes im Kopf. Offene Fugen von wenigen 1/10mm sind unkritisch, wenn hinterher gespachtelt wird. Wichtiger als dichte Fugen ist das Einhalten des Musters.
- Lagere das Parkett mindestens zwei Wochen bei Wohnraumklima in dem Raum, in dem es hinterher verlegt wird. Packungsaufschrift beachten - die Pakete müssen in der Regel geschlossen bleiben. Längere Lagerdauer schadet nicht.
- Nach dem Verlegen würde ich den Boden in jedem Fall schleifen (Mehrscheibenmaschine wie Trio sollte ausreichend sein) und ölen.
- Lass Dir beim Verlegen Zeit. Es ist vollkommen normal, dass das sich anfangs zieht wie Kaugummi. Lieber weniger Fläche mit Kleber einspachteln und die dann in Ruhe belegen. Ggf. die ersten Stäbe antrocknen lassen und dann mit einem jetzt vorhandenen festen Punkt zum Anklopfen weitermachen.
- Montiere die Fußleisten sauber und sorgfältig. Jede Ungenauigkeit sieht man jeden Tag - ggf. auch nur man selbst. Auch das kostet Zeit, aber die ist gut investiert.
. Kork/Dehnfugen würde ich zwischen den Räumen vorsehen, wo sie auch technisch sinnvoll sind. Beispiel: Wechsel des Untergrundes. Evtl. kann man den Fischgrät über mehrere Räume durchlegen, wovon die Ansicht bei geöffneten Türen profitieren würde.

Ich persönlich würde den Erker abteilen, weil ich mir das optisch gut vorstellen kann und vor Allem, weil ich dem Übergang von Estrich und Holz-UK nicht traue. Hier würde ich auch eine elastische Fuge vorsehen.
Leider ist der Parkett recht dünn - ansonsten hätte ich evtl. eine ganz klassische Verlegung (genagelt) angeregt, wo es möglich ist. Nachteil ist natürlich die Knarzneigung, aber das steht hier ja sowieso nicht zur Debatte.

In jedem Fall: Viel Erfolg dabei!

Grüße
Max
Denis
Beiträge: 7
Registriert: So 10. Sep 2023, 19:09

Re: Fischgrätparkett auf Dielenboden - Beratung für handwerklich begabten Anfänger

Beitrag von Denis »

Hi Max,

vielen Dank für die Komplimente zum Haus - wenn es mal fertig wird, wird es sehr cool ("wenn" stark unterstrichen - nach 2 Jahren habe ich langsam Lust auf ein paar Monate pause...).

Ich habe den Lieferanten meines Parketts überzeugen können, den Startzopf zu legen, so dass ich daran anarbeiten kann. Ich hoffe dass ich dadurch sehe / lerne wie die erste Ausrichtung funktioniert und das anarbeiten dann einfacher ist.

Ich hätte ein paar Fragen zu Deinen Anmerkungen:
  • Ich hätte versucht das Muster zwar nach dem Raum aber gerade im Ess- & Wohnzimmer auch an der Sichtachse auszurichten. Also so, dass wenn die Tür zwischen Ess- & Wohnzimmer offen ist, das Muster geradeaus weitergeht. Ungerade Wände hätte ich dann mit dem Fries ausgeglichen. Sollte ich eher jeden Raum einzeln betrachten?
  • Fugen: Ich dachte dass (außer den Korkfugen zwischen den Räumen) gar keine Fugen zwischen den einzelnen Brettern sind. Das Parkett soll ja geklebt werden und somit hängt es ja nur vom Verlegen ab ob eine Fuge entsteht - sehe ich das falsch? Falls ja, womit würde ich Fugen spachteln?
  • Du schreibst, dass Du das Parkett direkt nach dem Verlegen schleifen + ölen würdest. Da ich nur wenige mm Nutzschicht habe dachte ich, dass das gar nicht notwendig ist bzw. ich mir die Nutzschicht für ein zukünftiges Schleifen aufhebe. Daher meine Frage: Warum würdest Du das direkt schleifen + ölen?
  • Kork-/Dehnfugen: Eine Fuge beim Wechsel des Untergrundes würde bedeuten, dass ich sowohl im Erker als auch ca 50cm vor den Küchenfliesen eine Korkfuge machen müsste. Aus optischen Gründen würde ich das gern vermeiden - meinst Du dass ich das bereuen werde?
Noch eine Frage: Da Du nichts zu meiner geplanten Arbeitsweise (zuerst Zöpfe legen, dann mit Tauchsäge schneiden und Fries legen) nichts gesagt hast, gehe ich davon aus dass ich damit nichts falsch mache. Sehe ich das richtig?

Viele Grüße,
Denis
MaxS
Beiträge: 1539
Registriert: Sa 21. Jun 2014, 02:52

Re: Fischgrätparkett auf Dielenboden - Beratung für handwerklich begabten Anfänger

Beitrag von MaxS »

Hi Denis,

dass es irgendwann recht zäh wird, ist wohl kein Einzelfall. Aus eigener Erfahrung (ich war "nur" ein Helfer mit vielen hundert Arbeitsstunden, der Käufer ist in der Familie) kann ich Dir versichern: Eine Hau-Ruck-Aktion, bei der in wenigen Monaten das Gröbste erledigt wird, ist auch kein Spaß und sehr stressig. Besser ist es, die Arbeiten Stück für Stück zu erledigen, um dann für sehr lange Zeit Ruhe zu haben und ein Ergebnis, mit dem man sich wohlfühlt. Im Zweifelsfall: Mach lieber eine Pause, als etwas "schnellschnell" fertig zu machen. Denn darüber kann man sich dann lange ärgern.

Was Deine Fragen angeht:
- Das Muster ist letztlich Geschmackssache. Ein durchgehendes Muster durch die Räume halte ich auch für erstrebenswert. Problematisch wird es fürs Bild, wenn schnell zu erkennen ist, dass die Verlegerichtung fürs Auge "nicht passt".
Ich habe das mal in einem kleinen Raum direkt mitbekommen, in dem ebenfalls Fischgrät mit Fries verlegt wurde. Leider hatte der Raum keine einzige Ecke mit rechtem Winkel und war als Durchgangszimmer mit 6 Türen von allen Seiten einsehbar. Der zum Glück genagelte Stabparkett (klassischer Vollstab) wurde zwei mal verlegt, weil das Muster beim ersten Anlauf schlicht nicht gepasst hat. Der zweite Anlauf wurde dann nach wiederum viel testweisem Auslegen und Überlegen genau ausgemittelt - jetzt ist das Bild wirklich stimmig und der Boden wertet der Raum sehr auf.
Das Problematische ist, dass sich das endgültige Bild erst zeigt, wenn der Boden bis zum Rand verlegt ist. Mit etwas Vorstellungskraft, einem Laser und/oder einer Schlagschnur und einer oder mehreren "Trockenübungen" ohne Kleber (natürlich nur auf kleineren Flächen) sollte sich aber vorab die richtige Ausrichtung finden lassen.
Die Frage ist natürlich auch, wie krumm bzw. aus dem Winkel die Wände sind. Wenn es um wenige cm geht, dann lassen die sich vielleicht auch optisch ansprechend im Fries unterbringen. Bei größeren Abweichungen wird es da schwierig.
Eine Möglichkeit, wenn Dir der Aufwand nicht zu viel ist: Räume vermessen und Verlegemuster vorab am Rechner planen.

- Fugen: Meist kann man die Stäbe natürlich zusammenklopfen, bis sie dicht sind. Wenn allerdings (systematische) Fertigungsungenauigkeiten, Verzug und ähnliches auftreten oder die Stäbe nur nicht ganz gleichmäßig geklopft werden, können sich die bald addieren. Bei der Menge an Stäben reichen auch sehr kleine Maße (unter 1/10mm) aus, um recht schnell zu Abweichungen vom Muster zu führen. Um gerade durchlaufende Linien im Muster zu erhalten, muss man sich an das recht stoisch halten. Dabei können kleine Fugen auftreten.
Gespachtelt werden die in der Regel vor dem letzten Mittelschliff oder vor dem Fertigschliff mit einem Kitt aus Schleifstaub vom Parkett (da sollt möglichst wenig bis kein Lack enthalten sein, nur Holz) und einem Bindemittel. Ich verwende gerne https://irsa.de/de/produkte.html/irsa-p ... aqua-kitt/ . Man spachtelt normalerweise die komplette Fläche ab.

- Schleifen: Wegen der wohl nicht all zu großen Nutzschicht habe ich auch auf die genannte Maschine verwiesen, weil die wenig abträgt und leicht zu führen ist. Dafür ist eine Bandschleifmaschine natürlich viel schneller beim Einebnen - aber die braucht Führung und kann schnell hässliche und tiefe Dellen verursachen.
Ich würde schleifen und ölen, weil das a) nach dem Spachteln eh nötig ist und man b) nur so eine wirklich ebene Oberfläche erhält. Mich persönlich stören unebene neue Böden massiv. Außerdem erreicht man nur durch die bauseitige Beschichtung / Ölung eine wirklich komplett gleichmäßig bearbeitete, geschützte Fläche - auch die Fugen werden so geschützt. Auch bei vorgeöltem Fertigparkett empfiehlt sich immer eine "Einpflege" mit dem passenden Öl.

- Fugen: Auch ich bin kein Freund davon, eine eigentlich schöne Fläche zu zerschneiden. Ich kann Dir nicht sagen, was in Zukunft passiert und wie sich Dein Untergrund verhält. Meine Sorge wäre, dass sich Estrich und Holz unterschiedlich unter Belastung, im Wechsel der Jahreszeiten und unter weiteren Einflüssen verhalten und so Spannungen am Übergang entstehen, die im schlimmsten Fall zu Ablösungen und Fugenbildung führen. Es ist auch gut möglich, dass diese Sorge unbegründet ist - manchmal kann man auch ein Risiko eingehen. Deine Handwerker möchten das aber vermutlich nicht bzw. nicht dafür haften, dass sich da mal etwas nicht optimal verhält.

- Arbeitsweise: Die halte ich für sinnvoll. Ich an Deiner Stelle würde mich da aber auch mit demjenigen, der Dir den Startzopf legt, unterhalten und von dem ggf. Rat annehmen. Der ist vor Ort und kennt die Räumlichkeit auch in natura.

Ich hoffe, dass Dir der viele Text ein wenig hilft.

Grüße
Max
Denis
Beiträge: 7
Registriert: So 10. Sep 2023, 19:09

Re: Fischgrätparkett auf Dielenboden - Beratung für handwerklich begabten Anfänger

Beitrag von Denis »

Vielen Dank Max! Dienstag geht's los - bin schon ganz uffjerecht :-)
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