Metallhobelsohle abrichten

Hier werden Holzprojekte diskutiert, die vorwiegend mit Handwerkzeugen und nicht mit Maschinen realisiert werden. Hier ist auch ein Platz für traditionelle Oberflächenbehandlung von Holz. Ebenso geht es hier um klassische Handwerkzeuge zur Holzbearbeiteng, deren Bedeutung, Pflege und Gebrauch.
matthias22722
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von matthias22722 »

Hallo an alle,

Ich werde es erst einmal mit einer Metallfeile Hieb 1 probieren. Das Eisen ist natürlich eingebaut, ich muss ja den eventuellen Verzug durch
die Klappenspannung kompensieren. Dankeschön

Viele Grüße Matthias
Rafael
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von Rafael »

David hat geschrieben: Mo 29. Aug 2022, 08:58 Hallo Matthias,

nur um sicherzugehen, du hast schon das Eisen eingebaut beim Abrichten, oder?

Gruß, David
Bist du der Meinung, dass bei einem metallenem Hobel, wo das Eisen auf dem Frosch montiert ist, zum Abrichten der Sohle das Hobeleisen eingebaut sein sollte?
Bei einem hölzernen Hobel mit Keil- oder Wangenwiderlager ist das wohl tatsächlich besser, aber bei einem metallenem Hobel sehe ich das nicht so.
David
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von David »

Ich denke schon, dass es einen Unterschied machen kann, die Klappe übt ja schon auch Druck aus, ich habe es selbst aber noch nicht geprüft. Metallhobel können sich erstaunlich elastisch, längere Hobeln um so mehr (siehe auch https://paulsellers.com/2012/02/plane-s ... stly-flat/)

Gruß,
David
Rafael
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von Rafael »

Das Thema hat mir keine Ruhe gelassen, also ging ich in die Werkstatt und habe etwas gemessen.
Wenn das eingespannte Eisen tatsächlich eine Durchbiegung der Sohle veruraschen sollte, dann hätte ich es mit folgender Meßanordnung feststellen müssen - so mein Ansatz.
Ich habe die Meßuhr in zwei Positionen aufgebaut und dabei den Spannhebel der Klappe angezogen. So ganz nebenbei: man sollte den Hebel nicht kopfüber lösen, das Eisen fällt einem mit höchster Wahrscheinlichkeit runter. ;)
Biegung_01.jpg
Biegung_01.jpg (953.47 KiB) 851 mal betrachtet
Biegung_02.jpg
Biegung_02.jpg (924.97 KiB) 851 mal betrachtet
.

Der Zeiger der Meßuhr rührte sich beim Spannen des Hebels nicht ein Bisschen.
Die Versuche habe ich auch mit einem "unanständig" stamm gehendem Spannhebel unternommen, so würde ich meine Hobel nie benutzen. Aber auch hier: die Uhr blieb ruhig.
In einem Moment hatte ich schon gedacht, dass sich doch was tut. Es stellte sich jedoch heraus, dass ich die Sohle meßbar verbiegen kann, wenn ich an so aufgebautem Hobel mittig auf der Sohle runter drücke.
Diese Versuche wiederholte ich mit einem Stanley 4, einem 5 und einem 5,5 - immer mit dem gleichen Ergebnis.

Für mich ziehe ich den Schluß, dass man beim Abrichten der Sohle eines metallenen Hobel nicht das Hobeleisen einspannen muss.
David
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von David »

Hallo Rafael.

Sehr interessant, danke für den Versuchsaufbau. Hast du getestet, wie stark sich die Sohle durch den Druck mit der Hand verbiegt bei moderatem Krafteinsatz?

VG, David
matthias22722
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von matthias22722 »

Hallo Rafael,

Ich habe tatsächlich die Erfahrung gemacht, dass sich die Sohle verbiegen kann. Ich habe die Granitplatte von Diether Schmidt, den Shinwa Messfühler
auf 0.04 mm gestellt und den Klappenhebel offen gelassen. Die Klappenschraube habe ich so eingestellt, dass nach dem Spannen ein hoher Druck aufgebaut würde. Bei offener Klappe konnte ich bei meinem Juuma No. 4 den 0.04 mm Fühler an keiner Stelle auch nur einen zehntel Millimeter unter die Sohle bekommen. Dann habe ich bei unveränderter Position des Hobels die Klappe gespannt, und plötzlich gingen der 0.05 mm und der 0.06 mm locker an mindestens 10 Teststellen unter die Sohle. Ich habe dann die Schraube der Klappe bis zu einem Punkt lockerer geschraubt, dass sowohl das Eisenpaket sicher gespannt ist als auch der 0.04 mm Fühler nicht hindurch geht. Diese Einstellung gibt es zum Glück. Ich glaube, es hängt von der Länge des Hobels ab. Ich habe auch einen Juuma Nr. 5 und einen Dictum Nr. 7. Je kürzer der Hobel, desto intensiver rastet die Klappe beim Spannen ein. Beim Nr. 4 zieht die Spannfeder so fest an, dass ein satter Knall durch den Keller geht. Je länger der Hobel, desto leiser ist dieses Geräusch. Ich vermute, wenn man die Sohlenlänge als Hebel betrachtet, die Feder der Klappe kräftig genug ist, um die ganze Sohle krumm zu ziehen. Ich denke, dass bei deinem Hobel (ich denke, es ist ein Nr.6 oder 7) die Klappe nach dem Rasten ähnlich wie bei mir nicht mehr die Kraft hat, um so ein großes Stück Eisen messbar zu biegen.

Bei den Veritas Hobeln tritt bei mir niemals eine Sohlenverformung auf. Ich denke, dass es daran liegt, dass die Klappe hier nur einen punktuell nach unten gerichteten Druck über die Schraube ausübt, aber keinen Federzug wie bei den Juumas oder Dictums.

Viele Grüße Matthias
Tom B.
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Registriert: Mi 20. Mär 2019, 14:18

Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von Tom B. »

Hallo zusammen,
zur Testreihe, wie / ob sich ein Hobel durch das Einspannen eines Eisens "verbiegt" kann ich nichts sagen. Ich könnte mir vorstellen, das es da von Marke / Modell / Baujahr / Material durchaus erhebliche Unterschiede geben wird. Ein Rückschluss von einem auf alles andere erscheint mir gewagt.

Ich habe mal zusammen mit Gerd bei meinen Lie Nielsen Einhand Blockhobel die Sohle neu abgerichtet (ich bin an der Spitze einer eingelassenen Schraube hängengeblieben :-( ). Das haben wir an seiner großen Bandschleifmaschine gemacht. Zunächst ohne eingebautes Eisen. Schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass das "so" nicht zielführend wird - es kam ein Winkel rein. Erst, als wir das Eisen wieder eingebaut, zurückgenommen und von vorne angefangen haben, gings.
Wenn Gerd die Hobelsohlen seiner Hobel abrichtet, sind sie noch in der Einspannvorrichtung fest eingespannt, so dass sich da dann auch nichts rühren kann.

Mir stellt sich die Frage: Warum soll ich das Eisen - nicht - einspannen? Was verliere ich dabei. Ich schließe nur sicher aus, dass sich genau der Hobel, den ich habe, sich - doch nicht - verwindet und ich stundenlang umsonst geschuftet habe.

Herzliche Grüße

Tom
matthias22722
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Re: Metallhobelsohle abrichten

Beitrag von matthias22722 »

Hallo Tom,

Wenn man das so hört am Beispiel des Lie Nielsen, dann ist es wirklich besser, die Eisen einzubauen.
Das mit dem Ausbau habe ich auch deshalb ins Auge gefasst, weil ich einmal einen älteren Metallhobel abgerichtet
habe. Da es etwas langwierig war, habe ich Nasspapier genommen; das setzt sich nicht so schnell zu. Tatsächlich setzte
der Hobel an manchen Stellen schon beim Abrichten Rost an, und ich wollte vermeiden, dass sich Nässe und Abrieb irgendwie
negativ in der Mechanik bemerkbar machen.

Viele Grüße
Matthias
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