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Re: Astlochrisse reparieren

Verfasst: Do 30. Sep 2021, 21:22
von MatthiasKo
[In Antwort auf #93128]
Bienenwachs… heiß machen, die Platte mit Heißluftfön erwärmen und einfüllen. Hält auch nicht ewig, aber passt zu der etwas rustikalen Platte, 100% natur, biologisch abbaubar, preiswert…


Re: Astlochrisse reparieren (überflüssig!)

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 08:30
von Fabi
[In Antwort auf #93128]
Hallo Heinz (und alle Mitleser :)

Es wurden einige Lösungsansätze für den Eichentisch genannt. Eines haben sie meines Erachtens alle gemeinsam: Sie sind kontraproduktiv.

Warum?
Egal, was Du machst, es wird Dir unmöglich sein die Sache komplett, 100% und für immer wasserdicht zu bekommen. Früher oder später wird Wasser eindringen. Wenn nun die Risse mit was auch immer gefüllt sind bringt das mit sich, dass dieses Wasser länger dort bleibt, da es entweder gar nicht oder nur verzögert verdampfen kann. Das ist genau was ein Pilz gerne mag: Anhaltende Feuchtigkeit.

Viel wichtiger als wetterfest zu verschliessen ist der sogenannte konstruktive Holzschutz: Jahresringe "lächelnd" einbauen, Schrauben o.ä. nur von unten, Tischplatte nicht exact in Waage, sondern ein paar Grad abschüssig… All dies ist dazu gedacht, dem Wasser zu ermöglichen so schnell wie möglich ab zu fliessen.
So sollte Dich Dein Tisch (auch ohne Behandlung) ohne weiteres um einige Jahre(zehnte) überstehen.

Meist trifft diese Weise auf viel Misstrauen; wir haben uns einfach an all die Chemie gewöhnt und der vielen Werbung Vertrauten geschenkt. Viel Vertrauen in den Werkstoff Holz kann man wieder gewinnen, wenn man das nächste Freilichtmuseum besucht. Dort steht allerhand, oft völlig unbehandeltes Holz der Witterung ausgesetzt herum. Und es steht und steht und steht. Z.B. alte Blockhäuser. Auch sie haben Äste und Risse. Oft nicht durchgehend, wie bei Deiner Platte, nicht aus so haltbarem Holz wie Eiche. Das Holz wird grau, irgendwann sogar schwarz, aber diese Häuser stehen immer noch. Oder ein Schindeldach; es hält viele Jahre lang. Ausschlaggebend ist dabei die Dachneigung. Als grober Richtwert gilt, so viele Jahre wie Grad Neigung.
Das eindrucksvollste Beispiel, das ich erleben durfte war ein Fenster im Treppenturm eines Schlosses in Hessen. Ich habe damals bei der Holzmanufaktur Rottweil gearbeitet, die historische Fenster restauriert. Dieses Fenster war auf 1490 datiert, aus Eiche, mit Holznägeln und ohne Leim. Oberfläche unbehandelt. Es war noch funktionstüchtig! Man konnte es öffnen und schliessen. Nur die untere Leiste, Teile der Verbindungen und den unteren Teil des Fensterrahmens waren vergammelt, ich habe sie erneuert. Der Rest ist noch original.

In diesem Sinne, WoodisGood!

Ganz liebe Grüsse von hier,

Fabien


Re: Astlochrisse reparieren (überflüssig!)

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 09:28
von Pedder

Hallo Fabien,

in Freilichtmusseen, steht halt das, was überlebt hat und auch ein vergammeltes Fenster ist dann rausgerissen.
Schindeln haben keine Astlöcher.
So einen Riss würde ich auf der Oberseite eines draußen stehenden Tisches nicht haben wollen.
Da läuft Wasser rein und quiltt, schwindet, friert....
Das einzig richitge ist eine neue Bohle ohne Ast.

Oder diese Seite nach unten drehen.

Liebe Grüße
Pedder




Re: Astlochrisse reparieren (überflüssig!)

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 11:06
von Andreas Ranogajec

Hallo nochmal,...
Es gibt keine perfekte Lösung dieses Problems nur eine Annäherung. Egal, was ich da reinmache
in die Risse, alles ist besser als sie offen zu lassen.
Auch wenn mit der Zeit das Füllmaterial nicht ganz dicht bleibt wird trotzdem ein gewisser Schutz erreicht.
Bei dieser Bohlenstärke könnte man von beiden Seiten die Risse und Äste ausfräsen und sauberes Holz
einleimen, meinetwegen in länglicher Trapezform oder so.
Wenn man das richtig gut macht, würde man auf den ersten Blick nicht mal sehen, wo das Holz
"repariert" wurde....
....eigentlich naheliegend, wenn man gut mit einer Fräse umgehen kann, wie Heinz (y)
Auscheck...




Re: Astlochrisse reparieren (überflüssig!)

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 11:32
von Heinz Kremers

Hallo,

danke an alle für die nützlichen Anregungen.

Ja, Pedder, Dein Vorschlag ist natürlich das Optimum, nur bei einer Bohle von 210 x 10 x 5.5 cm ist das schon ein erheblicher Verlust und nach Nachschub müßte ich erst mal Ausschau halten.

Schließlich hat mich der Vorschlag von Fabien am meisten überzeugt - und macht die wenigste Arbeit :-))

Die Risse sind durchgängig. Habe sie von der Oberseite abgeklebt mit Klebeband und dann von der Rückseite reichlich UV-Schutzöl reinlaufen lassen und mit dem Fön noch reingeblasen. Dann nach ca. 10 Minuten umgedreht, Klebeband entfernt und von oben auch noch mal getränkt, so daß nun wohl alle Teile im Riss Öl gesehen haben. Das kommt dann auch dem Vorschlag von Markus und Justus nahe.

Wenn ich dann in 20 Jahren mit 95 in Rech an der Tischgruppe Platz nehme werde ich Euch berichten, ob das eine gute Lösung war. :-)))

Noch mal danke.
Heinz

Gruß
Heinz


Re: Astlochrisse reparieren

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 15:21
von Rüdiger
[In Antwort auf #93132]
das sieht mir nach einem Fall für dauerelastische Deckdichtmassen aus dem Bootsbau aus.
Ich habe schon gute Erfahrungen mit den Sika Produkten gemacht (wenn ich mich recht erinnere Sikaflex 290 oder ähnliche).
Man kann die Risse ausfugen, danach alles nochmal sauber schleifen und dann auch ölen/lackieren.
... hmm, ja.
Im Innenbereich könnte man es auch gut mit Epoxy und Sägemehl auffüllen, außen würde ich es nicht machen (weiteres Reißen durch schnellere Wetterwechsel).
Risse erweitern, schleifen und ölen wäre eine Variante, weitergehend mit Holz füllen eine andere.
Mit dauerelastischer Masse kann man gut arbeiten, gibt es auch in braun und anderen Tönen, nicht nur in schwarz. Ich würde allerdings nicht Sika nehmen , sondern ein MS-Polymer (persönlich habe ich Erfahrungen mit Pantera, aber es gibt auch viele andere). Sika ist ein PU, muss geprimert werden, ist etwas gesundheitsschädlicher bei der Verarbeitung (Cyanacrylate, wie Sekundenkleber), ist weniger UV-beständig.
Oder, traditionell: Ettan bzw. Fassdichte

Wahrscheinlich würde ich es erstmal mit Ettan probieren, im zweiten Schritt wohl mit Ausfugen, evtl. Füllen und Ölen. Ausfräsen und einspunden geht immer noch.


Re: Astlochrisse reparieren

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 16:09
von Konrad Holzkopp
[In Antwort auf #93136]
Moin Heinz,

mit einem Stemmeisen sind ratz fatz einige Keilchen aus einem dünnen Rest abgespalten.
Ist dann wenigstens mit originalem Material gefüllt.
Runde ausgebohrte Querholzdübel sehen ???? aus und arbeiten in im Freien verbautem Holz immer.
Wenn es schon sein muss leimen wir Minispots ein, allerdings können wir die Spots auch selber aus
Reststücken anfertigen. (Das biete ich auch gerne Mitforisten an.)

Gut Holz! Justus.


Re: Astlochrisse reparieren

Verfasst: Fr 1. Okt 2021, 19:26
von Heinz Kremers

Hallo Justus,

wie schon geschrieben ist die Sache für mich erst mal erledigt, aber wenn neue Vorschläge zu dem Thema kommen gerne, denn sicher hat der ein oder andere auch das Problem und kann sich dann informieren.

Wenn's wenig auffallen soll müßten die Keilchen aber auch aus Astholz stammen, weil erheblich dunkler. Es ist keine Wohnzimmerbank/Tisch und irgendwann wird man die Bohlen sicher erneuern müssen. Wir betreuen hier vom Heimatverein im Dorf rund 50 Bänke. Da ist immer was zu reparieren, mal Altersschwäche, mal Vandalismus.

Gruß
Heinz


Frage zum Fenster

Verfasst: Di 5. Okt 2021, 10:30
von Daniel Baum / DaBa
[In Antwort auf #93139]
Hallo Fabien,

in der Sache bin ich ganz bei Dir.

Gestatte mir doch bitte eine Frage zum Fenster, dass Du erwähnst:
Wie genau kommt die Jahreszahl (1490) zu Stande?
An eine dentrochronologische Bestimmung kann ich nicht glauben.
Sollte es sich dabei um ein Schloss im Schwalm-Eder-Kreis gehandelt haben?

Gruß Daniel


Re: Frage zum Fenster

Verfasst: Mi 6. Okt 2021, 08:57
von Fabi

Hallo Daniel!

Wie Du erwähnt hast, eine Dendrochronologische (was ein Wort :) Untersuchung funktioniert in diesem Fall nicht. Das Holz eines Fensters ist dafür einfach zu klein. Zu klein aus zwei Gründen:
- Man braucht den Eindruck vom ganzen Stamm, also eher die Dimension von Dachgebälk o.ä. So zumindest bin ich auf dem Laufenden.
- Zweitens muss man den Ort kennen wo der Baum stand. Bei großen Balken kann man meist davon ausgehen, dass es nicht weit weg ist. Ein Fenster kann transportiert worden sein, oder aus Holz einer unbekannten Gegend geschreinert.

In diesem Fall war es ganz einfach: Die Jahreszahl war eingeschnitzt. Das Model und die Beschläge schienen die Wahrheit der Zahl zu bestätigen.
Allerdings hat das Fenster mit Sicherheit mehr Geschichte in sich. Um diese Zeit war Glas etwas sehr besonderes. Niemand hätte ein Fensterloch ganz oben in einem Treppenhaus mit einem so extravagantem Ding gefüllt. Ich weiss auch nicht mehr, wie alt der Turm selber war. Es sprich also vieles dafür, dass es wieder verwendet wurde, vielleicht sogar mehrmals umgezogen ist. Ob der Rahmen auch so alt ist, ist etwas ungewiss. Der Flügel selber schien seit seiner Fertigung ziemlich unberührt worden zu sein. Das kann man abschätzen indem man die Verwitterung der Einzelteile miteinander vergleicht; unten mehr verwittert als oben. Wenn dem nicht der Fall ist, dann wurde unten ausgebessert. Genau so ist das Fender jetzt: Das untere Holz sieht nach der Restaurierung frisch aus.

Es war auf der Mildenburg in Miltenberg, oder Miltenburg in Mildenberg? Es ist schon eine ganze Weile her… Bist Du aus der Gegend?

Beste Grüsse,

Fabien