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Das Erbe meines Onkels

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 21:27
von Aki
Werte Forenmitglieder,

mir ist etwas recht ungewöhnliches passiert und nun benötige ich Rat. Die familiäre Situation in nachfolgender Erläuterung ist simplifiziert, da das alles für meine Frage letztlich keine Rolle spielt, aber zum besseren Verständnis möchte ich zumindest grob einleiten:

Ich hatte einen Onkel, den so ziemlich alle aus meiner Familie für verschroben hielten, außer ich. Er war wohl auch autistisch veranlagt, wie auch immer, jedenfalls hatten wir früher als ich klein war recht viel Kontakt und er hat mir damals auch das Interesse an altmodischem Holzwerken geweckt.

Nun geht Zeit ja bekanntlich an niemandem spurlos vorüber und nachdem meine Eltern mit uns umzogen, ich älter wurde, verlor ich das Interesse (hin und wieder flammte es wieder auf) und mittlerweile bin ich selber Vater und habe seitdem faktisch überhaupt keine Zeit mehr (und in einer Wohnung auch schlicht und einfach nicht mehr den Platz) für derartige Hobbies.

Vor vier Jahren spielte ich noch mit dem Gedanken mir eine stromlose Drechselbank zu bauen, weswegen ich mir hier in diesem Forum angemeldet habe. Aus diesem Haus mussten wir aber schon kurz nachdem ich diese Idee hatte wieder ausziehen, seitdem ist diese ganze Thematik bei mir völlig eingeschlafen. Und selbst wenn ich wollte, ich habe überhaupt keine Zeit mehr für so etwas, geschweige denn den Platz dafür.

Nun ist jener (kinderlose) Onkel vor geraumer Zeit verstorben (wir hatten bis zum Schluß ein gutes Verhältnis).

Beim Leerräumen seiner Wohnung kam nun heraus, daß er wohl allerei Dinge gesammelt hat, ohne diese zu benutzen. Dem Zustand der Wohnung aber auch der Gegenstände nach war er eindeutig Sammler und kein Messi.

Und in einer Art Testament stand, daß sich jeder nehmen könne, was ihm beliebt. Nur mir (das ist wohl unserem früheren Verhältnis geschuldet) wurde explizit seine Sammlung an Holzwerkzeug vererbt :o
Ich solle damit machen, was immer ich will. Wenn ich nichts mehr damit anfangen könne, stünde es mir frei, alles guten Gewissens zu verkaufen und mit dem Geld zu tun, was immer mir beliebt.
Anscheinend hielt er nichts von Gold oder Aktien, sondern sah Werkzeug als wahre Wertanlage (wenn ich mich recht entsinne, hat er das mir gegenüber auch erwähnt).

Tatsächlich geht es mir aufgrund wirtschaftlicher Umstände im Moment finanziell schlecht, darum kommt solch ein Erbe in der Tat wie gerufen, allerdings bin ich mir nicht so sicher wieviel diese Dinge wert sind bzw. was ich dafür noch bekommen könnte.

Was herausragend ist, ist der Zustand und die Qualität der Werkzeuge: so gut wie alles sieht unbenutzt aus und scheint Markenware zu sein.
Ich bin zwar Laie, aber nicht vollkommener Laie und während ich nicht jedes Werkzeug beim Namen nennen könnte, so kenne ich doch immerhin die Hersteller wie Dictum, Ulmia, ECE, Veritas etc.pp.

Im Folgenden findet ihr Bilder von den geölten und ausgesprochen sorgsam eingelagerten Werkzeugen.

Meine Frage nun: Was denkt ihr, ist das noch wert?
Und wo könnte ich so etwas verkaufen? Bringt es das überhaupt?
Und bei den Dingen mit Fragezeichen würde ich um die Expertise von euch bitten, um was es sich genau handelt (und Fehler meinerseits bitte ich zu korrigieren!).

Ein paar Dinge würde ich wohl behalten, aber der Großteil ist bei mir verschwendete Liebesmüh und soll lieber zu jemandem, der tatsächlich damit arbeitet.

So waren die Sachen eingelagert:
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Viele Anleitungen:
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Veritas Cabinet Scrapers
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Gratsäge(?) und ?hobel
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Simshobel
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Grundhobel(?)
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?hobel
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Einhandhobel
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?hobel
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Raubank
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Ersatzhobelmesser
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Hobelzubehör:
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UHO (Unbekanntes Holzwerkerobjekt)
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Bildhaueraxt(?)
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Messingklüpfel
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Schnitzmesser
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Drechselzirkel(?)
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Zwingen
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Schindelmesser
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Schnitzeisen
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Brünierset
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Stemmeisen
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Mollenhauerwerkzeug(?)
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Sattlerbock(??)
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Holzklüpfel und Rohhauthammer
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??
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Bohrer (auf dem zweiten Bild sind die EINZIGEN Sachen, die alt und gebraucht erscheinen)
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Gestängesägen und Blätter
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Feinsäge(?)
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Geschmiedete, normale und winzige kupferne Nägel
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Zugmesser(?)
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Mehrere japanische Lineale (hier nur das längste)
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Schreinerlehre(?)
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Ab hier konnte ich nicht mehr (hab das alles heute ausgeräumt und fotografiert). Es sind wie auf dem letzten Bild in der Ecke zu sehen noch verschiedene Dinge zum Anreißen, ein "Richard Kell Center Finder" aus Messing, Zirkel und Winkelmesser und noch andere Kleinigkeiten.

Dann gibt es noch eine Kiste, in der glaube ich alles ist, was man zum schleifen/schärfen der Werkzeuge braucht. Die bin ich aber nicht mehr durchgegangen, mache ich aber die Tage noch.

Vielen Dank für das Lesen bis hierher!

Ich bin über jeden Ratschlag dankbar!

Beste Grüße
Aki

Re: Das Erbe meines Onkels

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 22:14
von Pedder
Hallo Aki,

Handwerkezeuge behalten eigentlich ihren Wert, manchmal sind sie sogar inflationsfest.
Wenn ich mir gerade unseren Marktplatz ansehe, scheint mir keine gute Zeit zu sein.

Kleinanzeigen.de und ebay.de scheinen mir immer noch die besten Seiten zu Verkauf zu sein.
Ich würde immer mit 80-90% des Zeitwertes anfangen bei fast unbenutzen Werkzeugen.

Grundhobel ist richtig und darunter ist ein Schweifhobel.
Unter dem Einhandhobel ist ein Putzhobel, auch wenn Dictum ihn Schlichthobel nennt.

UHO ist ein Eisenhalter zum Schärfen von kuzren Eisen, ich meine für den Grundhobel?
Der Drechselzirkle ist ein Außentaster.

Dr Sattlerbrlock ist eine Sägeschärfkluppe von Dictum.

Die Bunten Sachen sind Schlagschnüre.

Die Schreinerlehre nennt man (auch) Schmiege

Liebe Grüße
Pedder

Re: Das Erbe meines Onkels

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 22:22
von Aki
Hallo Pedder,

allerbesten Dank! Damit sind ja wie ich meine schon alle Fragezeichen geklärt :)

Mit Zeitwert meinst Du den Wert, den das Werkzeug jetzt gerade neu gekauft hätte?

Und ja, ich habe auch an Kleinanzeigen gedacht. Und was meinst Du mit dem Marktplatz? Könnte man hier übers Forum auch verkaufen? Aber gut, wenn Du sagst, es sei dafür eine schlechte Zeit, dann ist wohl wirklich Kleinanzeigen die richtige Wahl.

Nochmals vielen Dank!

Re: Das Erbe meines Onkels

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 22:31
von Aki
Ok und jetzt habe ich mal bei Dictum geschaut, scheinbar gibt es die Eisen ja immer in SK4 und japanischer Ausführung...kann ich das äußerlich irgendwie erkennen um welchen Stahl es sich handelt?

Re: Das Erbe meines Onkels

Verfasst: Do 4. Jun 2026, 23:26
von Stefan Krieger
Moin Aki,

Pedder hat ja schon einige offene Punkte geklärt.

Ein paar Begriffe möchte ich noch korrigieren bzw. alternative Namen ergänzen (dann findest Du bei Feine Werkzeuge oder Dictum vielleicht einfacher Preise als Anhaltspunkt):
- Deine Gestängesäge kenne ich als Gestellsäge
- Das Zugmesser eher als Ziehmesser (aber da sind meines Wissens beide Begriffe möglich)
- Neben den alten Bohrern liegen zwei Bohrwinden bzw. Bohrleiern
- Bei dem Mollenhauerwerkzeug spricht man auch von Dechsel(n)
- Deine Stemmeisen sind eher Stecheisen bzw. Stechbeitel. Stemmeisen nennt man sie dann wenn das hintere Ende durch eine Zwinge vorm Aufsplittern geschützt ist und man sie auch mit einem Holzklüpfel schlagend benutzen kann. Deine gezeigten Exemplare sollte man nur mit der Hand benutzen und sind daher nicht zum groben Stemmen sondern eher zum feinen Nachstechen gedacht

Ob die Bildhaueraxt wirklich eine Bildhaueraxt ist oder ein anderes Modell von Gränsfors Bruk weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass das eine sehr schöne Axt ist, mit der man auch sehr gut arbeiten kann (ich besitze den Spalthammer von Gränsfors und arbeite da sehr gerne mit...). Die ist schon etwas Besonderes. Ebenso wie das Schindelmesser von Gränsfors Bruk. Beide kosten neu auf jeden Fall über 100 Euro heutzutage. Das Schindelmesser ist aber auch schon etwas sehr spezielles, wo es vermutlich nur noch sehr wenige Menschen gibt, die heute noch bereit sind soviel Geld für so einen speziellen Gegenstand auszugeben.
Was ich damit sagen will: Die Axt solltest Du behalten und mit ihr arbeiten. Falls Du sie nicht behalten willst, dann verkauf sie nicht unter Wert.
Bei dem Schindelmesser könnte das hingegen schwierig werden, die zu einem hohen Preis zu verkaufen (der eigentlich angemessen wäre), da die Nachfrage hiernach vermutlich sehr gering ist.

Viel Erfolg...

Schöne Grüße
Stefan

PS: Am meisten begeistert haben mich ja die liebevoll ausgedruckten und mit Spiralbindung versehenen Schärf-Anleitungen von Friedrich! :)