flüsterholz hat geschrieben: ↑Do 30. Apr 2026, 09:57
Sehr schick! Magst du noch etwas dazu erzählen?
Sehr gerne.
Ich bin wie folgt vorgegangen:
1.) Ausdrucken des PDF's, welches bei dem Video von Claire Minihan dabei war. Es beinhaltet Schablonen und Maße für Travisher und Spokeshave (Holzteile und Klingen).
2.) Absägen des Werkzeugstahls (3 Stück) auf die korrekten Längen. Ich habe den Werkzeugstahl bei eBay gekauft. Es handelt sich um "1.2510/1.2842 100MnCrW4/90MnCrV8 Werkzeugstahl" mit den Maßen 500x25x3mm. Der Werkzeugstahl ist beim Kauf noch nicht gehärtet und lässt sich gut bearbeiten.
3.) Bohren und Senken der Löcher für die Schrauben in den Werkzeugstahl.
4.) Bauen der Holzschablonen für die Travisher-Klingen. Die habe ich mir aus KVH-Resten zusammengeklebt und mit der Bandsäge geschnitten.
5.) Biegen der beiden Travisher-Klingen mit den Holzschablonen im Schraubstock.
6.) Anzeichnen und Vorschleifen der Schneiden auf dem Doppelschleifer. Ich habe an den Schneiden etwa 0,7mm stehen gelassen, damit diese beim Härten nicht verglühen. Zum Schleifen kann man die Schablonen als Halter nehmen und die gebogenen Klingen daran festschrauben. Dann hat man seine Finger in sicherem Abstand zum Schleifrad. Ich habe das Schleifrad des Doppelschleifers etwas gerundet.
7.) Härten der Klingen: Erhitzen bis sie kirschrot sind und dann rasch in Motoröl "abgeschreckt". Der Stahl ist jetzt sehr spröde. Nach dem Abkühlen und gründlichen Säubern für eine Stunde bei 200°C im Backofen lassen. Der Name für diesen Prozess ist mir leider entfallen (evtl. "Tempern").
8.) Aussägen der Travisher- und Spokeshave-Körper mit der Bandsäge und Anpassen der Rundungen der Klingen, damit diese überall aufliegen. Das habe ich auf meinem kleinen Tellerschleifer gemacht.
9.) Anzeichnen der Löcher für die Rampa Muffen mit Hilfe der bereits vorgebohrten Klingen.
10.) Bohren der Löcher für die Rampa Muffen. Den Winkel habe ich bei den beiden Travishern per Augenmaß gewählt, das ging ganz gut. Beim Spokeshave habe ich die Tischbohrmaschine benutzt, da bei dem Teil zu diesem Zeitpunkt noch alles rechtwinklig war.
11.) Eindrehen der Rampa Muffen in die Hobelkörper, ebenfalls per Augenmaß. Ich habe die Löcher für die Rampa Muffen zusätzlich noch mit "5 Minute Epoxy" von Loctite eingeschmiert, damit alles bombenfest hält. Das war leider nicht so leicht, wie ich es mir vorgestellt habe.
12.) Anzeichnen der Öffnung des Hobels für den Abtransport der Späne. Vorsägen und ausstemmen mit dem Stemmeisen. Das erfordert vollste Konzentration, da man diesen Schritt auf keinen Fall versauen sollte.
13.) Anzeichnen und Vorsägen der Hartholzsohlen aus Ebenholz. Diese habe ich bei einen Onlinehändler erworben, der Edelhölzer verkauft. Ich konnte mir kleine und fast passende Stücke bestellen.
14.) Aufkleben der vorgesägten Hartholzsohlen. Als Klebstoff habe ich "5 Minute Epoxy" von Loctite benutzt. Beide Seiten dünn einschmieren.
15.) Anpassen der Hartholzsohlen an die Form der Klingen. Diese sollten zunächst parallel zu den Klingen geschliffen werden. Ich habe dafür einen langen Strang Schleifpapier auf einem geraden Brett befestigt.
16.) Schleifen der Schneiden der Klingen. Zuerst vorsichtig auf dem Bandschleifer und immer wieder in kaltem Wasser oder mit Druckluft abkühlen. Dann die Rückseiten mit Schleifsteinen und die Klingeninnenseiten mit entsprechenden Hilfsmitteln wie z. B. abgerundeten Schleifsteinen oder diamantbeschichteten abgerundeten Schleifeisen schleifen. Immer feiner werden und zum Schluss mit Polierpaste auf einem entsprechenden Leder abziehen.
17.) Abwinkeln der Sohle. Die Sohlen sind zunächst parallel zu den Klingen geschliffen worden. Jetzt werden sie mit einem Winkel von 6° nach hinten abgeschrägt. Damit hat man die Möglichkeit den Holzabtrag zu variieren. Ich habe zunächst auf dem Tellerschleifer grob vorgearbeitet und dann mit Ziehklingen das Feintuning durchgeführt. Wenn man den Travisher oder den Spokeshave komplett auf der Sohle über das Holz bewegt, sollte der geringste Spanabtrag generiert werden. Man kann nun den Winkel immer mehr verändern und so einen immer größeren Spanabtrag bewirken. Man sollte immer wieder Probeschnitte machen, um für sich die richtige Spandicke einzustellen (sowohl für die minimalste und die maximalste Spandicke).
18.) Wenn man zufrieden mit der Einstellung der Spandicke ist, muss man den Hobel jetzt "nur noch" zu Ende formen. Das ist mit Abstand die schweißtreibendste und anstrengendste Arbeit. Mit Bandschleifer, Raspeln, Feilen, Ziehklingen und Schmirgelpapier habe ich mich immer weiter an eine möglichst glatte Oberfläche angenähert.
19.) Die schönste und auch letzte Arbeit ist das Auftragen des Finishs. Dafür habe ich drei Schichten "True Oil" von Birchwood Casey genommen.
Im Video von Claire Minihan ist jeder einzelne Schritt genauestens zu sehen und wird sehr gut erklärt. Ich kann nur jedem empfehlen, der sich so etwas selber bauen will, die 22$ für den Download zu investieren.
Einen "Schnelldurchlauf" zum Bau des Travishers (nicht von mir !) gibt es auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=QvH7TUwNBG8 (hatte ich schon mal erwähnt).
Weitere Fragen beantworte ich sehr gerne.