Chat-KI als Werkstatthelfer: Berechnungen ja, Erfahrung nein?

Das ganze Thema rund um die Holzbearbeitung wird hier diskutiert. Die Grenzen sind hier deutlich weiter gezogen als im Handwerkzeugforum. Wenn Du nicht sicher bist, wo Dein Beitrag hingehört, ist er wahrscheinlich hier am besten aufgehoben.
Antworten
RalfK38
Beiträge: 1
Registriert: Do 24. Sep 2026, 09:55

Chat-KI als Werkstatthelfer: Berechnungen ja, Erfahrung nein?

Beitrag von RalfK38 »

Hallo zusammen,

ich habe in den letzten Wochen ein bisschen mit einer Chat-KI experimentiert, um zu sehen, ob sie in der Werkstatt etwas taugt. Bei reinen Rechenaufgaben, etwa Holzschwund bei einer Tischplatte von 90 Zentimetern Breite oder die Aufteilung einer Schwalbenschwanzverbindung, war das Ergebnis brauchbar. Sobald es um Erfahrung ging, zum Beispiel welche Leimfuge bei Eiche im Außenbereich hält, kamen Antworten, die sich gut anhörten, aber teils widersprüchlich waren.

Mich interessiert, ob jemand von euch sowas regelmäßig nutzt, vielleicht ein lokal installiertes Modell, und wofür genau. Ich habe den Eindruck, dass es ein guter Taschenrechner mit Sprachausgabe ist, aber kein Ersatz für den Blick eines erfahrenen Kollegen.

Grüße aus der Werkstatt
Ralf
Johannes M
Beiträge: 1687
Registriert: Di 21. Jul 2020, 09:09

Re: Chat-KI als Werkstatthelfer: Berechnungen ja, Erfahrung nein?

Beitrag von Johannes M »

Hallo Ralf,
mich wundert das nicht. Ich bin seit 38 Jahren Schreinermeister und gebe mein Wissen gerne weiter. Aber meistens im 1:1 Gespräch, oft an der Werkbank. Das bekommt also keine KI mit. Meine Beiträge in Foren gehen im Rauschen vieler Nutzer unter. Andererseits hat nicht jeder Influencer, der viel auf Instagram und Co veröffentlicht wirklich Ahnung. Wie soll da eine KI abschätzen können was zielführend ist und was nicht, sie verfügt ja nicht über eigene Erfahrungen.

Es grüßt Johannes
Andreas Winkler
Beiträge: 1179
Registriert: Di 30. Nov 2021, 19:21

Re: Chat-KI als Werkstatthelfer: Berechnungen ja, Erfahrung nein?

Beitrag von Andreas Winkler »

Hallo Ralf,

habe beruflich und privat relativ wenig mit KI zu tun.
Mit Spracheingabe überhaupt nicht.

Ob das derzeit hobbymäßig in der Werkstatt beim Holzwerken etwas taugt, mag ich bezweifeln. Bzw. kann es mir mangels Erfahrung nicht vorstellen.

Sehe das ähnlich, wie Johannes.
Worauf greift eine KI zurück? Auf das Internet.
Sicher dort auch auf Fachbücher, Fachzeitschriften, sonstiges "Richtiges".
Aber auch diverse Äußerungen zum entsprechenden Thema , die fachlich nicht ganz korrekt sind, jedoch viel geklickt werden.
So zumindest mein Wissenstand zu KI.
Wie eine Art Wertung vorgenommen wird, weiß ich nicht.
KI kann ja kein Eichenholz für den Außenbereich einmal mit Weißleim, einmal mit PU und einmal mit Neoprenkleber zusammenpappen, zwei Jahre vergehen lassen, das Ergebnis bewerten und dann fachlich korrekt darüber berichten.

Etliche Probleme lassen sich konkret oder "greifbar" gar nicht im Netz (oder auch einer gedruckten "Anleitung") darstellen, sondern sind eben nur real "erlebbar".

Auf der anderen Seite gibt es ja auch den Spruch aus dem echten Leben über Fachleute: "Drei Förster (Ärzte, Tischler/Schreiner....), vier Meinungen..." :D

Auf Deine Frage - ich nutze Angesprochenes in dem Bereich überhaupt nicht.
Auch weil man sich nicht sicher sein kann, ob man der Antwort trauen kann.

Gruß, Andreas
Fabi
Beiträge: 220
Registriert: So 5. Sep 2021, 14:39
Kontaktdaten:

Re: Chat-KI als Werkstatthelfer: Berechnungen ja, Erfahrung nein?

Beitrag von Fabi »

Moin zusammen :-)

Sehr interessantes Thema!

Ich kommuniziere ab und an ganz gerne mit einer KI. Die ein oder andere Erkenntniss habe ich dadurch für mich gewonnen.
Als sehr wichtig empfinde ich dabei allerdings eine gewisse Einarbeitungszeit (etwas, das ja eigentlich bei allem, was Neu ist immer von Vorteil ist), um zu lernen, wie dieses neue Werkzeug funktioniert, wo die Vorteile und Nachteile, die Stärken und Schwächen usw. liegen.

Was mich positiv überrascht hat, ist die Art und Weise der Kommunikation. Ja, ich habe dabei viel über gewaltfreie, freundliche und konstruktive Kommunikation gelernt. In anderen Worten: der Ton war um einiges angenehmer als z.B. in dem ein oder anderen Forum.
Ich fand dieses Tool auch überraschend nützlich um etwas wie mich selbst besser kennen zu lernen.

Aber, zurück zu Holzthemen: Was mich erstaunt hat ist, wie fehlerhaft die erhaltene Information bei Werkzeugsuche war. Z.B. welcher Akku mit welcher Maschine kompatibel ist, welches der leichteste Akku ist, der an eine Maschine passt, und auch, bei der Ersatzteilsuche für mein Mafell Aufrüstprojekt waren die erhaltenen Informationen extrem fehlerhaft. Damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.
Wenn es darum ging zu erforschen, welcher z.B. der beste Akkuschrauber für meine Anwendung oder das beste Holz für mein Projekt wäre, hat mich die Qualität der Antworten eher an folgendes Niveau erinnert:
- Der Schwager der Freundin meines Nachbarn hat gesagt, Model/Holz XY ist das beste.
- Aha, und was macht er so?
- Spielt keine Rolle, aber er weiss bescheid, ist ja Profi....

Wenn es jetzt um Themen geht, wie welcher Leim besser sich für mein aktuelles Projekt eignet, oder wenn es um das Arbeiten von Holz geht...

Ich denke, es hilft sich dabei klar vor Augen zu halten, mit wem/was man es zu tun hat!

Einen KI-Chat würde ich in diesem Fall mit einem Berufsschullehrer vergleichen. Und zwar dem, der die gesammte Bibliothek (auch die Bücher der anderen Gewerke und auch jede Tageszeitung und jeden Notizzettel die dort so herumliegen) in sich aufgenommen hat, jedoch noch nie im Bankraum war - also einem Speziallisten für 'allgemeine Theorie'.
Ich glaube, Johannes hat dies schon in etwa, aber in andere Worte verfasst: Dieser Lehrer weiss womöglich sehr viel (vielleicht viel mehr als der Bankraumlehrer, der sein ganzes Leben nur mit zwei Holzarten gearbeitet hat und jedes Jahr die drei selben Kleinprojekte vorführt); er hat allerdings kein Gespür dafür entwickeln können, diese ganze Information die er in sich aufgesogen hat zu werten, oder in 'wichtig'/'unwichtig' , 'anwendbar'/'nicht anwendbar' o.ä. zu strukturieren.
Einem Schüler dem das nicht bewusst ist, kann die Flut der Informationen leicht aus der Bahn werfen.
Dem Schüler allerdings, dem das bewusst ist kann von diesem Lehrer viel fïur sich gewinnen.
Dieses Bewusstsein wird ihm dann dabei helfen, die erhaltene Information zu hinterfragen und zu prüfen, ob sie ihm gerade wirklich hilft, oder evtl. noch etwas abgeändert werden sollte. Womöglich wird er sie eher als Inspiration aufnehmen und als eine Chance über den Tellerrand zu schauen und mal etwas neues aus zu probieren. Es wird ihn auch daran erinnern, das Theorie zwar wichtige Aspekte birgt, aber auch (besonders bei so praktischen Angelegenheiten wie Werken mit einem Naturmaterial) relativ schnell an die Grenzen ihrer Aussagekraft kommt. Das schöne an einem KI-Chat ist dann, dass diese (da ohne Ego ausgestattet) es niemals negativ oder als einen persönlichen Angriff oder Respektlosigkeit aufnehmen wird, wenn der Schüler dann doch einen anderen Weg geht ;-)

Egal mit wem/was wir uns bei einem Problem austauschen, egal in wie fern wir uns dabei von was auch immer haben beinflussen lassen; die Verantwortung über die getroffene Entscheidung / den gewählten Weg, wir tragen sie selbst.
Diese Erkenntniss hat mir sowohl beim Gespräch mit anderen Handwerkern, Foren oder auch KI's oft sehr konstruktiv zur Seite gestanden.

Soweit meine Sichtweise dazu.

Ich wünsch Euch einen genauso sonnigen Tag wie hier - LG Fabien
Antworten