Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Hier werden Holzprojekte diskutiert, die vorwiegend mit Handwerkzeugen und nicht mit Maschinen realisiert werden. Hier ist auch ein Platz für traditionelle Oberflächenbehandlung von Holz. Ebenso geht es hier um klassische Handwerkzeuge zur Holzbearbeiteng, deren Bedeutung, Pflege und Gebrauch.
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Uwe.Adler
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Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Uwe.Adler »

Werte Holzwerker,

jahrelang habe ich Glück gehabt und es ist mir nicht passiert. Nun hat es mich erwischt. Die räumliche Beschränkung hat ihren Tribut gefordert.

In der Werkstatt befindet sich zur Weiterbearbeitung ein Schrankaufsatz mit einer Türfüllung aus Zebrano. Des Weiteren stand auch ein Stammabschnitt in der Nähe zur anstehenden Begutachtung. Es kam wie es kommen musste und ich immer befürchtet habe, Stammabschnitt gegen Rohbau. Dabei hat das weichere Holz gegen das härtere verloren und eine tiefe Scharte abbekommen. Die Tiefe ist ca. 1,5mm, 10mm breit und 60mm lang. In der Scharte ist ein Faserbruch und somit ein Ausriss entstanden.


Bevor ich nun mit scharfen Werkzeug, Schleifmitteln, Wasser und Dampf und anderen Hilfsmitteln an die Bearbeitung des Schadens gehe, bitte ich um eine Hilfestellung, wie man sinnvoll an diese Arbeit herangeht. Meine Kenntnis für solche Herausforderungen sind marginal und es wäre sehr schön, wenn ich den ein oder anderen fundierten Rat erhalten könnte.

Ich würde mich sehr über Unterstützung freuen,
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Das sind die Kontrahenten gewesen. Im unteren Teil der Füllung sieht man die Vertiefung in der Oberfläche.
Das sind die Kontrahenten gewesen. Im unteren Teil der Füllung sieht man die Vertiefung in der Oberfläche.
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Das ist die Scharte, die ich gerne bearbeiten möchte
Das ist die Scharte, die ich gerne bearbeiten möchte
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Herzliche Grüße

Uwe
MaxS
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Registriert: Sa 21. Jun 2014, 02:52

Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von MaxS »

Guten Abend Uwe,

mit Zebrano habe ich im speziellen keine Erfahrung.

Bei anderen Holzarten hat sich allerdings die Variante "Ausbügeln" als ganz effektiv erwiesen: Ein weißer Baumwollappen (Leinen funktioniert sicher auch) wird über die Schadstelle gelegt (ein- oder mehrlagig) und dort nicht zu sparsam mit kaltem Wasser getränkt (z.B. mit einer Spritzflasche). Alternativ kann auch der Rand eines Lappens nass gemacht und auf die Schadstelle gelegt werden. Ein heißes Bügeleisen wird nun mit etwas Druck auf das nasse Tuch gedrückt (für einige Sekunden). Das Wasser wird dadurch schnell erhitzt und ins beschädigte Holz gedrückt, das nun aufquellen kann. Diese Prozedur kann wiederholt werden. Auch Scharten mit Faserbruch können z.T. komplett herausgequollen werden, sodass kaum noch etwas sichtbar bleibt.
Wasser, das sich zu weit zur Seite ausgebreitet hat, sollte abgewischt werden - bei unbehandeltem Holz lässt es sich auch mit dem Bügeleisen in schnellen Zügen verdampfen.
Nachteil der Methode: Oberflächenbehandlungen werden in Mitleidenschaft gezogen und je nach Holz können Wasserflecken entstehen. Ich hatte mit Flecken bisher kein Problem.
Nach dem Quellen muss dann je nach Ergebnis weitergearbeitet werden. Eine Korrektur der Oberfläche wird immer nötig sein, was mit den entsprechenden Werkzeugen schnell erledigt ist. Die farbliche Anpassung und die des Glanzgrades können schwieriger sein, wenn z.B. das Material schon gealtert ist. Evtl muss die komplette Füllung neu lackiert/mattiert/beschichtet werden, den Rahmen könnte man kantenscharf abkleben,

Alternativ dazu kann man natürlich auch auf Hartwachs zurückgreifen (z.B. von König oder Cleho). Dazu muss die Schadstelle so gesäubert werden, dass keine Fasern mehr überstehen und dann mit Hartwachs gefüllt, texturiert und ggf. retuschiert werden. Eine abschließende Schicht Lack wird empfohlen, meist kommt man ohne aus. Mit etwas Übung und den halbwegs passenden Ausgangsfarben kann man Schäden so optisch nahezu komplett verschwinden lassen. Nachteil ist allerdings die meist andere Alterung der Wachse im Vergleich zum Holz. Schadstellen können so bei starkem Nachdunkeln oder sonstigen Veränderungen des Holzes über die Jahre wieder sichtbar werden.

Ich würde mein Vorgehen hier u.A. von der Oberfläche und der zukünftigen Verwendung des Möbels abhängig machen. Beim Arbeiten sollte man natürlich die "guten" Flächen erstmal abdecken und entsprechend vorsichtig vorgehen, aber das ist für Dich sicher nichts neues. Eine Lupenleuchte hilft übrigens bei feinen Retuschierarbeiten und ähnlichem ungemein.

Viel Erfolg
Max
Pedder
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Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Pedder »

Hallo Uwe,

ich kann nicht mit Erfahrung beitragen. Aber ich könnte Dir zebrano für Versuche schicken.

Liebe Grüße Pedder
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Uwe.Adler
Beiträge: 1210
Registriert: So 27. Dez 2020, 22:52

Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Uwe.Adler »

Hallo Max,

vielen Dank für die ausführliche und bestätigende Ausführung. Meine Vorgehensweise wird der vorgelagerte Versuch mit einem Probestück aus der Zebranobohle sein, an der ich die Dampfmethode mit dem Bügeleisen anwenden werde. Dabei kann ich dann die Reaktion des Holzes beobachten. Daraus ergibt sich dann auch eine weitere Vorgehnsweise.

Dank auch für den Hinweis auf die Oberflächenbearbeitung. Da es ein Möbel im Bearbeitungszustand ist, hat die Füllung "nur" die ersten Schellackpolituren in Form von Einlassgrund und die ersten Porenfülldurchgänge. Ich kann daher schnell wieder zum Ausgangspunkt zurück und wieder mit dem Neuaufbau beginnen. Die Wasserbehandlung werde ich eng begrenzen und beobachten wie die Reaktionen erfolgen. Das wird dann dem Probelauf folgen.

Es ist für sehr schön, Deine Reaktion der Unterstützung zu bekommen, hier lese ich einen großen Erfahrungsschatz heraus - dafür vielen Dank nochmals!

Hallo Pedder,

auch Dir vielen Dank für Deine Antwort und die Absicht. Ich werde wie beschrieben einen Versuch mit vorhandenem Zebrano machen.
Herzliche Grüße

Uwe
Bernd Grunwald
Beiträge: 313
Registriert: Mi 5. Sep 2018, 14:21

Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Bernd Grunwald »

Hallo Uwe,

ich würde es auch mit der Quellmethode versuchen. Mit nassem Lappen und Bügeleisen quillt das Holz sofort. Dabei entsteht allerdings ein relativ großer Quellbereich, deutlich größer als für die Reparatur benötigt. Ob das ein Nachteil ist, hängt sicher davon ab, wie die spezielle Holzart (hier: Zebrano) auf die Behandlung reagiert.

Das Bügeleisen ist daher bei mir die "Gewaltmethode", wenn das Holz ansonsten partout nicht richtig quellen will. Wesentlich gezielter (schonender?) kann man dagegen mit der Fingerkuppe oder mit einem Zahnstocher etc. arbeiten. Damit kann man das Wasser tröpfchenweise und sehr gezielt auftragen. Nach mehreren Aufträgen bringen die Wassertropfen die beschädigte Stelle ebenfalls zum Quellen - ohne Dampf. Es dauert zwar länger bis es quillt, aber es funktioniert auch - und schont die nicht beschädigten Bereiche.

Ob diese Methode in deinem Fall besser als die Dampfmethode ist, kannst du wohl nur durch Versuche herausfinden. Es ist jedenfalls eine Alternative zum Dampf.

Gruß
Bernd
Johannes M
Beiträge: 1520
Registriert: Di 21. Jul 2020, 09:09

Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Johannes M »

Hallo Uwe,
wenn nach den Wasser/Dampf Versuchen noch ein "Krater" bestehen bleibt:
Erst auffüllen mit Material, das in etwa dem hellen Holz vom Zebrano entspricht, dann die Struktur (Poren) nachahmen, dann den hellen Farbton retuschieren und zum Schluß die dunkle Maserung nachzeichnen. Dafür am besten verschiedene Farben nehmen, um die Farbigkeit des Holzes zu erreichen.

Viel Glück
Es grüßt Johannes

Und wenn es garnicht glücken will, eine schöne Schnitzerei an der Stelle einbringen.
Ulrich Leimer
Beiträge: 441
Registriert: Fr 11. Jan 2019, 10:43

Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Ulrich Leimer »

Hallo Uwe,
willst Du die wirklich auf Schellack-Hochglanz bringen? Sonst macht das mit dem Porenfüllen ja wenig Sinn.....
Leider sieht man da jede Macke im Holz, jede! Ich wünsch Dir, dass Du den Untergrund wieder hoch kriegst, aber bleibe
skeptisch. Meine Methode wäre, die ausgebrochenen Furnierstücke mit der Pinzette irgendwie rausholen, brechen, etc.
den Untergrund mit einem Kitt irgendwie wieder auf Höhe bringen und dann die Plättchen wieder aufsetzen.
Bei Nuss kann man solche Löcher mit Blättern Schellack ausbrennen, also an heißem Messer / Lötstab o.ä. verflüssigen,
eintropfen lassen, glattdrücken /ziehklingen oder eben plan kratzen/schleifen....
Aber dann sind natürlich die hellen Stellen weg.... na Dir fällt schon was ein.
BesteGrüße
Uli
Pedder
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Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Pedder »

Hallo Uwe

Kannnnst Du vielleicht die Füllung drehen? Innen nach außen?
Liebe Grüße Pedder
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Uwe.Adler
Beiträge: 1210
Registriert: So 27. Dez 2020, 22:52

Re: Holzoberfläche Schadensbearbeitung

Beitrag von Uwe.Adler »

Hallo liebe Mitstreiter,

erst einmal vielen Dank für die unterschiedlichen Denkanstöße. Es freut mich sehr, dass so viele fundierte Antworten kommen.

Ich habe mir etwas Zeit gelassen und auch nach weiteren Möglichkeiten und Lösungen gesucht. Meine Entscheidung tendiert zur Wasserbearbeitung. Über die Bearbeitung werde ich berichten, da das Interesse ja vorhanden ist.

@ Bernd, danke für die schonende Form der Bearbeitung. Für mich ist die Lösung mit einer medizinischen feinen Spritze und Kanüle den Wassereintrag vorzunehmen. Die Portionierung ist sehr fein durchführbar. Die Umgebung wird mit Abdeckband abgeklebt und Überstände sofort mit saugfähigem Papier aufgenommen. Dafür habe ich als Allzweckwaffe immer Rollen Toilettenpapier griffbereit. Die große Lösung mit Bügeleisen kann ja immer noch vollzogen werden.

@ Johannes, Auch Dir danke für Deine Antwort. Ich vermute mal, dass nach den Versuchen die Oberfläche nicht eben sein wird. Alleine durch die Ausbrüche ist die Oberflächenstruktur beschädigt. Diese wieder herzustellen - da habe ich meine Befürchtungen. Daher habe ich die Füllung erst einmal aus dem Rahmen genommen. Weiteres ist mit einem präparierten Restholz vorbereitet und muss getestet werden. Sollten Retuschen nötig sein, dann werde ich wieder auf meine Lederfarben zurückgreifen. Diese haben mir schon häufiger gute Dienste geleistet.
Das mit der Schnitzarbeit ist heikel. Das Holz ist sehr wechseldrehwüchsig und da sollte jeder Schnitt sehr sauber verlaufen. Als Alternative habe ich mir eine Marketeriearbeit überlegt. Damit würde aber das Maserbild leiden. Diese habe ich durch die bookmatched gewonnene Auftrennarbeit als Unikat zur Verfügung und möchte sie gerne erhalten. Die Textur macht die Füllung so besonders.

@ Uli, ja, das Möbel wird auf Hochglanz gebracht. Daher auch die große Enttäuschung über den Schaden und die vorsichtige Herangehensweise bei der Bearbeitung. Die Verwendung von Schellackstangen habe ich in Erwägung gezogen, aber da müssen keine weiteren Überlegungungen mehr vorhanden sein. Die Schadenstelle ist ja nicht gering und fällt immer ins Auge. Leider habe ich kein gebogenes Restholz das ich in feinen Spänen aufgeteilt einsetzen könnte. Als Alternative werde ich mit dem Biegeisen einige Streifen formen und notfalls gespiegelt einlassen und auffüllen. Vorrangig ist aber die Bearbeitung des ursprünglichen Maserbildes.

@ Pedder, auch Dir nochmals vielen Dank für Deine Ideen. Ja die die Füllung zu wenden wäre eine Möglichkeit. Nur ist die Textur durch die bookmatched Auftrennung nicht so schön und ansprechend. Auch sind dann die Falze nicht mehr mit den Rahmen bündig abschließend. Das macht die Konstruktion so ansprechend und gefällt mir besonders an dem eher schlichten Korpus.
Herzliche Grüße

Uwe
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