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Friedrich Kollenrott:

Stahl für Holz-Handwerkzeuge

Bis zum Beginn des Maschinenzeitalters um die Mitte des 19. Jahrhunderts arbeiteten Tischler oder Schreiner ausschließlich mit Handwerkzeugen. Heute sind anspruchsvollere Handwerkzeuge bei vielen Holzhandwerkern fast vergessen. Der Kostendruck zwingt eben zu hoher Produktivität. Nur dort, wo eine mit Maschinen nicht mögliche Qualität und besonders schonende Arbeit verlangt wird - etwa in der Restaurierung - haben Handwerkzeuge auch bei Profis ihre Bedeutung behalten.

Die traditionelle Holzbearbeitung mit Handwerkzeugen hat aber in den letzten Jahren wieder mehr Interesse gefunden. Es sind vor allem wir Freizeittischler (ich möchte das Wort "Hobby" oder gar "Bastler" hier nicht gern verwenden), die für sich entdeckt haben, wie viel Freude die im Wortsinne handwerkliche Holzbearbeitung macht.

Diese Entwicklung wurde mit angestoßen von Firmen, die hochwertige Werkzeuge (darunter ganz erstaunliche Werkzeuge, vor allem aus Japan) überhaupt wieder verfügbar machten und so bei vielen Anwendern ein ganz neues Qualitätsbewusstsein für Werkzeuge förderten. Das ist eine wichtige Voraussetzung. Denn so erstaunlich genau, sauber und oft auch schnell die Arbeit mit Handwerkzeugen sein kann: man muss es nicht nur können, man muss dazu auch gutes Werkzeug haben. Mit schlechten Werkzeugen geht es nicht, und es wird dann schnell zu einer bösen Schinderei.

Die Güte der Werkzeuge wird entscheidend mitbestimmt von der Qualität und dem Zustand ihrer Schneiden. Ein noch so schönes Werkzeug ist völlig nutzlos und ein Ärgernis, wenn es stumpf oder schartig ist - wer jemals mit einem wirklich scharfen Hobel gearbeitet hat und dann einen stumpfen benutzen soll, kennt das.

Im Gegensatz zu Maschinenwerkzeugen (wie Kreissägeblätter und Fräser), die man nach Stumpfwerden auswechselt oder zum Schärfdienst bringt, müssen Handwerkzeuge wie Hobel, Stecheisen, Ziehklingen und (mit Einschränkungen) Sägen vom Anwender (1) selbst geschärft werden. Er muss also ein Eisen schärfen können, er muss aber auch den Zustand und die Qualität eines Eisens beurteilen und er muss vermeiden, das Eisen beim Schärfen zu schädigen. Die Schneiden bestehen aus Stahl. Stahl ist eine sehr vielseitiger, leistungsfähiger aber oft auch empfindlicher Werkstoff. Neben der Beherrschung des Schärfverfahrens sind darum einige Grundkenntnisse über diesen Werkstoff nützlich.

Dem Holzhandwerker kann es eigentlich egal sein, woraus die Schneide besteht, wenn sie nur seine Anforderungen beim Gebrauch erfüllt. Darum sollen zuerst einmal diese Anforderungen definiert werden:

1. Anforderungen an eine Werkzeugschneide zur Holzbearbeitung von Hand

Die wichtigsten Anforderungen ergeben sich aus den Arbeitsverfahren zur Holzbearbeitung und den technischen Möglichkeiten des Holzbearbeiters:

  • Die Schneide muss sehr scharf sein. Handgeführte Werkzeuge mit ihrer geringen Arbeitsgeschwindigkeit erzeugen nur mit sehr scharfen Werkzeugen gute Oberflächen, und auch die zur Verfügung stehende geringe "Antriebsleistung" (die körperliche Leistung des Holzbearbeiters) verbietet stumpfe, schwergängige Werkzeuge. Die Forderung, sich mit einem frisch geschärften Hobeleisen rasieren zu können, ist nicht übertrieben!
  • Die Schneide soll möglichst lange scharf bleiben. Sie soll sich also weder zu schnell abnutzen ("verschleissen") - dafür ist offenbar eine hohe Härte des Schneidenwerkstoffs günstig. Sie soll aber auch nicht bei hoher Beanspruchung Ausbrüche bekommen (Hobelschneiden) oder brechen (Sägenzähne). Das heißt: Sie soll nicht spröde, sondern ausreichend zäh sein, sich also erst plastisch verformen bevor ein "Verformungsbruch" auftritt. Sie soll sich aber auch nicht zu leicht umbiegen (Gratbildung beim Stemmen von Hartholz, hier ist also wieder Härte gefragt). Die Empfindlichkeit der Schneide hängt natürlich auch mit der Schneidengeometrie zusammen.
  • Die Schneide soll sich, wenn sie dann doch stumpf geworden ist oder Schäden aufweist, mit den Mitteln eines Holzwerkers (also ohne Spezialmaschinen) und mit zumutbarem Zeitaufwand wieder schärfen lassen.

Wie scharf eine Schneide ist, das hängt ab von der Geschicklichkeit dessen, der sie geschärft hat. Wie lange aber die Schneide ihre Schärfe hält und wie leicht es dann ist, sie wieder nachzuschärfen, das hängt von dem Werkstoff der Schneide ab. Stahl ist deswegen das weitaus bevorzugte Material für Werkzeugschneiden, weil er diesen Anforderungen in der Summe seiner Eigenschaften besser entspricht als alle anderen uns zur Verfügung stehenden Werkstoffe.

2. Was ist Stahl?

Grundbestandteil des Stahls ist das Element Eisen. Eisen hat die bemerkenswerte Fähigkeit, das Element Kohlenstoff in erheblichen Mengen (bis zu 6 Gewichts-%) zu lösen und in sein Kristallgitter einzubauen. Je nach Höhe des Kohlenstoffgehaltes hat das Eisen ganz unterschiedliche Eigenschaften. Das Eisen lässt sich außerdem mit vielen anderen Metallen mischen (legieren), auch damit sind die Eigenschaften der so entstehenden Legierung gezielt beeinflussbar. Umformen des Stahles (Walzen, Schmieden, Ziehen) ermöglicht weitere Verbesserungen. Vor allem aber erbringen gezielte Wärmebehandlungen (z.B. Härten, Vergüten) eine erstaunliche Steigerung der Festigkeit und Härte des Stahles und ermöglichen so eine optimale Anpassung an die jeweils vorliegenden Anforderungen.

Herstellung von Stahl

Im Hochofen wird aus Erz das spröde Roheisen erschmolzen. Es enthält sehr viel Kohlenstoff (etwa 3 bis 4 Gewichts- %), außerdem Verunreinigungen wie Schwefel und Phosphor. So kann man es nicht brauchen. Bei der Weiterverarbeitung werden ein Teil des Kohlenstoffs und die unerwünschten Verunreinigungen entfernt. Mit einem Kohlenstoffgehalt unter 1,7 % erhält man einen Stoff, der plastisch verformbar (biegsam oder auch schmiedbar) ist. Das ist der Stahl.

Stahl wird mit Kohlenstoffgehalten von etwa 0,1% bis 1,3% hergestellt, außerdem in verschiedenen Reinheitsgraden. Besonders reine Stähle werden als "Edelstähle" bezeichnet (nicht zu verwechseln mit den rostfreien Stählen, die umgangssprachlich so genannt werden).

Unlegierte Stähle

Stähle, denen keine nennenswerten Mengen anderer Metalle enthalten sind, nennt man unlegierte Stähle oder Kohlenstoffstähle.

Einfache unlegierte Stähle mit Kohlenstoffgehalt bis etwa 0,3% werden als Baustähle für Brücken- und Schiffbau, als Bleche für Autokarosserien, für Eisenwaren unterschiedlicher Art und für ähnliche Zwecke eingesetzt. Sie sind weich, gut verformbar und gut zu schweissen. Brauchbare Werkzeugschneiden kann man daraus nicht machen. Kohlenstoffarme Stähle mit guter Verformbarkeit werden auch als Schmiedeeisen bezeichnet.

Mit einem Kohlenstoffgehalt über 0,3 % wird der Stahl härtbar: Durch Härten (Erläuterung unter 3) werden Festigkeit und Verschleisswiderstand des Stahles erheblich gesteigert. Unlegierte härtbare Kohlenstoffstähle hoher Qualität (Reinheit) sind das traditionelle Material für die Schneiden von Handwerkzeugen für die Holzbearbeitung. Typische Stähle hierfür sind der C 70 und der C 90 (mit 0,7 bzw. 0,9 % Kohlenstoff). Die sehr harten japanische Plattierungsstähle enthalten sogar 1,1 bis 1,2 % Kohlenstoff.

Legierte Stähle

Zur Verbesserung seiner Eigenschaften werden dem Stahl andere Metalle zugesetzt, vor allem Chrom, Vanadium, Mangan, Nickel, Molybdän und (bei HSS-Stählen) Wolfram und Kobalt.

Niedriglegierte Werkzeugstähle enthalten insgesamt nur wenige Prozent Legierungselemente. Diese Stähle sind den unlegierten noch ähnlich, bieten für viele Anwendungen aber günstigere Eigenschaften.

Bekannt sind die mit Chrom und Vanadium legierten Stähle, die nicht nur für Schneidwerkzeuge, sondern auch für Schraubenschlüssel und Ähnliches eingesetzt werden. Die Bezeichnung "Chrom Vanadium" oder "CV" sagt allerdings über den Anteil der Legierungselemente und die Qualität des Stahles noch gar nichts aus.

Ein Stahl mit genau bekannter Zusammensetzung ist der (schon ziemlich üppig legierte) amerikanische A2-Stahl, der von mehreren Herstellern hochwertiger Hobeleisen eingesetzt wird. Er enthält: 1,0% C (Kohlenstoff), 0,7% Mn (Mangan), 5,0% Cr (Chrom), 1,1% Mo (Molybdän), 0,25% V (Vanadium).

Hochlegierte Werkzeugstähle enthalten meist etwa 10 bis 30 % Legierungselemente. Sie werden auch als "Schnellarbeitsstahl" (HSS- Stahl) bezeichnet. Bei der Holzbearbeitung sind sie extrem verschleissfest und robust. Ihre eigentliche Domäne ist die maschinelle Metallbearbeitung. HSS-Stähle widerstehen den dort auftretenden hohen Temperaturen, sogar bei Rotglut sind sie noch sehr hart. Das braucht man für Holzhandwerkzeuge nicht, meist überwiegt der Nachteil der schlechteren Schärfbarkeit. Darum werden HSS-Stähle hier bisher nur selten eingesetzt.

(Anmerkung: Gerne hätte ich auch einige konkrete Daten über die von deutschen und europäischen Herstellern eingesetzten Stähle, die qualitativ durchaus mithalten können, beigefügt. Leider sind die Hersteller sehr zugeknöpft - ich versuche es aber weiter.)

3. Wärmebehandlung des Stahles: Härte ist nicht alles

Klingen für Holzhandwerkzeuge werden üblicherweise zunächst in weichem Zustand geschmiedet (Stecheisen) oder aus dickem Blech geschnitten oder gestanzt (Hobeleisen). Dann wird grob vorgeschliffen. Durch die nachfolgende Wärmebehandlung wird der Stahl auf die erforderliche Härte gebracht, danach wird fertiggeschliffen.

Etwas anders ist der Ablauf bei der Fertigung nachschärfbarer Sägen: Hier kann vom Hersteller schon fertig wärmebehandeltes dünnes Stahlblech verarbeitet werden.

DieWärmebehandlung beginnt mit dem Härten:

Der Stahl wird auf eine Temperatur von fast 1000 Grad erwärmt und dann schnell abgekühlt (abgeschreckt). Wenn er mindestens etwa 0,3 % Kohlenstoff enthält, bildet sich ein Härtegefüge aus Martensit-Kristallen. Bei relativ niedrigem Kohlenstoffgehalt muss schnell abgeschreckt werden (z.B. in Wasser), um diesen Effekt zu erzielen. Ein Stahl mit hohem Kohlenstoffgehalt härtet schon bei Abkühlung mit Pressluft. Man sprich darum auch von Wasserhärtern, Lufthärtern oder Ölhärtern (die liegen in Kohlenstoffgehalt und Eigenschaften dazwischen).

Der Härtevorgang erzeugt erhebliche Spannungen im Werkstoff. Bei unvorsichtigem Härten können Risse entstehen, ein gewisser Härteverzug ist normal. Der Spruch: "Was nicht krumm ist, ist auch nicht hart" hat schon seine Berechtigung.

Nach dem Härtevorgang ist der Stahl hart und verschleissfest, aber sehr spröde. Als Werkzeugschneide würde er sehr schnell durch Ausbrüche versagen.

Der nächste Schritt ist darum das Anlassen. Dazu wird der Stahl nochmals erwärmt auf etwa 300 Grad (weniger, wenn er sehr hart bleiben, mehr, wenn er eher zäh werden soll). Ziel einer ausgewogenen Wärmebehandlung ist ein günstiges Verhältnis von Härte und Zähigkeit. Härten + Anlassen bezeichnet man als "Vergüten".

Durch gezieltes Vergüten kann der Stahl genau an die Anforderungen angepasst werden: Aus dem gleichen Stahl könnte ein Stecheisen mit zähharter, nur noch durch Schleifen schärfbarer Schneide hergestellt werden oder aber auch eine Säge, die weicher ist und nachgefeilt werden kann, oder auch die äußerst harte Feile selbst.

Zur Herstellung eines guten Schneidwerkzeuges gehören also sowohl die Wahl des richtigen Stahls (der die richtige Zusammensetzung hat) als auch die korrekte Durchführung der richtigen Wärmebehandlung.

Der Gefügezustand des vegüteten Stahls ist nur bei niedrigen Temperaturen stabil. Bei höheren Temperaturen (und das beginnt schon bei weniger als 200 Grad) tritt der gleiche Effekt auf, der beim Anlassen gezielt herbeigeführt wurde: Das Gefüge wandelt sich um, die Schneide wird weicher und unter Umständen völlig unbrauchbar. Beim Arbeiten mit den Handwerkzeugen sind so hohe Temperaturen nicht zu befürchten, wohl aber beim trockenen Schärfen auf einer Maschine.

Eine Überhitzung des Stahls wird sichtbar durch die auf blankem Metall erscheinenden Anlauffarben. Zuerst wird der Stahl gelblich, zuletzt blau. Dann ist die Schneide bis in einige Tiefe wirklich zerstört, aber schon bevor überhaupt eine Verfärbung auftritt, kann die Schneide geschädigt sein ohne dass man es sehen könnte.

Ein maschinelles Trockenschleifen von Klingen aus Kohlenstoffstahl oder niedriglegiertem Werkzeugstahl ist darum unbedingt zu vermeiden! Theoretisch wäre es zwar möglich, ein thermisch verdorbenes Werkzeug durch neues Vergüten wieder brauchbar zu machen, aber das ist viel zu aufwendig. Es hilft nur ein tiefes Abschleifen des geschädigten Werkstoffes (diesmal unter Kühlung oder von Hand).

4. Eigenschaften und Besonderheiten von vergüteten Werkzeugen

Härte - was ist das, wie wird es gemessen?

Die Härte eines Stahles lässt sich mit speziellen Prüfgeräten messen. Eine gehärtete Stahlkugel oder eine Diamantspitze wird mit genau definierter Kraft auf die Werkstoffprobe gedrückt. Je weicher der Stahl ist, desto tiefer und größer wird der Eindruck. Beim besonders einfachen und deshalb (trotz sei-ner Ungenauigkeit) beliebten Rockwell C-Verfahren wird eine kegelige Diamantspitze benutzt, deren Eindringtiefe an einer Messuhr abgelesen und in einfachster Weise direkt in den Härtewert umgerechnet wird. Die so ermittelte Rockwell-Härte vergüteter Werkzeuge zur Holzbearbeitung liegt bei etwa 50 bis 60 HRC (die höheren Werte für hochwertige Stech- und Hobeleisen). Laminierte japanische Eisen können bis etwa 64 HRC aufweisen, HSS-Eisen sogar noch mehr.

Es muss aber nochmals betont werden: Härte allein ist wertlos, die Kunst des Werkzeugherstellers ist es, hohe Härte bei gleichzeitig ausreichender Zähigkeit zu erreichen!

Partielle Härtung

Ein Schneidwerkzeug braucht die Härte eigentlich nur an der Schneide und in den Bereichen, die durch Nachschärfen zur Schneide werden können. Darum wird oft partiell gehärtet: Hobel- und Stecheisen werden dazu nur im Bereich der Schneide auf Härtetemperatur erwärmt und dann abgeschreckt. Der Rest des Werkzeuges besteht zwar aus dem gleichen Stahl, bleibt aber weich. Beim Abziehen der Spiegelseite erkennt man den harten Bereich an dem stärkeren Glanz. Das Eisen kann so lange nachgeschärft werden, bis der harte Bereich verbraucht ist.

Hobeleisen   partiell gehärtetes Hobeleisen (nach Abziehen der Spiegelseite)


Bei Sägen gibt es die Zahnspitzenhärtung eines ansonsten relativ weichen Sägeblattes. Man erkennt sie an der blauen Anlauffarbe der Zahnspitzen. Wird die Verzahnung aber nach dem Härten noch geschliffen (üblich bei japanischen Sägen), ist keine Verfärbung mehr sichtbar.

Laminierte Klingen

Typisch für die traditionellen japanischen Werkzeuge sind laminierte Klingen, bei denen eine Plattierung, das ist eine dünne Schicht eines hoch kohlenstoffhaltigen und damit härtbaren Stahls, mit einem Träger aus kohlenstoffarmem Stahl unlösbar verschweißt ist. Dieses Verschweißen geschieht durch Zusammenhämmern oder -walzen in hellglühendem Zustand.

Wenn, wie es bei sehr teuren Eisen oft zu sehen ist, der weiche Träger seinerseits als "Damaszenerstahl" aus einer Vielzahl von Stahllagen aufgebaut ist, hat dies sicher auch den Zweck, den Wert eines kostbaren Werkzeuges dekorativ zu betonen. Funktionsentscheidend ist die Kombination einer harte Plattierung mit einem weichen Träger.

Laminiertes Eisen Pfeil   Laminierte Klinge (Japanisches Stecheisen, Blick auf Fase)


Wird eine so laminierte Klinge durch Anschrecken gehärtet, dann wird nur die Plattierung hart, der Träger bleibt weich weil sein Kohlenstoffgehalt zur Martensitbildung zu gering ist. Welchen Vorteil hat das?

  • Man braucht nur eine ganz kleine Menge des härtbaren Stahls, kann also allerbeste Qualitäten verwenden, ohne dass es zu teuer wird (Heute kaum noch ein wichtiges Argument, auch sehr hochwertige Stähle sind eher erschreckend billig).
  • Das beim Schärfen an der Fase des Eisens abzutragende Material ist überwiegend weicher Stahl, dadurch wird das Schärfen leichter.
  • Die dünne Schicht härtbaren Stahls neigt beim Härten weniger stark zum Verziehen und Reißen, sie kann daher höher gehärtet werden.
  • Laminierten Klingen wird eine höhere Dämpfung (Unterdrückung von Schwingungen und Prellen bei schlagartiger Beanspruchung ) nachgesagt. Der inhomogene Aufbau wirkt sicher tendenziell in dieser Richtung - wieweit dies allerdings wirklich spürbar ist, ist letztlich wohl noch ungeklärt.

Ein laminierter Aufbau war auch bei westlichen Werkzeugen früher durchaus gebräuchlich (bei älteren Stanley-Hobeleisen noch zu finden), ist aber heute fast nur noch in hochwertigen Klingen aus Japan anzutreffen. Als Plattierung werden neben den traditionellen Kohlenstoffstählen heute auch niedriglegierte Stähle verwendet. Der Aufwand für die Herstellung einer laminierten Klinge wird nur bei Eisen von hoher bis höchster Qualität getrieben.

Elastizität

Wenn ein Bauteil aus Stahl einer Kraft ausgesetzt wird, verformt es sich. Jeder kennt Federn aus Stahl, die sich unter Last elastisch verformen, das heißt: Bei Entlastung federn sie zurück und nehmen wieder ihre ursprüngliche Form an. Verformt man eine Feder zu stark, dann federt sie nur teilweise zurück. Es ist eine plastische Verformung zurückgeblieben.

Verformung unter Belastung tritt natürlich auch an Bauteilen auf, die nicht als Federn gedacht sind. Jedes Stech- oder Hobeleisen, jedes Messer und jede Ziehklinge verformt sich unter den Kräften, die im Gebrauch auf sie wirken. Interessant ist der Einfluss der Stahlhärte auf das elastische Verhalten:

Elastisches Verhalten von hartem und weichem Stahl


Die Skizze links stellt eine eine Blattfeder aus Stahl dar, die durch eine Kraft F belastet und damit um einen Weg s verformt wird. Das Diagramm rechts zeigt, dass zunächst die Verformung genau proportional der Kraft ist (das ist das Merkmal elastischer Verformung). Wenn die Kraft weiter wächst, beginnt an dem mit einem Kreis gekennzeichnenen Punkt der Kennlinie die plastische Verformung, die Feder verformt sich überproportional (und federt bei Entlastung nicht mehr voll zurück). Ein härterer Stahl hat auch eine größere Festigkeit, er geht erst bei größerer Belastung in die plastische Verformung über ("Federstahl" ist ein harter Stahl).

Bemerkenswert ist, dass weiche und harte, unlegierte und legierte Stähle sich bei niedrigen Belastungen und Verformungen (wo sie sich noch alle im elastischen Bereich befinden) völlig gleich verhalten. Es ist also nicht so, dass weiche Stähle elastischer wären als harte (technisch: Der Elastizitätsmodul ist gleich). Wenn ein weicher Stahl sich leichter verformen lässt als ein harter, dann befindet er sich bereits im Bereich der plastischen Verformung und wird also überlastet.

Schärfbarkeit von Stählen

Der Benutzer von Stecheisen und Hobeln, muss diese auch mit seinen Mitteln schärfen können. Geschärft und abgezogen wird traditionell von Hand auf flachen Schleif- und Abziehsteinen, mit Zugabe von Wasser oder Öl. Hier gibt es deutliche Unterschiede: Wenn Schneide und Stein gut zusammenarbeiten, bleibt der Schleifstein scharf und lange plan (weil stumpfgewordene Körner nicht zu früh, aber noch rechtzeitig ausbrechen und neuen, schärferen Platz machen). Der Materialabtrag geht darum zügig voran. Wenn der Abziehstein ebenfalls griffig bleibt und sich nicht zusetzt, dann ist auch der Abziehvorgang schnell erledigt.

Reine Kohlenstoffstähle lassen sich sich besonders leicht schärfen, legierte dagegen bereiten eher schon einmal Probleme: Typisch ist, dass sich auf Wassersteinen eine schmierige schwarze Schicht bildet, der Stein greift nicht mehr. Grundsätzlich arbeitet nicht jeder Schleif- und Abziehstein mit jedem Werkzeug gleich gut, es kann also sinnvoll sein, bei Problemen auch eimal einen anderen Stein auszuprobieren.

Die laminierten japanischen Eisen lassen sich trotz ihrer extremen Härte durchaus auf normalen Steinen schärfen und abziehen. Etwas langsamer als bei Eisen normaler Härte geht es schon, dafür bleiben die Eisen aber auch sehr lange scharf.

Das Schleifen und Abziehen hochlegierter (HSS-) Stähle von Hand ist sehr mühsam.

Alternativ zu den klassischen Steinen können für das Schleifen und Abziehen auch auf eine ebene Fläche aufgeklebtes Schleifpapier oder sogar diamantbelegte Schleifkörper benutzt werden. Mit Diamanten lassen sich härteste Stähle und sogar Hartmetall problemlos bearbeiten.

Sägen mit auf niedrige Härte vergüteten Zähnen werden mit Feilen nachgeschärft. Sägezähne höherer Härte (die vor dem Härten fertig bearbeitet oder nach dem Härten geschliffen wurden) können vom Anwender nur mit diamantbelegten Feilen nachgeschärft werden.Üblich ist aber der Austausch.

Woran erkennt man ein gutes Eisen?

Es ist nicht möglich, einem Eisen anzusehen, ob es gut oder schlecht ist (wobei gut vor allem bedeutet, dass es die Schärfe lange hält). Sogar ein werkstofftechnisches Labor könnte nur grobe Ausreißer erkennen. Erst nach Gebrauch und im Vergleich mit anderen Eisen kann man beurteilen, was man gekauft hat.

Es gibt aber doch sichtbare Hinweise auf die Qualität, die man von einem Eisen erwarten darf:

  • Ein qualitätsbewußter Hersteller stempelt seine Eisen mit seinem Markenzeichen. Es wird dauerhaft eingeprägt (nicht etwa abwischbar aufgedruckt). Damit steht der Hersteller mit seinem Namen für das Produkt ein. Man sollte dieses Stempeln nicht mit den beliebigen Markenaufdrucken von typischer Baumarktware verwechseln! Ich will diese Marken nicht nennen - es sind Vertriebsfirmen oder Handelsmarken. Wer die Produkte wirklich hergestellt hat, steht jedenfalls nicht drauf.
  • Ein Hersteller, der die Anforderungen der Holzhandwerker ernst nimmt, produziert die Eisen so, dass sie wirklich von Hand geschärft werden können. Erster Schritt des Schärfens ist das Herstellen einer planen Spiegelseite (das ist die flache Seite, die mit der Fase die Schneide bildet). Hat die Spiegelseite durch ein schnelles und billiges (Band-) Schleifen in der Produktion deutlich abgesunkene Kanten (siehe Skizze), dann ist ein Planschleifen und -abziehen von Hand fast unmöglich. Wer uns so etwas zumutet, meint es nicht gut mit uns. Soll man stundenlang (das ist bei Hobeleisen nicht übertrieben) schleifen, um dann im Gebrauch fest-zustellen, dass offenbar bei der Wärmebehandlung auch Murks gemacht wurde? Man sieht diesen Fehler übrigens recht gut, wenn man das Eisen in einem flachen Winkel als Spiegel benutzt - vorausgesetzt, es ist nicht dick lackiert.

Hobeleisenkanten Abgesunkene Kante an der Schneide eines Hobeleisens


Also: Wenn man ein gutes Eisen kaufen will, nimmt man ein Produkt, für das ein Hersteller geradesteht und das auch in den sichtbaren Merkmalen sauber gefertigt ist. Natürlich hat ein japanisches Stecheisen andere Merkmale als ein deutsches aus Remscheid oder ein englisches. Man kann sich aber darauf verlassen: Was einen Markennamen trägt, ist brauchbar bis sehr gut. Für Hobel gibt es neben den Original-Ersatzeisen der Hersteller auch Ersatzeisen aus England, den USA oder Japan. Auch hier gilt: Die wenigen Markenhersteller können es sich gar nicht erlauben, ihr Markenzeichen in ein schlechtes Eisen zu prägen. Natürlich ist es möglich, dass auch ein anonymes Baumarkteisen sich als gut erweist. Wenn es aber schlecht ist, dann hat man nicht nur Geld verschenkt, sondern auch lange dran herumgeschliffen und sich geärgert. Eigentlich lohnt sich das nicht.

Für alte Eisen gilt natürlich das gleiche wie oben gesagt. Aber es kommt dann sein meist unbekannter Lebenslauf hinzu. Ich habe erlebt, dass das Eisen eines gebraucht erworbenen alten (Stanley-) Hobels, von dem man eine zumindestens ordentliche Qualität hätte erwarten dürfen, nach dem Schärfen total versagte: Innerhalb von nur wenigen Hobelstößen schartig, stumpf, Gratbildung an der Schneide. Nach einem Abschleifen (Kürzerschleifen) von etwa 2 mm war es dann völlig in Ordnung. Vermutlich hatte der Vorbesitzer es durch Trockenschleifen geschädigt.

War der Stahl früher besser?

Häufig wird behauptet, früher sei der Stahl einfach besser gewesen, als Beleg werden die guten Gebrauchseigenschaften alter Werkzeugklingen angeführt. So pauschal ist das sicher nicht richtig. Unbestreitbar gab es früher sehr gute Stähle und auch Hersteller, die eine gute Wärmebehandlung durchführten. Sicher ist aber auch, dass alles, was früher möglich war, mit den heutigen technischen Mitteln grundsätzlich mindestens genauso gut gemacht werden kann. Die Reinheit des berühmten alten "schwedischen Holzkohlenstahls" können heutige Qualitätsstähle auch erreichen, und eine computergesteuerte Wärmebehandlung liefert zweifellos viel zuverlässigere Ergebnisse verglichen mit den alten handwerklichen Methoden.

Warum gibt es dann schlechte Klingen? Einerseits haben die immer größeren Stahlwerke und Stahlhandelshäuser immer weniger Interesse daran, den nur noch kleinen Markt der traditionellen hochwertigen Stahlsorten (die für Maschinenwerkzeuge nicht gebraucht werden) zu beliefern. Andererseits sind die Werkzeughersteller oft nur kleine Firmen und nicht immer gut ausgerüstet. Man darf auch vermuten, dass viele Hersteller niedrigpreisiger Handwerkzeuge gar keinen Kontakt mehr mit den Anwendern ihrer Produkte haben.

5. Die Kunst, ein Eisen zu machen

Wir haben gesehen: Bevor ein gutes Stecheisen oder Hobeleisen fertig ist, müssen viele Produktionsschritte sachgerecht oder nach allen Regeln der Kunst durchgeführt werden. Der Stahl wird erschmolzen, gereinigt und legiert. Das Werkzeug wird aus Stahl geschmiedet oder aus gewalztem Stahlblech ausgeschnitten, Es wird vergütet, geschliffen und gebrauchsfertig geschärft.

Heute ist die Herstellung der Eisen mindestens teilweise ein industrieller Prozess (was nichts Schlechtes ist). In einigen Fällen wird noch von Hand geschmiedet und geschliffen. Früher wurden Werkzeuge und Waffen ausschließlich von hochspezialisierten Schmieden manuell hergestellt. Von der Güte ihrer Arbeit hing viel ab, ein Schmied, der gute Waffen herstellte, war darum ein hochangesehener Mann, seine Arbeitsverfahren sein gehütetes Geheimnis. In Japan, so wird berichtet, gibt es die kultische Verehrung nicht nur der Schmiede selbst, sondern auch der geschmiedeten Werkzeuge heute noch.

Soweit müssen wir nicht gehen. Aber es ist schon gerechtfertigt, in einem guten Eisen - sei es alt oder neu - ein bemerkenswertes Erzeugnis zu sehen, hinter dem viele Jahrhunderte handwerklicher und technischer Entwicklung stehen. Es ist dazu geschaffen und perfekt dazu geeignet, die Arbeit unserer Hände ganz unmittelbar in schöne und nützliche Werkstücke umzusetzen. Wenn wir es gut behandeln, dient es uns viele Jahre. Es hat unseren Respekt verdient.


(1) Dieser Text tut so, als ginge es nur um Männer: "Der" Anwender, "der" Holzhandwerker usw. Dabei ist sicher: Frauen können es auch. Eine sprachliche Form, die Männer und Frauen einschließt, aber noch kurz und sprachlich erträglich ist, habe ich aber noch nicht gefunden. Ich bitte um Nachsicht. Zurück zur Quelle dieser Fußnote

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