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Re: es wird wieder gebastelt

hallo Franz,

du fragst

diese Art von Schalen hab ich schon öfters gesehen, die Frage die sich mir dabei stellte, es wird von Drechseln gesprochen, das kann ich mir nun nicht so richtig vorstellen, über Nachhilfe in dieser Frage wäre ich dankbar.

Natürlich werden diese Schalen gedrechselt, das ist die einfachste Sache der Welt und jeder Drechsler kann es.

Ich versuche es zu erklären :
nimm mal an, du hast einen Rundholzabschnitt (Stamm oder Ast spielt keine Rolle) von ungefähr 35 bis 38 cm Länge, hängt von der Sotzenhöhe der Drehbank ab. Den spaltest Du in der Mitte der Länge nach. Dann hast du zwei Stücke mit einer gewölbten und einer geraden Seite, der Querschnit sieht wie ein grosser Buchstabe D aus.

Auf der gewölbten Seite, genau in der Mitte, machst du nun eine Vorrichtung fest, die es dir erlaubt, das Stück QUER auf der Drehbank einzuspannen. QUER heisst, die frühere Längsachse des Stammes liegt nun quer zur Drehachse. Es gibt verschiedene Methoden, das zu tun, ich bevorzuge es, ein genaues Loch zu bohren, in das ein Eisenbolzen passt, der seitlich angeschliffen ist. Auf dem Anschliff wird ein Metallstift aufgelegt und durch Verdrehen das ganze fixiert. Der Bolzen hat am anderen Ende ein Gewinde, das auf die Drehbankspindel aufgeschraubt wird.

Du hast nun also ein quer eingespanntes Werkstück, das ziemliche Unwucht erzeugt, wenn die Maschine eingeschaltet wird. Ich würde auf jeden Fall die niedrigste Drehzahl einstellen. Der erste Drechselschritt ist nun das genau ebene Abdrehen der "geraden" Unterseite der späteren Schale für das zentrische Anbringen einer Einspannvorrichtung. Da gibt es sehr viele verschieden Systeme, soll jeder machen , wie er will, ich kann sie nicht alle erklären...

Danach kannst du schon mal den Boden konvex gewölbt GROB vordrechseln. Ist ein bisschen riskant, weil die halbe Zeit die Drehröhre Luft schneidet, bevor sie wieder auf Holz trifft. Erfahrung hilft....

Danach nimmst du das Werkstück von der Spindel und entfernst den Eisenbolzen. An der Spindel wird eine andere Aufnahmevorrichtung befestigt und der Schalenboden fest aufgespannt. Die spätere Oberseite der Schale ist jetzt für die Bearbeitung zugänglich. In der Mitte beginnend drehst du nun die Innenform (konkav) der Schale. Ganz automatisch, der Geometrie folgend erhältst du den geschwungenen Rand mit der Rinde.
Zwischendurch drehst du von hinten (das geht nicht auf jeder Drehbank) die Rückseite (konvexe Unterseite) fertig und gehst dann nochmals über die Oberseite.
Bis hierher hat die ganze Operation 20 Minuten gedauert, wahrscheinlich weniger.

Das Schleifen und die Endbearbeitung der Oberfläche von Hand kann sehr zeitraubend sein, es gibt aber auf dem Markt verschiedene von einem Motor angetriebene Schleifsysteme, die sind sehr zeitsparend. Viele Hobbydrechsler haben nie gelernt, eine saubere Oberfläche zu drechseln und verbringen mehr Zeit mit Schleifen, als mit Drechseln.

Falls du mal in meine Gegend kommst (PLZ 89584), zeige ich es dir gerne.

viele Grüsse
reinhold

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