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Allgemeines Holzwerkerforum

Re: Im Schelllackkleidchen

Hallo Franz,

das mit dem schönen großen Vorrat gerade an Schellackprodukten ist leider leider so eine Sache. Ich hatte vor vielen Jahren die Möglichkeit, bei einem alten erfahrenen Polierer etwas abzugucken und zu lernen, wie man mit Schellack umgeht.
Er wollte sein Wissen weitergeben, da er in Rente ging und sich sonst niemand so wirklich für sein Handwerk interessiert hat, außer mir.
Am Ende hab ich auch einen ziemlich großen Vorrat an BlattSchellack bekommen, so 2-3 kg. War damals Goldstaub bei uns hier. (Es war die Blütezeit der aufgepfuschten Gründerzeitmöbel, die man dann zu horrenden Preisen verscherbeln konnte.
Aber das war nie mein Ding.) Leider reagiert der Schellack und auch die Blättchen irgenwie, so dass nach einiger Zeit der aufgelöste Lack nicht mehr hart wird, er bleibt klebrig.
Will sagen: verarbeite so viel wie möglich davon zeitnah, Du wirst nicht so lange daran Freude haben, leider....
Also man stellt sich irgend einen Brenner auf den Tisch, der keine rußende Flamme wirft, bei mir Petroleumlampe ohne Glaskolben. Daran kann man ein altes breites Buttermesser heiß machen, es soll nicht glühen! Nur eben ziemlich warm sein.
Dann nahe über der Fehlstelle Messer und Blättchen (nicht zu klein, so 2-3cm²) zusammenbringen und den nicht flüssigen, aber eben plastischen Schellack in die Vertiefung drücken, schmieren, spachteln (weiß nicht, wie man das am besten beschreibt)
Es ist klar, dass das nicht absolut eben wird. Da bleibt dann noch Arbeit für Schleifpapier, Ziehklinge o.ä. um die Oberfläche mit den Rändern zu egalisieren. Man kann mit der warmen Messerklinge wie mit einem Spachtel die Oberfläche glatt drücken,
noch Material nachlegen, bis das Loch gut gefüllt und ein ganz klein wenig höher als die Ränder ist. Dann schabend egalisieren. Am Ende mit der Politur die Fläche gut überarbeiten, dann sieht man nur noch einen etwas dunkleren Fleck, aber das ist meist
bei Nuss- oder Mahagonihölzern nicht so schlimm. Wie sich das bei Deinem Projekt ausnimmt, kann ich natürlich schlecht beurteilen, glatt wird es aber schon...
Für Deine Projekte würde ich folgendermaßen vorgehen: alle Flächen soweit glätten und schleifen, wie es gewünscht wird. Dann alles mit einem Ölläppchen dünn aber satt abreiben, sprich, das Holz anfeuern. Tag stehenlassen, dann mit einem
Mullbausch (Mullbinde o.ä. nicht fusselndes Material) der sowohl nicht zu dicken Schellack als auch einige Tropfen Öl (nicht zu wenig) enthält, alles gut durchkneten, dann alle Flächen abreiben, immer wiederholen und aufpassen, dass die Finger nciht an den Flächen kleben bleiben,
bis ein schöner gleichmäßiger Glanz entstanden ist.
Und keine Angst - wenn da irgend was nicht so wird, wie Du Dir das vorstellst, Sprit holt alles wieder runter (was natürlich nicht das Ziel ist, klar!)
Einfach mal ausprobieren, Du willst ja keine Flügeldecke schwarz polieren! Und noch einen Tipp: wenn Dir nach genügend Lackauftrag der Glanz nicht gefällt (wichtig dabei, dass es eine ausreichend mächtige Schellackschicht gibt!)
Bimsmehl aufpudern und mit einer weichen Bürste das ganze mattbürsten! Sieht auch sehr gediegen aus - glaub mir. Ganz edle Möbel wurden früher so behandelt.

Viel Spaß beim experimentieren!
Gruß Uli

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