Handbehauene Raspeln von Liogier

Allgemeines Holzwerkerforum

Re: Opa's Holzwerkstatt
Antwort auf: Re: Opa's Holzwerkstatt ()

Hallo Uwe,

die Zähne habe ich auch "ganz leise" hergestellt. Sie sind ebenfalls geschnitzt, nicht gesägt. Da ich beim Holzwerken pragmatisch arbeite (das Buch "Die Kombi-Methode" von Marc Spagnuolo ist hier sehr zu empfehlen), habe ich so meine Probleme mit dem Unterscheiden von "lauter" und "leiser" Holzarbeit. Die Zähne könnte man beispielsweise auch mit einer (lauten) Oberfräse herstellen (ähnlich wie beim Fingerzinken am Frästisch). Das hat aber den Nachteil, dass man (a) einen passenden Fräser benötigt und (b) die Gefahr des Ausreißens/Abbrechens der kleinen Holz-Zähne sehr groß ist. Die abgebrochenen Zähne fliegen zudem weg und man findet sie nie wieder.

Selbst beim Schnitzen kann schon mal ein Zahn abbrechen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn der abgebrochene Zahn ist beim Schnitzen in der Regel nicht verloren, sondern kann mit Holzleim wieder angeklebt werden. Wenn man ausgebrochene kleine Holzstücke öfters schon mal angeklebt hat, kriegt man das so gut hin, dass man hinterher absolut nichts mehr von dem Ausbruch sieht.

Nun zur Technik des "Zähneschnitzens": Mit einer Bleistiftlinie parallel zu den Zahnspitzen legt man die Zahntiefe (den Zahngrund) fest. Auf dieser Linie werden dann die einzelnen Zahntäler mit je einem Bleistiftpunkt markiert. Für die Distanz der einzelnen Punkte wählt man ein zur Zahntiefe passendes, optisch ansprechendes Maß (es muss nicht unbedingt realistisch sein, kann durchaus etwas größer sein). Ebenso die Zahnspitzen. Sie werden mit dem selben Abstand auch mit je einem Bleistiftpunkt markiert (selbstverständlich mit einem entsprechenden Versatz zum Zahngrund). Dann die einzelnen Punkte mit Linien verbinden (Geo-Dreieck an ein Lineal legen, dann lässt es sich schnell von Zahnspitze zu Zahnspitze verschieben) und fertig ist die Schnitzvorlage.

Für das Schnitzen der Zähne benötigt man ein scharfes Kerbschnitzmesser oder ein gerades Balleisen (ein Stechbeitel tut's auch). Mit dem Kerbschnitzmesser geht's nach meiner Erfahrung am Besten, weil ich ein Balleisen/Stemmeisen hier weniger gut führen kann. Die einzelnen Zahntäler werden zunächst mit je zwei Schnitten grob ausgekerbt. Dabei sollte am Bleistiftstrich noch ca. 1 mm Material stehenbleiben, das dann im zweiten Durchgang mit dem Schnitzmesser sauber weggeschnitten wird. Anschließend werden die Bleistiftreste abgeschliffen und - wenn man alles richtig gemacht hat - blickt man auf eine schöne, regelmäßige Zahnreihe (kleinere Unregelmäßigkeiten hier und da kann man auch nachträglich mit dem Schnitzmesser noch ausgleichen bzw. korrigieren).

Gruß
Bernd

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