Juuma Einhand-Multizwinge - schnelles einhändiges Spannen von 0 bis 170 mm

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Standbohrmaschine mit Kurbel (Kaufberatung)

Hallo Thomas,

ich hatte eine zeitlang eine stromlose Holzwerkstatt in einer Kinder und Jugendeinrichtung. Am Anfang war geplant Strom rein zu legen, dann wollte ich keinen mehr:-)
In der Werkstatt hatte ich mindestens eine Maschine mit Schwungrad fast täglich im Einsatz. Ich hatte mehrere Maschinen von Ixion und Genko.
Gehen tut mit so einer Maschine eigentlich alles aber es muss alles gut aufeinander abgestimmt sein.

Bei so einer Maschine wird der Vorschub mit einem Drehrad an der Seite eingestellt. Eine Kugel wird gegen die Welle des Schwungrades gedrückt und dadurch dreht das Schwungrad schneller oder langsamer. Das stimmt vermutlich nicht ganz aber die Wirkung ist in etwa so. Dreht sich das Schwungrad sehr schnell lässt sich leicht bohren. Gerade bei großen Löchern ist es schwierig, dass man am Anfang des Bohrlochs keine große Schwungradgeschwindigkeit hat. Da ist es dann ganz gut, das Schwungrad etwas von Hand anzudrehen und den Druck der Kugel auf die Welle sehr schwach einzustellen. Dreht das Schwungrad kann man den Druck erhöhen. Drei Hände bei der Bedienung sind also ziemlich vorteilhaft:-) Ich habe während des Bohrens das Schwungrad angedreht und den Druck der Kugel auf die Welle eingestellt. Die Kinder haben die Kurbel gedreht. Das Werkstück war in einem Maschinenschraubstock eingespannt. Das hat so auch super funktioniert. Um tiefere Löcher zu bohren als der Vorschubweg habe ich meist Plattenmaterial unter den Schraubstock gelegt und damit den Vorschub sozusagen verlängert.

Problem bei dünnen Bohrlöchern ist, dass die Maschine am Anfang eine langsame Umdrehungszahl hat. Dadurch kommt es oft zu unschönen Ausrissen am Bohrlochrand. Ich habe ziemlich lange nach geeigneten Bohrern gesucht. Die Star-M Schlangenbohrer waren zwar nicht schlecht aber das Einzugsgewinde hat mich immer ein bisschen gestört. Mit Holzspiralbohrern von Alpen mit speziellem Anschliff (es gibt zwei Sorten davon) konnte ich das Problem lösen. In Hirnholz lässt sich gut mit normalen Metallspiralbohrern bohren.

Ich habe privat drei dieser Maschinen mit unterschiedlichen Größen und benutze sie sehr gerne. Meist nutze ich das mittlere Modell mt einem 10 mm Bohrfutter. Ich kann in der Nacht oder an Feiertagen Löcher bohren und es merkt nicht einmal jemand:-)
Ich habe mit der Maschine auch 12 32 mm Löcher mit einem Forstnerbohrer in ein Fichtekantholz für einen Aufbewahrungsklotz gebohrt. Das ging gut mit der oben beschriebenen Technik war aber auch ziemlich anstrengend:-)

Ich hatte mal recherchiert ob solche Maschinen noch gebaut werden. Zumindest vor ein paar Jahren schien es eine Firma in Indien zu geben die einen Genko Nachbau auf ihrer Homepage hatte. Ich denke aber es dürfte schwierig bis unmöglich sein so etwas in Deutschland zu finden also kommt eigentlich nur eine gebrauchte Maschine in Frage.
Ich habe alle Maschinen bei dem Auktionshaus gekauft das in diesem Forum nicht erwähnt werden soll :-) Der Preis war sehr unterschiedlich und nur eine Maschine war ziemlich ramponiert. Ich glaube ich habe insgesamt so um die acht Stück gekauft. Preis war meist so etwas über 50 Euro mehr als hundert habe ich nie bezahlt. Metabo Maschinen gingen zum Teil für deutlich höhere Preise weg. Im Prinzip ist es Glücksache. Meist muss man die Maschinen im Getriebekasten schmieren und evtl. Fett in einer Stauferbuchse, die meist auf der rechten Seite der Wellenführung ist, nachfüllen. Eine Maschine habe ich mal komplett zerlegt und wieder zusammengebaut aber das hat schon eine ganze Weile gedauert. Die Mechanik funktioniert meist auch, wenn man oben in die Wellenöffnung Öl gibt und eine Weile wartet.

Die Maschine mit den drehenden Kugeln ist sozusagen der Vorläufer der Schwungradmaschinen. Die erste Quelle die ich zu diesem Maschinentyp gefunden habe ist ein französisches Patent. Ich denke diese Maschinen sind relativ gefährlich bei der Benutzung weil ja die Gefahr besteht, dass man die Kugel an den Kopf bekommt. Bei den "Fleischwolfmaschinen" gibt es soweit mir bekannt Maschinen mit dem Schwungradprinzip und Maschinen mit einem Manuellen Vorschubrad. Ich denke bei den Schwungradmaschinen ist die Bedienung im Prinzip gleich.

Metall bohre ich sehr selten aber das geht auf jeden Fall. Ich glaube, dass diese Maschinen ursprünglich auch eher im Metallbereich eingesetzt wurden. Im Maschinentisch finden sich oft auch Löcher, es geht also auf jeden Fall :-)
Einen Kreisschneider habe ich noch nicht ausprobiert.

Mein Fazit zu diesem Maschinentyp ist, dass ich fast alles mit dieser Maschine mache. Es hat eine weile gedauert bis ich alles damit machen konnte und manche Sachen sind auch mühsam und trickreich. Mir macht es aber auch einfach Spaß mit der Maschine zu arbeiten und da sehe ich über einiges hinweg. Vermutlich würde ich die Handkurbelmaschine meiner elektrischen Standbohrmaschine vorziehen, wenn ich mich entscheiden müsste. Aber das ist natürlich auch sehr subjektiv.
Ich glaube hier einmal gelesen zu haben, dass der Hausherr dieses Forums auch so eine Maschine besitzt und sich damals eigentlich recht positiv dazu geäussert hat.
Vielleicht findest Du mal eine ganz günstige die funktioniert. Dann würde ich sie kaufen und mal damit rumprobieren. Man muss aber schon kontinuierlich schauen damit man was findet.

Viele Grüße
Paul

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