Schleifzylinder

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Ein kurzer Blick über den Tellerrand

Moin,

beim ziehenden Schnitt gibt es eine Bewegungskomponenten entlang der Schneide, das ist der wichtige ausschlaggebende weil mechanismusändernde Effekt. Alle andere Effekte, die du genannt hast, sind positive Nebeneffekte, die natürlich vorhanden sind und die beim Schneiden helfen, aber eben mehr auch nicht.
Winkel kann ich auch durch Umschleifen ändern, das alleine genügt jedoch nicht, um die gleiche "Leichtigkeit" wie beim "ziehenden Schnitt" hinzubekommen.

Am besten machst du dir den Vorteil des "ziehenden Schnitts" mit einem stumpfen Stechbeitel klar. Stossend geht nicht mehr viel, aber ziehend klappt es noch relativ gut.
Klar, klappt das umso besser, umso stärker man die Klinge dreht. Aber auch mit einem nur wenig gedrehten Beitel hat man bereits einen spürenden Effekt, der so nicht nur durch eine minimale Keilwinkeländerung zu erklären wäre.

Ich bin übrigens nur deswegen in die leidige Diskussion eingestiegen, weil gerade im Zusammenhang mit Stossladen immer wieder auch falsche Argumente genannt werden, warum ein ziehender Schnitt vorhanden sein soll oder nicht. Und ich habe gezeigt, daß es sehr leicht ist, festzustellen, worauf es ankommt: Der Deklinationswinkel, wie er bei den Mikroskopikern genannt wird.
D.h. jegliche Diskussion zu einer Hobelführung in einer Stosslade ist damit überflüssig geworden, weil man sofort erkennt, 90° oder eben nicht.
Jetzt muss man nur noch darüber diskutieren, ob der "ziehende Schnitt" bei der eigenen Lösung besser zieht als bei anderen Lösungen;-) Aber wenn man will, kann man ja den Deklinationswinkel messen und die dann untereinander vergleichen.

Weiterhin habe ich durchaus provokativ das Thema "mikroskopischer sägender" Effekt ins Spiel gebracht, um auf die Seite "Science Of Sharp" und damit auf das tatsächliche mikroskopische Aussehen von Schneiden hinzuweisen. Natürlich hat sowas einen Effekt darauf, wie die Schneiden tatsächlich funktionieren, insbesondere wenn man eine Bewegungskomponenten entlang der Schneide hat, wie eben nur beim "ziehenden Schnitt".

Nützliches Gedankenexperiment:
- klassischer Hobel parallel zur Hobellängsrichtung geführt
- Hobel leicht gedreht
- Hobel deutlich gedreht z.B. zwangsgeführt in Stosslade, alternativ Hobel mit gedrehtem Hobeleisen
- Zugmesser um 45° gedreht
- schnitzen mit einem sehr schräg gehaltenen Schnitzmesser
- Schneiden auf Holzbrett mit einem Küchenmesser (nicht das Hacken von Kräutern!!)

Was passiert hier?
- Der Deklinationswinkel ändert sich kontinuierlich (je nach Definition 90°--> 180°, bzw. 90° --> 0°)
- Die Bewegungskomponenten in Längsrichtung der Klinge nimmt zu
- Die Bewegungskomponenten senkrecht zur Längsrichtung der Klinge nimmt ab
- Der effektive Schnittwinkel nimmt ab (ausgehend von der gleichen Klingengeometrie)

Gruß, Over and Out

Carsten

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