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3- Klinker- Methode – die Wahrheit *MIT BILD*

So, jetzt hab ich ein paar Stunden geläppt und gemessen.

Carsten schreibt, dass „meine“ 3- Klinker- Methode, bei der man die Klinker nicht dreht, gar keine Planfläche erzeugt, sondern eine „Sattelfläche“, die bei Kontrolle mit dem Lineal längs und quer (parallel zu den Kanten des rechteckigen Klinkern) gerade erscheint, aber bei diagonaler Messung als nicht plan erkannt wird. Dazu verweist er auf das Video, in dem die Sache mit blauen Schaumstoffkeilen veranschaulicht wird.

Ich habe lange darüber nachgedacht, den Begriff „Sattelfläche“ durch „windschief“ ersetzt und festgestellt: Doch, es kann genau so sein. Ein (erst einmal nur gedachter) Klinker mit windschiefer Fläche sähe sehr übertrieben so aus:

Die gegenüberliegenden Kanten der Fläche sind jeweils windschief zueinander. Dadurch sind zwei gegenüberliegende Ecken „höher als die Flächenmitte“, sie sind in der Skizze mit H bezeichnet. Die anderen Ecken sind tiefer und mit T bezeichent.

Trotz der offensichtlichen Abweichung von einer Planfläche zeigt jede Messung mit dem Lineal parallel zu den Kante ein vollkommen gerades Profil. In der Diagonalen sieht man aber, was los ist: Legt man das Lineal über die beiden hochstehenden Eckpunkte H, liegt es in der Mitte hohl. Legt man es ober die Punkte T, liegt es in der Flächenmitte auf und berührt die Eckpunkte gar nicht.

Wenn man 2 Klinker mit dieser Oberflächenform (mit identischer Anordnung der H- und T-Punkte) nimmt, dreht den zweiten mit der windschiefen Fläche nach unten und legt sie aufeinander, dann decken sich die Kantenkonturen beider Flächen und die Flächen selbst werden durch die gleichen kantenparallelen geraden Profillinien beschrieben. Sie werden also exakt zusammenpassen. Und wenn man sie gegeneinander verschiebt (ohne Drehung!) bewegen sie sich in Richtung dieser Profillinien und bleiben somit in Kontakt, eine Verschiebung ändert also den Flächenkontakt nicht.

Das heißt: Wenn drei Klinkerflächen in dieser Form windschief sind und man sei zyklisch (ohne Drehung!) läppt, dann streben sie grundsätzlich nicht einer Planfläche zu, sondern einer perfekten windschiefen Fläche. Es kann schon sein, dass man eine plane Fläche erhält, aber nur zufällig, sozusagen als Sonderfall der windschiefen Fläche.
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Mit diesen Vorstellungen bin zu meinen Klinkern gegangen (die schon einige Zeit in Gebrauch sind und habe geprüft, ob der Unterschied bei der diagonalen Messung deutlich erkennbar ist. Und siehe da:

Alle drei Klinker hatten ganz deutlich eine konkave Diagonale (H-H) und eine konvexe (T-T). Und bei allen drei waren diese Diagonalen tatsächlich gleichsinnig angeordnet (wie es nach der Überlegung zu erwarten war)

Dann habe ich, um die unterschiedliche Abnutzung der Klinker im Gebrauch zu beseitigen, die drei Klinker gegeneinander „plan“ geläppt (wie immer und wie in meiner Anleitung beschrieben, zyklisch, mit 150er Korn).

Ergebnis: Die Form der Flächen war im Prinzip immer noch die gleiche. Größe der Abweichung: Zwischen die konkave Diagonale und das auf die H-H-Punkte gelegte Lineal passte ein Fühlerblatt von 0,09 – 0,1mm. Das ist nicht wenig!

Und wenn man zwei Klinker diagonal aufeinanderlegte (H- Punkte beider Klinker aufeinander) war tatsächlich ein deutliches Kippeln spürbar!

Damit war die Analyse von Carsten bestätigt: Zyklisches Läppen von 3 Flächen ohne Drehung erzeugt drei gleiche windschiefe Flächen. Diese Windschiefheit wird nicht kleiner wenn man weiterläppt!

Die Windschiefheit entsteht irgendwann durch Störeinflüsse (Krummheit der Ausgangsfläche, meinetwegen Mondanziehung, das ist völlig egal) und verschwindet nicht wieder. Wie ausgeprägt sie ist und ob sie beim Benutzen von so geläppten Klinkern zum Abrichten von Schleif- und Abrichtsienen störend in Erscheinung tritt, ist Glückssache. Meine Erfahrung lässt mich vermuten, dass die Abweichung normalerweise klein und nicht störend ist. Das darf aber keine Ausrede sein; ein solcher systematischer Fehler muss in einer seriösen Anleitung beseitigt werden.

Was kann man tun um sichere, reproduzierbere Planheit der Klinker zu erhalten?

Es ist natürlich denkbar, quadratische oder gar kreisrunde Klinkerplatten einzusetzen (und die beim Läppen dann gegeneinander zu drehen). Ich halte das nicht für praxisgerecht. Es müsste ausreichen, per Messung mit dem Lineal über die Diagonalen festzustellen ob eine merkliche Windschiefheit vorliegt und diese ggf. gezielt zu beseitigen. Wahrscheinlich muss man das gar nicht bei jedem Abrichen der Klinker machen.

Mein Vorgehen:
Ich habe zur Beseitigung der groben Deformation die Klinker diagonal aufeinander geläppt (in der Kippelstellung wie oben beschrieben), zyklisch wie immer, mit 150er Korn mit langen Strichen entlang der Diagonalen (der Pfeil in der Skizze zeigt die Richtung der Läppbewegung):

Zwischendurch Kontrolle mit dem Lineal (liegt es auf der Diagonalen noch hohl?) und, als das nach einigen Minuten nicht mehr der Fall war, habe ich noch mehrere Durchgänge wie immer geläppt (Klinker gerade aufeinander, kleine Kreise als Läppbewegung).

Resultat: Alle drei Klinker sind nun sehr gut plan, eine Fühlerblattlehre von 0,02mm wird sowohl bei kantenparalleler als auch bei diagonaler Prüfung überall unter dem Lineal festgeklemmt.

Noch etwas zur Prüfung mit dem Lineal: Ich prüfe nicht mehr mit Hilfe des Lichtspaltes, sondern schiebe das Lineal (ein einfaches 1mm diches Lineal mit geschliffenen Kanten, kein Haarlineal) hochkant, in der Mitte gehalten, quer (zu seiner Länge) über die Fläche. Man spürt sofort, ob es gleichmäßig aufliegt oder nur an den Enden oder nur in der Mitte. Beim Abrichten von Brettern mit dem Hobel habe ich das scho immer so gemacht, jetzt auch bei den Klinker. Besonderer Vorteil hier: Man kann die Klinker auch nass prüfen, beim Lichtspalt muss man warten bis sie trocken sind.

Wenn es bei diesen Erkenntnissen bleibt, ist eine Überarbeitung der Schärfanleitung der nächste Schritt.

Grüße (besonders an Carsten), Friedrich

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