Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: 3-Klinker-Methode - experimentelle Analyse

Moin Friedrich,

>Läppt man drei Flächen zyklisch, dann müssen sie meiner Meinung nach eigentlich plan werden, auch wenn man sie nicht gegeneinander dreht.
das sehe ich nicht so. Auf diese Weise muss man zwangsläufig einen systematischen Fehler einführen bzw. kann ihn zumindest nicht verhindern.

In dem ersten Video zeigt Robin Renzetti ab ca. 3:20, das man Flächen konstruieren kann, eben die erwähnten Sattelflächen, die ebenfalls paarweise perfekt passen, die aber eben nicht plan sind.
Und dass das alles altes Wissen ist, kann man auch schon bei "Foundations of Mechanical Accuracy", Moore 1970, nachlesen. Die PDF ist im Internet zu finden!
Dort steht auf Seite 21:
"Rectangular plates may have a twist, and still match each other to show a perfect bearing even it turned end-for-end, yet none of the plates may be flat. A square plate turned 90° on its mate would reveal a twist, but it is not practical to do this with
a rectangular plate since the overhang would introduce as much error as it was intended to discover." Dazu einige Abbildungen.

Damit die Methode funktioniert und zu planen Flächen führen kann, werden also zwingen Rotationen benötigt. Deswegen werden für diese Methode auch normalerweise nur quadratische oder runde Platten verwendet. Der Twist ist nichts anderes als die von mir erwähnte Sattelfläche vom Typ f(x,y)=a*x*y. Schnitte in X und Y sind übrigens jeweils perfekte Geraden, d.h. ein Haarlineal ist nutzlos in Längs- und Querrichtung!

Ich denke es kommen mehrere Dinge zusammen:

- Die Abweichungen sind schon klein, deswegen fällt es nicht sofort auf. Aber eine Sattelfläche, die man gut messen kann, ist nunmal definitiv nicht plan. Und zwar nicht nur einfach nichtplan im Sinne von irgendwie uneben, sondern systematisch
nichtplan, eben sattelförmig. Sattelförmige Flächen passen perfekt aufeinander. Und wenn man diese perfekt passenden Flächen aufeinander reibt, dann behält man im Wesentlichen die Form bei. Bei relativ kleinen Schleifbewegungen werden alle Bereiche der Fläche gleichmässig abgenutzt.

- Letzlich will man einen starken Überhang vermeiden und produziert Bewegungen, die im Verhältnis zur Größenordnung der Steine eher klein sind. Steine mit einer Sattelfläche bewegen sich nicht wirklich in reiner Translation, sondern werden in Wirklichkeit einen leichten Bogen, eventuell in Kombination mit einer leichten Mikrorotation, beschreiben, wenn man sie mit der Hand übereinander führt und dabei in Richtung der Hauptachsen schiebt (also quer und längs). Robin zeigt das gut im Video. Dadurch "vermeiden" es die Steine, sich so abzunutzen, daß sie plan werden könnten, sie bleiben sattelförmig. Das hat auch mein erster Versuch gezeigt, beim dem etliche Zyklen überhaupt keine Besserung gebracht haben.
Wenn man den oberen Stein mit einer Zwangsführung in der Orientierung fixieren könnte (so ähnlich, wie in einer mechanischen Läppmaschine), kann es gut sein, daß man die Sattelflächen wirkungsvoll vermeiden könnte. Dies ist aber aber leider nicht bei einer Handführung gegeben.
Wenn man in der von mir beschriebenen Diagonalstellung (Kippelstellung) die Steine schleift, können die Sattelflächen nicht ineinandergreifen und man kann ebenfalls wirkungsvoll hohe Ecken einebnen.

- Ja, das ist relevant. Ich hatte eine Abweichung von 0.1-0.2mm bezogen auf eine ideale perfekt plane Fläche. Das ist unnötig viel und völlig unproblematisch zu beheben, aber eben nur dadurch, daß man die Steine gegeneinander dreht.

- Natürlich spielt das Korn auch eine Rolle, aber korrekt angewendet kann man ganz sicher mit quadratischen oder runden Platten beliebig plane Flächen produzieren. Deutlich planere als es mit rechteckigen Steinen möglich ist.

Moore bezieht sich ehrlicherweise auf eine Methode, die Schaben statt schleifen verwendet. Damit werden die Platten untereinander kaum bewegt. Aber ich bin sicher, daß dieser Unterschied keine Rolle spielt, da man beim Schleifen nur relativ kleine Bewegungen macht, sicherlich maximal ein Viertel der Steinlänge, wenn überhaupt. Man könnte natürlich auch mal ausprobieren, was passiert, wenn man die Steine viel weiter bewegt, also vielleicht bis zu 50% Überhang. Ich befürchte aber, daß man auf diese nur eine Verrundung der Ränder des unteren Steins herbeiführen würde. Und ob das dann zu planeren Steinen führen kann, ist zumindest fraglich.

Ich hatte Horst übrigens so verstanden, daß er sich die Frage gestellt hat, was passiert, wenn man auf jegliche Translation verzichtet. Wenn man also rohe Steine aus dem Baumarkt aufeinander legt und einfach nur gegeneinander dreht, natürlich mit Schleifmittel. Verwendet man ebenfalls drei Steine und wechselt sich ab, so könnte es ja sein, daß ebenfalls eine plane Ebene am Ende herauskommen sollte, denn die drei Steine müssen ja erneut wechselseitig passen. Ich glaube nicht, daß bei dieser Methode in der Praxis in der Mitte genügend Material abgetragen werden könnte.

Nun sehe ich gerade, daß ich Horst gründlich missverstanden habe, tut mir leid. Er schreibt ja ausdrücklich "ohne Drehen der Klinker". Solche kreisenden Bewegungen würden wohl dazu führen, daß immer die gleichen Teile des unteren Klinkers mit denen des oberen Klinkers in Berührung kommen, im Rahmen der Größe der kreisenden Bewegungen. Solange die Bewegungen klein bleiben, bleibt die Sattelfläche erhalten. Werden die Bewegungen größer, kommen nun zwar unterschiedliche Bereiche der Steine gegeneinander in Kontakt, dafür hängt man irgendwann zu stark über und man hat ein neues Problem. Mit kleinen kreisenden Bewegungen wird man eine vorhandene Sattelfläche vielleicht abflachen können. Aber letzlich muss man die hohen Ecken abtragen, um die Steine planer zu machen. Und solche kreisenden Bewegungen müssten sehr sehr groß sein, um die hohen Ecken effektiv abnutzen zu können. Ich denke, daß die Diagonalstellung hier viel effektiver ist, weil nur hier hoch auf hoch zu liegen kommt und eben genau da abgetragen wird, wo es sein muss.

Gruß

Carsten

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