Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Schrupphobeleisen mit Spanbrecher

Hallo Alexander, hallo auch an alle anderen,

ich finde den Begriff "Spanbrecher" etwas unglücklich, auch wenn er das macht, wonach er benannt wurde.
Es ist klar, dass der Spanbrecher Ausrisse verhindert und genau das ist ja seine Aufgabe, aber doch nicht dadurch, dass er den Span bricht.

Ursache für die Ausrisse beim Hobeln sind die Spaltkräfte, die beim Schneiden des Holzes durch das Eisen entstehen.
Sobald der Span geschnitten wurde verhält er sich wie ein Brett, das man an einer Seite hochheben will.
Der Trennungsvorgang wird durch die Winkelveränderung ein Stück weit vor der Schneide verlegt, so dass nicht mehr geschnitten wird, sondern gerissen.
Es gilt also, die Spaltung des Holzes zu verhindern.
Ein enges Hobelmaul ist die eine Maßnahme, die diesen Spaltvorgang sprichwörtlich unterdrückt.
Die zweite Maßnahme ist, dass durch die Klappe (Spanbrecher) eine Kraft auf den Span in Richtung Schneide ausgeübt wird, die den Spaltkräften entgegen wirkt.
Die Spaltlänge wird damit soweit verkürzt, dass geschnitten und nicht gerissen wird.
Das ganze funktioniert natürlich nur, wenn die Klappe knapp hinter der Schneide angebracht wird, so das der Kraftaufbau nicht durch das Ausweichen des Span verloren geht.
Die Klappe darf aber nicht nicht so nah an der Schneide sein, dass sie den Schneidevorgang behindert, dies wurde wenn ich mich recht erinnere in dem japanischen Video auch gezeigt.
So funktioniert m. E. die Klappe.
Ich gebe zu, das nirgends gelesen zu haben, aber es ist die einzige Möglichkeit, die ich sehe, bei der eine Aktion oberhalb der Schneide (Berührung des Spans mit dem Spanbrecher) eine Wirkung unterhalb der Schneide (Verhinderung von Ausrissen) hat.
Diese Kraft zum Stauchen des Spans an der Schneide muss natürlich vom Hobelnden aufgebracht werden, weshalb der Doppelhobel bei gleichen Rahmenbedingungen mehr Kraftaufwand erfordert als der Schlichthobel.
Das Brechen des Spans sehe ich für das Erreichen einer glatten Oberfläche sogar als hinderlich an, da im Moment des Brechens die auf den Span wirkende Kraft gleich Null ist und erst wieder aufgebaut werden muss und in der Zwischenzeit das Holz wieder reißen kann.
Vielleicht ist das aber auch zu theoretisch...

Den gleichen Effekt wie mit einer Klappe erzielt man mit einem steileren Schneidewinkel. Der Widerstand für den Span erhöht sich, die Stauchwirkung wird größer.
Nur muss das Eisen mit steigenden Schneidewinkel auch immer schärfer werden, damit auch wirklich geschnitten und nicht geschabt wird.
Dies hat aber wiederum einen bekannten Nachteil: aufwendigere und weniger langlebige (benötigte) Schärfe.

Ganz extrem ist dieser Effekt m. E. bei der Ziehklinge.
Der Grat schneidet den Span. Der Span trifft sofort nach dem Schneiden auf das überstehende Metall und wird dabei gestaucht, so dass kein reißender Spalt entstehen kann.
Mit einer Ziehklinge kann man bekanntlich ausrißfrei arbeiten, auch gegen die Holzfaser.
Das nicht ganz so saubere Ergebnis im Vergleich zu einem Hobel sehe ich in der mittelmäßigen Schärfe der Schneide, die ja durch Verformung entsteht.

Ich ziehe aus den o.g. Gründen einen steilen Winkel (80° - 90°) an der Klappe vor, um eben diese Stauchwirkung zu erzielen.

Viele Grüße

Markus
(heute sehr theoretisch unterwegs...;-))

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