Handwerkzeugforum für Holzwerker

Erfahrungsbericht 5 Tage Sägenschärf- und Baukurs *MIT BILD*

Hallo zusammen,

ich bin gerade aus London zurück. Rund um dieses Event https://londoniwf.co.uk/ wurden Kurse angeboten. Ich habe den Kurs von Mark Harrell besucht. Er ist der Eigentümber von Bad Axe Tool Works einem der besseren Sägenhersteller aus den USA.

Der Kurs war sehr lehrreich, Mark ist ein guter und unterhaltsamer Lehrer. Am ersten Tag haben wir eine Einweisung in das Schränken mit dem Hammer und eine erste Einführung in das Schärfen bekommen. Dann haben wir mit Übungssägeblättern das Prozedere wiederholt und uns schrittweise von 6 PPI auf 14 PPI runter gearbeitet. Dann haben wir gelernt wie man eine Rückensäge zerlegt und wieder zusammenbaut und hatten Gelegenheit die eigenen mitgebrachten Sägen zu schärfen. Dann gab es einige Demonstrationen zur Begradigung von Rückensägen und Fuchsschwänzen. Am Ende haben wir dann eine neue Säge aus den bereitgestellten Teilen (Handgriff, Blatt, Rücken) gebaut. Die Säge hat auch jeder wieder selber geschränkt und geschärft.

Wissenswertes aus dem Kurs

Schränken mit dem Hammer

Mark schwört auf Schränken mit dem Hammer. Seiner Meinung nach ist es eine der wesentlichen Dinge im Schärfen von Sägen. Wir haben dafür folgende alten Geräte genommen. Neue gibt es leider nicht. Wichtig war es, dass der Zahn nicht zerquetscht wird und im unteren Drittel dicht am "Zahntal" umgebogen wird. Man sieht eigentlich ganz gut den Knick an der Gegenseite.

Markierung

Wir sind mit einem Marker einmal über die Zähne gegangen und haben jeden zweiten mit einem Punkt versehen. Auf der anderen Seite haben wir die anderen Zähne genauso markiert. Beim Schränken und Schärfen braucht man dann auf eine Sache weniger achten.

Körperposition

Um beide Winkel (Rake und Fleam) konstant zu halten, haben wir viel an der Körperposition gefeilt. Die Sägekluppe war sehr hoch angebracht, so dass man vorwiegend auf die Seite der Zähne guckt. Die Beine waren schulterbreit und Ellbogen tief. Fast ein bisschen als wollte man Boxen. Nach ein paar Zähnen hat man immer kleine Schritte gemacht, damit sich die Körperposition nicht ändert. Wenn die Feile nicht im richtigen Winkel war, hat man nicht die Handposition gedreht, sondern die Feile in der Hand, bzw. die Ausrichtung des Körpers geändert. Das fühlte sich anfangs etwas komisch an, aber irgendwann hatte man seine Schärfposition gefunden und dann war das die natürliche Haltung und man wusste, dass die Winkel stimmen.

Schärfrythmus

Wir sind am Anfang einmal trocken durchgegangen und haben die Feile in jedes zweite Tal gelegt und uns von beiden Seiten durch die ganzen Zahntäler belegt. Man trainiert damit die Bewegung und das Einhalten der Körperposition. Dann haben wir immer einen leichte kurze "brush stroke" Bewegung gemacht, dann den Schärfstrich, die Feile in die nächster Lücke bewegt und anschließend geguckt, ob die Zahnfläche gleichmäßig angeschliffen ist. Durch die Körperposition eng am Blatt, muss man sich dafür nicht bewegen und nach Sägeblatt 4 war das der natürlicher Rythmus.

Gleich hohe Zähne

Es wurde sehr viel wert auf gleich hohe Zähne gelegt. Wir haben es mit einem Lineal regelmäßig kontrolliert. Das kann ich jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen, weil bei der Durchsicht der antiken Sägen zweimal gezeigt hat, dass das die Ursache für das Festhängen der Säge an einer bestimmten Stelle war.

Antike Sägen

Rückensägen mit geklemmpten Rücken ließen sich besser begradigen und wieder in Schuß bringen als Fuchsschwänze. Bei letzteren federte der Federstahl nicht mehr zurück oder man war ewig damit beschäftigt die Krümmungen herauszuklopfen. Als Test haben wir die Säge um ca. 90 grad mit der Hand gebogen und zurückschwingen lassen. Meine schlechteste Säge zeigte dann immer noch in die Richtung, in die man sie hingebogen hat. Das kann man etwas durch intensives Bearbeiten mit Hammer und Amboss verbessern. Aber leider nur etwas. Von meinen vier ersteigerten Fuchsschwänzen ist einer in Ordnung. Die anderen nicht. Fuchsschwänze sind nicht so teuer und ich würde mir dann eher einen Neuen der mittleren Preislage bei "Feine Werkzeuge" kaufen. Deren Griffe sind zwar nicht so doll, aber den kann man meiner Meinung nach leicht selber machen.

Hybridfeilung

Bei Rückensägen wurde ganz klar eine Hybridfeilung empfohlen. Sie beschleunigen das Sägen bei Querschnitten erheblich, verschlechtern nur leicht den Grat (blow out) an der Rückseite des Schnittes und erlauben immer noch einen akzeptablen Längsschnitt. Nur bei Fuchsschwänzen wurden spezialisierte Feilungen empfohlen.

Feilen

Wir haben Friedrich Dick Feilen verwendet und das war auch die Empfehlung. Gute Alternativen sind wohl Corretti, Valore und Bahco.

Anbei ein Bild von dem Ergebnis und den Übungsblättern. Es ist eine 14 Zoll, 12 PPI Carcase Saw

Viele Grüße

Sebastian

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