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Handwerkzeugforum für Holzwerker

Schwalbenschwanzverbindungen anreissen *MIT BILD*

Ihr Lieben, ich habe mal zusammengefasst wie ich das (nach aktuellem Stand) mache und hätte gern Meinungen dazu.

Wer Schwalbenschwanz- Verbindungen herstellen will, die gut und gleichmäßig aussehen, muss vor dem Griff zur Säge die Verbindung auslegen (die Maße festlegen) und anreissen. In Literatur und In-ternet sind dazu ehrwürdige, einigermaßen komplizierte geometrische Konstruktionen zu finden. Ich weiss nicht, ob irgendwer das wirklich so macht. Ich benutze einen Taschenrechner (hat ja wohl heute auch ein Tischler), einen guten Stechzirkel und einen selbst gebauten Schwalbenschwanzwinkel.

Die zuverbindenden Bretter („Schwalbenstück“ und „Zinkenstück“) müssen sauber und winklig vorgearbeitet sein und man muss darauf gut feine Bleistiftlinien ziehen und sehen können, auch auf dem Hirnholz. Bei dunklen Hölzern und Nadelhölzern kann ein Einreiben mit Kreide helfen.

Woran ich mich halte:
- Ich fange mit den Schwalben an, reisse die also am Schwalbenstück an, säge und steche sie aus und nehme dann die Zinken davon ab. Warum zuerst die Schwalben? Weil es oft möglich ist, die Schwal-ben an zwei Brettern gemeinsam zu sägen. Trotzdem geht „Zinken zuerst“ natürlich auch.

- Ich mache den Winkel der Schwalben immer mit 10°, also keine unterschiedlichen Winkel für Weich- und Hartholz.

- Ich mache nur ganze Schwalben. Das ist auch so üblich, aber gegen halbe Schwalben spricht technisch überhaupt nichts.

Bild 1: ganze und halbe Schwalben

Geometrische Merkmale der Schwalben und rechnerische Zusammenhänge

Bild 2. Geometrische Merkmale

Die Zinkenteilung setzt sich aus einer Schwalbenbreite und einer Lückenbreite (= Breite der Zinken, die in die Lücke passen) zusammen. Durch Variation der Aufteilung kann das Bild der Verbindung in weiten Grenzen geändert werden:

Bild 3: Aufteilung der Zinkenteilung

s* (s stern) ist der Zahlenwert, der mit der Teilung multipliziert die Schwalbenbreite ergibt.Ich finde es ansprechend, wenn Schwalben- und Lücken (= Zinken) einen ähnlich großen Querschnitt (sichtbare Fläche) haben. Dafür muss die Schwalbenbreite deutlich mehr als die halbe Teilung betragen, s* = 0,6 ist ein brauchbarer Wert, den ich auch beim folgenden Beispiel benutze. Diese Festlegung ist willkürlich und völlig unkritisch, aber man braucht eine Zahl, sonst kann man nicht rechnen.

Es geht los:
1: Grundline:

Als erstes wird am Schwalbenstück die Grundlinie angerissen, und zwar rundherum (vorn, hinten und auch über die Brettkanten). Ihr Abstand von der Hirnholzfläche wird die Höhe der Schwalben, sie soll im Normalfall (d.h. wenn man die Schwalben nach dem Verleimen bündig mit dem Zinkenstück hobeln will), 0,5 bis 1 mm größer sein als die Dicke des Zinkenstückes. Alle anderen Linien mache ich mit dem Bleistift, diese aber mit einem schneidenden Streichmaß. So kann beim Nachstechen des Grundes das Stecheisen die richtige Position fühlen.

2: Randabstand der Schwalben
Die erste und die letzte Schwalbe haben einen Abstand zum Rand der Hirnholzfläche, „Randabstand“ auf Bild 2. Dieser Abstand wird frei gewählt, z.B. etwa halbe Brettdicke, und als „Randlinien“ auf dem Hirnholz aufgezeichnet.

Bild 4: Schwalbenstück mit Grundlinie und Randlinien

3: Zahl der Schwalben, Aufteilung Schwalben- und Lückenbreite
Jetzt ist festzulegen: Wie viele Schwalben soll die Verbindung bekommen? Und wie breit sollen die Schwalben (bezogen auf die sich mit der Schwalbenzahl ergebende Teilung) werden? Beides muss man vorwählen um rechnen zu können.

Bild 5: Zur Berechnung der Zinkenteilung

Bild 5 zeigt: Für eine beliebige Schwalbenzahl n setzt sich der Abstand A zusammen aus (n-1) Teilungen und einer Schwalbenbreite:

Rechnung für ein Beispiel: (entspricht dem Muster auf den folgenden Fotos mit Brettbreite 124mm, Brettdicke 18mm)
Schwalbenzahl: auf eine Strecke die der 10- fachen Brettdicke entspricht passen etwa 8 Schwalben

Mit dieser Zinkenteilung passt alles ganz genau. Auf dieses Maß wird jetzt ein Stechzirkel eingestellt:

Bild 6: Stechzirkel auf 23,5 mm eingestellt

Mit dem Zirkel wird die Teilung, beginnend an der linken Randlinie, viermal abgetragen. Der Zirkel wird eingestochen, um 180° geschwenkt und wieder eingestochen usw. Jeder Einstich markiert den linken Rand einer Schwalbe.

Bild 7: Markieren der Zinkenteilung mit dem Zirkel (zur besseren Sichtbarkeit auf dem Foto sind die Einstiche mit einem Bleistift nachgearbeitet)
Der Abstand von vierten Einstich zur rechten Randlinie ist die Schwalbenbreite. Der Zirkel wird nun auf die so bestimmte Schwalbenbreite eingestellt.

Die linke Randlinie und die 4 Einstiche markieren jeweils den linken Rand der 5 Schwalben. Von dort aus wird jetzt jeweils nach rechts mit dem Zirkel die gefundene Schwalbenbreite abgetragen (Zirkel immer neu ansetzen). Und dann werden durch jeden Einstrich mit Bleistift und Winkel Querlinien gezogen:

Bild 8: Schwalbenstück mit allen Querlinien

Anschliessend werden die Schwalben fertig angerissen, mit einem Bleistift und meinem Schwalbenwinkel, nur auf einer Seite des Brettes:

Bild 9: fertig anreissen der Schwalben mit dem Schwalbenwinkel. Rechts: Detail am Winkel. Versatz zwischen den Querlinien auf dem Hirnholz und den Schrägen an der Seite ist leicht zu verneiden.


Bild 10: Schwalbenstück fertig für die Säge.

Grüße, Friedrich

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