Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Alte Feilen zu Schwertern?

hallo Volker,

in alten Zeiten, also vor dem ersten Weltkrieg, war Stahl für Werkzeuge sehr teuer. Das Umarbeiten von Feilen war weit verbreitet. Wenn man alte (deutsche) Fachbücher aus dieser Zeit liest, stösst man immer wieder auf Hinweise, wie Feilen umgearbeitet werden können. Dabei nutzt man meist aus, dass Feilen eine sehr harte Oberfläche haben, innendrin aber eher weich sind.
Ich habe selbst schon alte Feilen umgeschliffen als Schaber fürs Drechseln. Sie sind gut. Allerdings nutzt man bei Schabern nicht die harte Oberfläche, sondern den weichen Kern der Feilen. Er ist genau richtig, um einen Grat anzuziehen, der beim Schabend-Drechseln die Schneidarbeit erledigt.
Jedoch warnen moderne Bücher davor, dass diese Feilenschaber brechen können und erhebliche Verletzungsgefahr für den Drechsler besteht. Also bitte nicht nachmachen!

In Amerika, von wo Fine Woodworking kommt, herrscht allerdings eine andere Selbermachermentalität. Geht vermutlich zurück auf die Zeiten, als die Siedler noch auf sich selbst angewiesen waren und sich mit dem behelfen mussten, was sie zur Hand hatten. Ich sehe heutzutage, wo selbst auf dem flachen Land in Amerika per Internet gute Werkzeuge schnell und preiswert besorgt werden können, keine Veranlassung mehr, aus Feilen Stechbeitel zu basteln. Ganz abgesehen davon, dass das Verhältnis von aufgewandter Zeit und Energie zum fertigen Stechbeitel in keinem Verhältnis steht zu den rund 25 $ , die ein guter 3/4'' Stechbeitel kostet.

viele Grüsse
reinhold

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