Juuma Ganzstahlzwingen

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Esstisch *MIT BILD*

Hallo Holzwerker,

zuerst sollte ich mich wohl entschuldigen, da ich schon mehrmals gegackert, bis jetzt aber noch nicht gelegt habe. Soll heißen, ich habe hier und da schon mal was von meinem Esstisch erzählt, auch das eine oder andere Bild gezeigt, aber eben noch keine vollständige Dokumentation vorgestellt. Das soll hier und jetzt geschehen.

Wenn wir Besuch hatten, dann war unser antiker Esstisch mit 4 Stühlen, der uns zweien völlig ausgereicht hat, viel zu klein. Also sollte ein großer Tisch mit 6-8 Stühlen dessen Platz einnehmen. Nachdem wir in keinem Möbelhaus etwas gefunden hatten, das uns gefiel und dabei auch noch bezahlbar gewesen wäre, meinte meine Frau, dass ich doch auch einen selbst bauen könnte!
Soweit so gut, aber wie sollte das Wunschobjekt aussehen, welche Maße passen in unser Esszimmer? Fragen über Fragen. Also haben wir Bücher zum Thema Möbelbau gewälzt und im Buch „Making authentic shaker furniture von John G. Shea (1971/1992)“ sind wir fündig geworden. Unser neuer Esstisch sollte ein „Harvard Trestle Table“ im Shakerstil werden. Es gab sogar eine bemaßte Explosionszeichnung davon in diesem Buch, was mir ehrlicherweise die Planung um einiges erleichtert hat. Die in der Zeichnung angegebenen Inch-Maße habe ich umgerechnet um einen Anhaltspunkt für die Dimensionen zu haben und dann alles so angepasst (vergrößert), dass es zu unserem Esszimmer passte.
Nachdem schon unser Couchtisch (auch Eigenbau) aus Kirsche war, kam für den Esstisch ebenfalls nur Kirsche in Frage. So konnte ich auch die „Reste“ vom Couchtisch mit verwerten, habe aber trotzdem noch zweimal Holz zugekauft.
Wie alle meine Projekte ist auch der Esstisch fast ausschließlich mit Handwerkzeugen erstellt worden. Lediglich die Kurven der Beine und Füße habe ich mit der elektrischen Stichsäge gesägt. Alles andere wurde mit Handwerkzeugen erledigt.
Da ich das Holzwerken nur als Hobby betreibe, keinerlei holztechnische Ausbildung absolviert habe und sowieso nur abends nach Feierabend oder am Wochenende Zeit habe, hat sich dieses Projekt sehr lange hingezogen. Außerdem habe ich die Angewohnheit, sollten irgendwelche Probleme auftauchen, die Arbeit erst mal ruhen zu lassen und in Ruhe nachzudenken. Naja, irgendwann ist der Tisch dann doch fertig geworden (nachdem die Auftraggeberin immer ungeduldiger wurde) und wie meist, wenn man unter Zeitdruck arbeitet, schleichen sich dann Fehler ein, deretwegen man sich am liebsten in den Allerwertesten beißen würde.
Ich habe bei diesem Projekt jede Menge dazugelernt und vor allem an einigen Grenzen gekratzt. Zum einen an meinen persönlichen Grenzen und zum anderen an den Grenzen meiner Werkstatt was die Dimensionen des Projekts (insbesondere der Tischplatte) angeht .
So genug geschwafelt, jetzt kommt das was alle (ich selbstredend auch) wollen: Bilder!

Europäische Kirsche, Besäumen und Auftrennen:

Aus diesem „Fladerbrett“ und den 6 Lamellen (mit fast stehenden Jahresringen) soll die Tischplatte entstehen. Für das „Fladerbrett“ habe ich mich relativ spät entschieden, um der Tischplatte optisch etwas „Leben“ zu geben:

Das wird ein Tischfuß:

Hier ein fast fertiger Fuß:

Hier ein Tischbein. Das kleine, rechteckige Zapfenloch im unteren Drittel nimmt später den Zapfen der Diagonalstrebe auf:

Ein Querträger, der später die Tischplatte stützt und durch welchen die Schrauben gehen, die diese fixieren:

Und hier schließlich alle 3 Teile zu einem Bock vereint:

Die beiden Böcke mittels Längsträger zum Tischuntergestell verbunden:

Die Tischplatte in Bearbeitung. Sie war aufgrund ihrer schieren Größe
(2130 x 920 mm) mein größtes Sorgenkind. Alleine schwer zu handhaben, hat zum Hobeln nicht auf die Hobelbank gepasst, musste daher auf Böcken gelagert werden und provisorisch befestigt werden, um Hobeln zu können (siehe die extralange KLEMMSIA):

Alles zusammengebaut! Die Zapfenverbindungen wurden zusätzlich auf Zug gedübelt. Die Dübel dazu habe ich selbst in entsprechendem Durchmesser und Länge hergestellt. Und zwar auch aus Kirsche, Längsholz:

Seitenansicht mit Diagonalstrebe. Diese sind in die Beine und in den Längsträger eingezapft:

Hier noch ein Blick auf die „Reinforcement blocks“ (ich habe noch keine passende deutsche Übersetzung dafür gefunden), die zusammen mit den Diagonalstreben ein Längsschwingen des Tisches verhindern sollen:

Die fertig geölte Tischplatte. Zwischenzeitlich sieht sie nicht mehr so fleckig aus, da ich die Oberfläche nochmals mit Öl und Stahlwolle nachbehandelt habe (Friedrich hat das in anderem Zusammenhang hier im Forum empfohlen) und weil das Holz schon nachgedunkelt ist. Teilweise kamen die Flecken auch von nicht beseitigten Hobelspuren. So ist es halt, wenn es plötzlich pressiert und die Auftraggeberin nicht mehr abwarten kann, bis die Arbeit ordentlich erledigt ist:

Und so sieht die Gesamtkomposition aus:

Vielen Dank an alle, die bis hierher durchgehalten haben.
Kritik, Anregungen, Verbesserungsvorschläge nehme ich gerne entgegen.

Viele Grüße
Bernd

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