Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Welches Werkzeug für Kinder?

Hallo zusammen,

in Anbetracht dessen, dass ich ja selbst vor kurzer Zeit noch "Kind" war - heute bin ich nicht ganz 18 -, kann ich da ja vielleicht etwas helfen.
Nun ich glaube es ist ganz wichtig, dass man niemanden mit Holzbearbeitung (oder was auch immer) "zwangsbeglückt". Sonder schauen, was die lieben Kleinen am meisten interessiert, fasziniert.
Bohren ist da ganz sicher am obersten Ende der Liste zu finden. Ich war und bin ein leidenschaftlicher "Bohrer", meine Lieblingsbeschäftigung war schon zu Zeiten, als ich die Bohrmaschine nicht einmal alleine halten konnte, das Bohren.
Mit einer Bohrwinde habe ich es nie versucht.

Ansonsten hatte ich mit Nageln eine große Freude. Meist spielte sich die Geschichte im Garten ab, wo ich aus herumliegenden und gesammelten Latten, Brettern, ... die eigenartigsten Konstruktionen fabrizierte. Dazu brauchte ich anfangs nur Hammer (natürlich einen eigenen), eine Beißzange und Nägel (ganz am Anfang welche mit großem Kopf - wie man sie für Eternit verwendet). Irgendwann habe ich dann Papas Bügelsäge im Keller entdeckt, die hat sich dann zum Sägen von Dachlatten ganz nützlich erwiesen, wenn sie auch viel zu groß bzw. ich viel zu klein war.

Parallel zu den Freiluftaktivitäten werkte ich drinnen mit Laubsäge und Co.
Das Ergebnis stand für mich dabei nicht unbedingt im Vordergrund, eher musste es einfach Spaß machen.

Welches Werkzeug man nun idealerweise kauft, ist sicher eine schwierige Angelegenheit. Mit 9 oder 10 habe ich mir - wenn ich mich richtig erinnere - eine Bohrmaschine zu Weihnachten gewunschen. Ich habe sie zwar nur unter Papas Obhut benutzen düfen, aber es war meine.
Ein Fuchsschwanz kam auch bald dazu, wie auch Schraubendreher, Zangen und anderes, eher harmloses Werkzeug. Allerdings hat mir nicht jemand Werkzeug als Überraschung geschenkt, ich habe schon immer genau gewusst, was ich will - auf dem Wunschzettel stand dann halt: Fuchsschwanz 450mm, Type X erhältlich bei Y.
Feilen, Raspeln, Schleifpapier sind wahrscheinlich auch geeignet, ein Sortiment Schrauben, Nägel, ... macht vielleicht auch Freude.

Was mich am Anfang überhaupt nicht interessiert hat, war Messwerkzeug, außer Rollmeter, der aber nur zum Spielen diente und Wasserwaage (die Luftblase bewegt sich so schön, außerdem kommt man sich wichtig vor, wenn man im ganzen Haus überprüft, ob Papa die Fliesen ordentlich verlegt hat;;))
Aber ein Winkel wär mir nie in den Sinn gekommen.

Mit dem "echten" Handwerkzeug (Stemmeisen, Hobel) würde ich mir Zeit lassen bis der Tag kommt , an dem der Sohn sagt "Papa lass mich mal hobeln".
Ich finde es toll, wenn man einfach selbst probieren kann. Natürlich wisst ihr, wie man richtig hobelt und könnt eurem Sprößling Hilfestellung geben, damit es gleich klappt, aber ich schätze es halt, wenn ich selbst herausfinden kann, wie etwas funktioniert. Bei meinen ersten Hobelversuche habe ich einen 5-8er Staffel kurz und klein gehobelt, rechtwinkelig war gar nichts, gerade auch nicht, aber der Hobel lief einfach schön, es "zischte" und die gehobelte Oberfläche war wunderbar glatt.

Ein nettes Einstiegsprojekt ist - wie ich meine - eine kleine Werkzeugkiste mit dem zukünftigen Besitzer zu bauen. Erstens kann der dann schon seine Vorstellungen einbringen, ist wahrscheinlich interessierter, als wenn Papa an einem Blumentrog für den Garten arbeitet und lernt - hoffentlich - auch gleich seine Werkzeuge sorgsam zu behandeln und zu verstauen.
Das mit der sorgsamen Behandlung war bei mir nicht nötig, da ich immer extrem empfindlich war, wenn es um mein Werkzeug ging. Ist auch heute nicht anders, meine Hobel und Stemmeisen darf niemand anrühren, auch Papa nicht, wenn ich aber wohlgemerkt seine Stemmeisen verwende.

Nun gut, jetzt habe ich eine (Un-)Menge geschrieben und wahrscheinlich auch nicht viel weiterhelfen können.

So oder so,
herzliche Grüße (auch an eure Nachwuchswerker!)

Christian

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