Handbehauene Raspeln von Liogier

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Trocknen von Nußbaumholz *MIT BILD*

Hallo Dietrich,

es ist grundsätzlich Geschmackssache, aber ich habe noch nie ungezieferfreies Kirschbaumholz bekommen, so dass sich für mich die Frage nie stellte. Aber speziell bei Kirschbaum wird eigentlich das helle, gelbliche Splintholz nicht verwendet. Wenn man über Kirsche redet, meint man immer das dunklere Kernholz, welches meist einen rötlichen, manchmal auch einen gelblichen Stich hat. Bei Kirsche kommen auch manchmal im Kernholz grünliche Streifen vor, die man laut Spannagel ebenfalls rausschneiden sollte, aber diese finde ich wiederum interessant, sofern sie nicht zu aufdringlich sind. So habe ich einmal eine kleine Schublade aus einem einzigen (aufgetrennten) Kirschbaumbrett mit einem schwachen grünlichen Streifen in der Mitte hergestellt. Bei der Schublade läuft der Streifen einmal rings herum und es gefällt mir gut.
Wenn ich ein Möbelstück von einem Kernholzbaum plane, berücksichtige ich, dass ich viel mehr Schnittholz einkaufen muss als von einem Splintholz- oder Reifholzbaum. Das bedeutet, Kirsche ist für mich nicht z.B. doppelt so teuer (laut Preisliste) wie Ahorn, sondern vier- oder fünfmal so teuer. Übrigens war die Rinde bisher immer dran, wenn ich Kirsche (und andere) kaufte.
Dieser Beitrag ist auch gleich eine Antwort auf Christian's Observation mit den billigen Möbeln. In keiner Möbelfabrik wird bei billigen Möbeln Rücksicht darauf genommen, wie die einzelnen Holzteile zusammengefügt werden, ob Äste durchgesägt werden, wie die Jahrringe zusammenpassen. Splintholz und Markröhre werden ohne Rücksicht auf das spätere Aussehen verarbeitet (speziell bei Kiefer). Genau das alles kann man als Hobbyschreiner berücksichtigen und nach Geschmack und den klassischen Regeln Holzobjekte bauen.
Selbst bei Aufträgen an Schreinermeister ist man nicht auf der sicheren Seite. Eine Bekannte von mir hat sich von einem Schreinermeister für ihren Esstisch eine Kirschbaumplatte herstellen lassen. Sie besteht aus wunderschönem Kirschbaum Kernholz, aber in der Mitte hat er ein Brett mit einem auffälligen keilförmigen Stück Splintholz verarbeitet. Damit sieht der Tisch unmöglich aus.
Ich kaufte mir vor langer Zeit, als ich mich noch nicht so sehr mit Holz beschäftigte, Stühle aus Kiefer. Wieder das übliche: Kern und Splint wahllos zusammengebaut, mit Holzpaste geflickte Stellen, keine Rücksicht auf Äste, was bei einem Stuhl die Stabilität vermindert, und genau an einer Kante das Mark, welches man mit dem Fingernagel herauskratzen kann. Auf den Werbefotos sieht man das natürlich nicht, da werden nur die besseren Stücke gezeigt. Als ich dann vor einigen Jahren Kinderstühle aus Kiefer für meine Tochter baute, habe ich all das berücksichtigt (siehe Foto).

Viele Grüße von
Edi

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